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Basteln mit Natur im Himmelbeet

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Basteln mit Natur im Himmelbeet

Mittwoch, 27.03.2013

Arbeiten im Kiez

1.

"Ich denke, das ist wirklich eine sinnvolle Arbeit. Und es ist immer schönes Erfolgserlebnis, wenn es den kleinen nach der Behandlung besser geht." Elisa Belaschk, 30 ist Tierärztin in der Tierarztpraxis Dr. Pastor in der Brüsseler Str. 52. Der schwarzweiße Kater Felix, scharwenzelt uns um die Füße. Einst schwer krank, lebt er hier, seit ein paar Jahren. Studiert hat sie in Leipzig und arbeitet 20 Std. pro Woche, Teilzeit. Parallel schreibt sie an ihrer Doktorarbeit an der Charité, in Humanmedizin. Das ist nicht unüblich. Neben Ihr gibt es noch 3 weitere Ärzte, 4 Pfleger, 2 Azubis und 2 Praktikanten. Die Praxis hat jeden Tag geöffnet. Eine Tierpension und ein Handel für medizinisches Futter sind angeschlossen. "Einen tierärztlichen Notdienst gibt es ja nicht mehr, da muss man mit den Öffnungszeiten flexibel sein." Von Maus über Schildkröte bis hin zur Dogge reicht die Bandbreite der Patienten. Meistes sind es aber Kaninchen, Meerschweinchen und Katzen. Für kranke Fische, Großreptilien und Pferde gibt es Spezialisten. Gezahlt wir immer per Sofortkasse, aber auch Krankenversicherungen gibt es für Haustiere. "Die Leute, die hier herkommen sind sehr gemischt, aber durchweg sympathisch. Im Moment wohne ich in Schöneberg, kann mir aber durchaus vorstellen, bald in den Kiez zu ziehen. Diese Internationalität und kulturelle Vielfalt finde ich super."

www.tierarztpraxis-pastor.de

2.

In einem Gewerbehof in der Gerichtstraße sitzt die kleine Agentur Tiefenschärfe im 4. Stock. Weit geht der Blick über Panke, S-Bahn und Wiesenburg. Einen unverstellten Blick brauchen Bettina Michl und Robin Mehra auch für ihre Arbeit. Es fällt nicht leicht, das Arbeitsfeld von Tiefenschärfe in zwei Sätzen zu beschreiben. Versuchen wir es gar nicht erst. Die Betriebswirtin und Politikwissenschaftlerin Michl und der Volkswirt Mehra machen es sich zur Aufgabe, bei ihren Kunden nutzerorientiertes Denken zu implementieren – also diejenigen in den Mittelpunkt von Entwicklung und Design zu stellen, die am Ende mit dem Produkt arbeiten müssen. Bislang stehen oft Technologie oder Geschäftsmodell im Zentrum des Firmendenkens. Wer Tiefenschärfe beauftragt, riskiert also einen Eingriff in die Unternehmenskultur. Auftraggeber sind demnach auch zumeist große Firmen wie z.B. SAP, die den Kontakt zu ihren Kunden behalten wollen und sich auf einen ergebnisoffenen Arbeitsablauf einlassen können. Grundsätzlich tritt Tiefenschärfe bei ihrer Arbeit in Kontakt mit dem Endverbraucher der Produkte ihrer Kunden - und zwar in intensiven direkten Beobachtungen und qualitativen Befragungen. Für ihre Projekte stellt die Agentur interdisziplinäre Teams zusammen, unterstützt von freien Mitarbeitern. Diese sind z.B. Mediziner, Designer oder Architekten. Am Anfang jeden Projekts steht zunächst die Herausforderung, das Problem zu durchdringen und die richtigen Fragen zu stellen. Hört sich trocken an, aber Michl und Mehra haben viel Spaß an ihrer Arbeit. Wichtig ist ihnen auch der Standort der Agentur hier im Kiez. Das Unfertige, Improvisierte, sich Entwickelnde entspricht dem Ablauf ihrer Projekte. Außerdem mögen sie es, an einem Ort zu arbeiten, der nicht ganz ihren Lebenswelten entspricht. So können sie die Empathie, das sich in andere hinein Versetzen, im täglichen Miteinander ausprobieren. Und ja - ehrenamtlich arbeiten sie auch, in einer Suppenküche.

3.

Café "Mocca" am Nettelbeckplatz, 11 Uhr in der Früh. Inhaberin Stephanie Behling steht schon seit vier Stunden im Laden. Ab 7 Uhr bereitet sie Küche und Gastraum vor, damit die ersten Gäste um 8 Uhr schnell ein leckeres Frühstück bekommen. Seit mehr als acht Jahren nun betreibt sie gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Vedat, den seit Urzeiten alle nur "Schoko" nennen, das "Mocca". Früher war hier ein Warenlager. Die beiden haben mehr als 60.000 investiert, um daraus ein schmuckes Café zu machen. Viel Arbeit damals, heute nicht weniger: Selten kommen die beiden vor 19 Uhr aus ihrem Café - im Sommer noch deutlich später. Dann geht's im "Mocca" oft bis 22 Uhr. Spaß macht es trotzdem - jedenfalls meistens, wie Stephanie Behling mit einem Lächeln erzählt. Die meisten Kunden sind Stammkunden. Seit die Post und nun auch Schlecker geschlossen haben, kommt wenig Laufkundschaft. Das macht das Wirtschaften zusehends schwerer. Noch wirft das Café genug zum Leben für beide ab, aber die Sommermonate müssen ein Polster für den Winter garantieren. Ehrenamtliche Arbeit? Frau Behling lacht: "Wann soll ich das denn noch machen?" Die Gäste fühlen sich sehr wohl hier. Heute hat ein Stammgast kostenlos einen Kuchen vorbei gebracht. Nur mit Mühe gelingt es beiden gemeinsam, die selbstlose Bäckerin davon zu überzeugen, heute ihren Kaffee nicht zu bezahlen. Eine junge Frau schlendert herein, um die offene Rechnung vom Vortag zu begleichen. Man kennt sich gut, ist fast freundschaftlich miteinander verbunden. Trotzdem fehlt den Wirten ein wenig Privatsphäre. Gerade, weil sie den ganzen Tag auf Arbeit sind, würden sie wenigstens beim Essen gern alleine sein, doch einen Raum dafür gibt es nicht. Stephanie Behling arbeitet seit ihrer Jugend in der Gastronomie, kann sich nichts anderes vorstellen.  Sie würde das Café sehr gern halten, aber das hängt auch von der Entwicklung des Platzes ab. Darüber ist sie auch schon mit Bezirksstadtrat Spallek im Gespräch. Im Übrigen macht sie mit ihrem Mann im Café alles allein: Putzen, Kochen, Servieren, Einkaufen, Planen. Nur die Steuer, die macht der Steuerberater. Und aufs Foto will sie auch nicht - da muss Schoko ran.

4.

Angelika Graß ist seit 1995 Leiterin der Kinder in Bewegung gGmbH  KiTa Gottschedstraße 28, die neben 30 pädagogischen Fachkräften noch fünf Kräfte in der Küche beschäftigt. Die KiTa wird von z. Zt. 165 Kindern im Alter zwischen sieben Monaten  und sechs Jahren besucht. Nach ihrer Fachschulausbildung zur Erzieherin durchlief sie die Arbeitsstationen Kinderheim, Hort, Elementargruppen, Vorschulgruppen und wurde 1989 stellvertretende KiTa-Leiterin. Grundlage ihrer Leitungsaufgaben ist das Berliner Bildungsprogramm, das beschreibt, wie Betreuung, Bildung und Erziehung unter der Zielsetzung von Gesundheit, Ernährung, Sprachförderung, mathematischer und experimenteller Fähigkeiten stattfinden soll, um die Qualität der KiTa-Arbeit zu gewährleisten. Als Kind wollte sie zur Polizei, doch bei den Pfadfindern und der kirchlichen Gemeindearbeit hatte sie ihr Herz für Kinder entdeckt.  An ihrer Arbeit im Wedding schätzt sie die herzliche und dankbare Atmosphäre unter den Kindern und Eltern, die durch ihre internationale Zusammensetzung viele interessante Impulse geben können. Sie möchte dazu beitragen, dass die Akzeptanz der Menschen für ein gemeinsames Zusammenleben gestärkt wird. Ehrenamtlich ist die Neunundvierzigjährige im Quartiersrat, im Büro gegen Kinderarmut und als Sprecherin im Jugendhilfeausschuss der AG 78 Tagesbetreuung tätig.

5. Der lokale Kultur- und Eventmanager Eberhard Elfert im Interview zum Thema Arbeit

Was arbeitest du?

Ich arbeite in der poltischen Erwachsenenbildung, dem Tourismus und im Eventmanagement, mein Schwerpunkt liegt eindeutig in der Organisation freier Kulturprojekte. So organisiere ich mit Sabrina Pützer z.B. den "Weddingmarkt".

Wer bestimmt bei Dir auf Arbeit, wo´s langgeht?

Ich und mein Bauchgefühl

Was wolltest Du als Kind werden?

Mein Berufswunsch? Ich wollte unbedingt Kapitän Nemo werden, um mit meiner Nautilus zum Mittelpunkt der Erde zu reisen.

Macht Dir deine Arbeit Spaß?

Klar! Sonst wäre ich nicht hier.

Kannst Du gut von Deiner Arbeit leben?

Hm, zahlreiche Fördergeldgeber kennen sich, obwohl sie es müssten, mit freiberuflicher Arbeit so gar nicht aus, das machte es manchmal ein wenig mühselig. Also (über-) leben ja, aber man wird nicht reich.

Was fehlt Dir bei der Arbeit?

Mir fehlt in erster Linie der fachliche Austausch mit anderen Freiberuflern der Kreativwirtschaft. Eine lokale Vernetzung der Kreativköpfe im Wedding wäre ein Ziel.

Arbeitest Du auch ehrenamtlich?

Na klar, im Wedding ist man doch sowieso in verschiedene Bürgerbeteiligungsverfahren einbezogen und engagiert sich dort, oder? Der Nachteil: Wir leisten die Arbeit für die Politik und die Verwaltungen. Während die Damen und Herren gut bezahlt werden, arbeiten wir meist für umsonst und das ist auf Dauer extrem unbefriedigend.

6.

Die KFZ-Werkstatt MASS in der Nazarethkirchstraße 51 liegt etwas versteckt auf einem Hinterhof. Es ist keine große Werkstatt, der Inhaber Salem Salama arbeitet hier allein mit seinem Azubi Alyassa Bossin. Herr Salama ist ärgerlich: Für einen Benz, der schon seit dem frühen Morgen auf der Hebebühne steht, wartet er seit mehr als sieben Stunden auf das richtige Teil. Zwei Mal kamen falsche Teile, inzwischen ist der Chef ungeduldig. Die Hebebühne ist blockiert; das heißt, er verdient weniger Geld. Die Autowerkstatt MASS - benannt nach den Initialen der Gründer, von denen einer inzwischen ausgestiegen ist - existiert seit 2010. Mass ist das arabische Wort für "Perle". Es ist viel los in der Werkstatt. Ein Techniker checkt den Bremsprüfstand, Kunden geben und holen ihre Autos ab, Nachbarn schauen auf ein Schwätzchen vorbei, endlich wird auch das richtige Teil geliefert. Man kann Salem Salama verstehen, wenn er beklagt, dass er teilweise mit der Arbeit nicht hinterher komme. Gerne würde er noch einen Mechaniker einstellen, aber dafür fehlt noch die wirtschaftliche Grundlage. Entlastung erhofft er sich dann, wenn Alyassa ins zweite Lehrjahr kommt und die Schulden abbezahlt sind. Salama selbst kam mit 22 Jahren nach Deutschland und wollte ursprünglich Maschinenbau studieren. Weil dies für ihn und seine Familie nicht zu finanzieren war, heuerte er bei Bosch an. Nach einigen Jahren entschloss sich der Vater von sechs Kindern, zwei davon aus einer früheren Ehe in Hessen, den KFZ-Meister zu machen. Ziel war die Selbstständigkeit. Allerdings suchte er nach Abschluss der Meisterlehre mehr als ein Jahr nach einer passenden Werkstatt. Nun ist er froh, dass er den Raum gefunden hat. Um auch Zeit mit seinen Kindern verbringen zu können, arbeitet Salama in der Regel 5 Tage pro Woche von 9 bis 18 Uhr. Die Stunden mit den Kindern sind ihm und seiner Frau sehr wichtig, dann fahren sie gern ins Umland, zum Beispiel an den Wandlitzsee. Immerhin erlaubt es die wirtschaftliche Situation der 6-köpfigen Familie, einmal pro Jahr in den Urlaub zu fliegen. Stolz ist Salem Salama vor allem darauf, dass sich die Werkstatt bisher ohne einen Cent für Werbung trägt, allein durch Mund-zu-Mund-Propaganda zufriedener Kunden. Über das Reparaturgeschäft hinaus würde er sich gern um Jugendliche kümmern, die im Wedding vor allem durch Drogen aus der Spur gekommen sind. Am besten in einer Lehrwerkstatt mit angeschlossenem Wohnheim. Aber das ist vorerst noch ein Traum.

7.

"Bei 10.000 Geburten habe ich aufgehört zu zählen. In 48 Jahren als Hebamme kommt schon einiges zusammen." Luise Kaller, 68, ist Beleg-Hebamme im Virchow-Klinikum. Das heißt dass sie die schwangeren Mütter bereits vor der Geburt in Hausbesuchen kennenlernt, die Geburt betreut und auch noch die ersten Wochen danach mit Rat und Tat zur Seite steht. "Ich erlebe spannende Einblicke in die unterschiedlichsten Familien und in die Psyche der Mütter." In dieser Periode ist sie 24 Stunden erreichbar. Abgerechnet wird mit Krankenkasse und Krankenhaus. "Angestellte Hebammen, werden für die Verantwortung, die sie tragen, zu schlecht bezahlt," findet Kaller, die selbst 2 Kinder und 2 Enkelkinder hat. "Bei Selbständigen Hebammen ist das Einkommensniveau schon besser, aber man hat nie geregelte Arbeitszeiten. 10 bis 14 Geburten habe ich im Monat. Einmal sogar 4 gleichzeitig, da bin ich von Kreißsaal zu Kreißsaal gesprungen." Einen 1wöchigen Urlaub muss sie schon 7 Monate im Voraus planen. An kurze Nächte hat sie sich gewöhnt, genau wie ihre Freunde an kurzfristige Absagen von Verabredungen. "Den Zeitpunkt einer Geburt kann man nie genau vorhersagen," Ein Knochenjob, den sie aber sehr gerne macht. Sicherlich eine Berufung. "Es ist doch toll einen Beruf zu haben, der am Ende immer ein positives Ergebnis hat. Die Geburt eines Kindes! Für mich nach wie vor jedes mal ein kleines Wunder!" Ihr geballtes Hebammenwissen hat sie in ihrem Buch "Bauchgefühle" gesammelt."

8.

"Mein Arbeitstag besteht vorwiegend darin, Emails zu beantworten oder Kundentermine wahrzunehmen. Zum Spielen komme ich viel zu selten. Aber 1x die Woche klappt´s meistens." Stephan Eckart, 42, gelernter Sportlehrer ist einer von drei Geschäftsführern der BeachMitte GmbH. 1996, als Beachvolleyball noch absolute Randsportart war, hat alles mit einem einzigen Feld in der Chausseestraße, auf dem Grundstück des abgerissenen Stadions der Weltjugend, begonnen. Inzwischen sitzt dort der BND und man ist auf den ehemaligen Mauerstreifen am Nordbahnhof gezogen. "Irgendwie ein kurioses Niemandsland." Eine Sand- und Sonnenoase im unmittelbaren Einzugsgebiet unseres Kiezes mit über 50 Feldern. Schulklassen, der Berliner Hochschulsport, soziale Einrichtungen und Sportler unterschiedlichsten Niveaus, vom WM Teilnehmer bis zum blutigen Anfänger, frönen hier dem Beachvolleyball. Inzwischen hat man 20 Festangestellte plus 15-40 gering Beschäftigte während der Sommersaison. "Es macht mir viel Spaß, Verantwortung zu übernehmen und in diesem Unternehmen einen hohen Grad der Mitbestimmung zu haben. Es ist unser Baby!" Das meiste Geld kommt durch die angeschlossene Gastronomie und die Ausrichtung von Firmenevents rein, wird aber - der langfristige Pachtvertrag mit dem Land Berlin macht´s möglich - zumeist in neue Projekte wie z.B. den Hochseilklettergarten reinvestiert.

www.beachmitte.de

9.

Wassila ist Grundschulpädagogin und arbeitet als Honorarkraft an verschiedenen Einrichtungen: Sie gibt einen Deutschkurs an der Wedding-Schule für Romakinder, leitet eine Mutter-Kind-Theatergruppe an der Elternakademie und bereitet bei einem türkischen Bildungsverein in der Müllerstraße Schüler auf den Mittleren Schulabschluss und das Abitur vor. Die 35jährige Berlinerin mit arabischen Wurzeln betreut noch ehrenamtlich als Mentorin eine türkisch-arabische Studentengruppe, die sie vorher auf das Abitur vorbereitet hatte. Ihre Vorgesetzten lassen der Lehrerin viel Freiraum, so dass sie selbständig ihren Unterricht gestalten kann. Als Kind wollte sie zunächst Anwältin werden, aber sie fand ihre eigene Grundschullehrerin so toll, dass sie selbst diesen Beruf ergreifen wollte. Mit jungen Menschen zu arbeiten, macht ihr viel Spaß.  Beim Unterrichten hat sie viel Abwechslung und nie Langeweile.