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Auf unseren Festen wird mir oft zu wenig gefeiert

Efrossini Catrisioti vom Kulturamt Mitte, Fachbereich Kunst und Kultur, widmet sich vor allem der interkulturellen Arbeit. Wir fragten sie nach der Bedeutung von Festen für unseren Kiez.

Efrossini Catrisioti vom Bezirksamt Mitte für Weiterbildung und Kultur

 

Was macht Feste für unseren Kiez interessant? Feste waren für die Menschen schon immer wichtig. Schon in den ältesten Kulturen wurden Feste begangen, um die Gemeinschaft zu stärken. Das hat sich im Prinzip bis heute nicht geändert.

Und was macht ein gutes Stadtteilfest aus? Vor allem, dass die Besucher die Möglichkeit haben, mitzumachen. Dass man nicht zwanghaft zur Bühne gehen muss, um unterhalten zu werden. Zum Beispiel mobile Straßenkünstler, Musiker oder Gaukler tragen eine positive Atmosphäre in das Publikum herein und lassen sie zu einem Teil der Vorführung werden. Interaktion ist wichtig. Leider ist das nicht immer so. Da gibt es die Bühne, hier ein paar Stände mit Getränken und Speisen und dann noch ein paar Infostände. So werden die Besucher schnell zu Statisten. Man kommt zu zweit und bleibt zu zweit. Mir wird auf unseren Festen teilweise noch zu wenig gefeiert. Wir müssen uns fragen: Was ist gut gelaufen? Was nicht? Und Veränderungen erzielen.

Was lässt sich ändern? Meiner Meinung nach könnte es weniger Feste geben, wenn die verbleibenden dafür ein überzeugendes Konzept haben. Das könnte gemeinsam mit der Kommune, den QM`s und den Organisatoren entstehen. Die Verantwortung für die Qualität der Straßenfeste sehe ich vor allen Dingen bei den Veranstaltern. Wer so ein Fest organisiert, muss überlegen wie er es schafft, dem Kiez und seinen Bewohnern gerecht zu werden. Das ist mehr, als nur nach Schema F einen Auftrag auszuführen.

Stichwort Interkulturalität: Gibt es bei uns einen Austausch zwischen den Kulturen? Es ist schwierig nur von Statistiken auszugehen, zu gucken wo leben wie viele Migranten und daraus Schlüsse zu ziehen. Es gibt zum Beispiel viele türkische Familien mit muslimischem Hintergrund, die sich in der Weihnachtszeit einen Tannenbaum besorgen und ihre Fenster mit Lichterketten schmücken. Dort hat offensichtlich schon ein Transfer stattgefunden – wenn auch die christliche Bedeutung nicht geteilt wird. Für das gemeinsame Feiern im Kiez kann man auch einmal in die Vergangenheit schauen, wo es Verbindungen zwischen den Kulturen gibt. Jeder versteht ja unter dem Begriff „Fest“ oder „feiern“ etwas anderes. Etwa ein Erntedankfest gibt es in fast allen Kulturen. Wenn man hier z.B. kulinarisch versucht, eine Brücke zu bauen, kann eine neue Qualität entstehen. Den Kürbis gibt es weltweit als Speisegrundlage. Warum also nicht einmal ein Kürbisfest probieren – mit vielen internationalen Gerichten, aber auch z.B. mit Instrumenten aus Kürbissen oder mit „Kürbis-Kunst“. Auch Pasta gibt es in den unterschiedlichsten Formen auf der ganzen Welt. Ich möchte dazu einladen, hier auch mal quer zu denken, die eingefahrenen Wege zu verlassen. Man kann sich Gedanken über alte Rituale und Feste machen.

Was haben die Leute zu feiern, die keinen Job haben und gerade so über die Runden kommen? Auch die sollen mitfeiern. Also sollte man nicht nur für 5 ein Bier kaufen können, sondern z.B. durch ein öffentliches Picknick Ausgrenzung verhindern. Oder man nimmt als Eintritt nur 1€. Es ist Aufgabe des Veranstalters zu sehen, was man diesen Leute im Rahmen ihrer Möglichkeiten anbietet.

Andere Länder haben Nationalfeiertage wie den Unabhängigkeitstag in den USA, die landesweit gefeiert werden. Ich finde die Nationalfeiertage sollten in den Communities bleiben. Sie bekommen schnell einen ausschließenden Charakter. Die Neutralität sollte erhalten bleiben. Man braucht eine offene, austauschfördernde Atmosphäre. Deshalb bin ich auch sehr vorsichtig mit christlichen Festen. Die Kommune oder das Land muss moderieren und ausgleichen, damit sich am Ende keiner übervorteilt fühlt.

Wie finden Sie die Idee vom Wedding Kultur Festival? Die Idee dafür kam vom Quartiersrat. Das wurde von der Kommune sehr unterstützt. Ich bin gespannt, was auf uns zukommt. Ob das eine neue Plattform ist, wo sich Dinge entwickeln können, wird sich zeigen.

Was feiern Sie selbst am liebsten? Ich feiere sehr gerne im privaten Kreis. Rituale zu bestimmten Zeiten, zu denen man sich mit Freunden trifft. Weihnachten zum Beispiel feiern wir nicht nur im engsten Familienkreis, sondern auch mit Freunden. Da bringen wir auch gerne kulinarische Anregungen aus unseren Urlaubsländern ein. Oder einen neuen Wein. Und im Sommer bin ich Fan der OpenAir-Kultur.

Interview: Johannes Hayner