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Barbara Willecke im Gespräch mit Michaela Nolte

- „Wir sind ein Büro für schwierige Fragestellungen“, sagt Barbara Willecke. Gemeinsam mit ihrem Team - Claudia Zimmermann, Jana Sidow, Florian Birke und Jan Schneckener - hat die Garten- und Landschaftsarchitektin die Umgestaltung des Nauener Platzes gestemmt. Im Wedding hat sie in den Jahren 2005 / 2006 mit ihren Mitarbeitern zusammen bereits den Nettelbeckplatzes umgestaltet.
Ist das alles aufregend!“, sagt Barbara Willecke als sie zum Interview erscheint. Die Sitzung hat zwei Stunden länger gedauert, und außer am Nauener Platz arbeitet die Landschaftsarchitektin mit ihren fünf bis sechs Mitarbeitern an Schulen in Köln, Düsseldorf und Friedrichshain, einem Reittherapiezentrum in Luxemburg und dem Wohn- und Gewerbepark Triotop in Köln. Für eine Brücke mit Wassermühle in Kyritz hat das Büro ,planung freiraum´ den ersten Platz bekommen, und es bereitet gerade einen Wettbewerb für eine jüdische Gedenkstätte in Marburg vor.
Wir treffen uns auf dem Nauener Platz, weil Barbara Willecke die Planung am liebsten vor Ort erläutert. Drei Wochen vor der Eröffnung hämmern die Bauarbeiter, eine Planierraupe dröhnt, und die Schleifmaschine zerschneidet förmlich die Luft. Doch auch in Sachen Lärm ist die zierliche Frau durch und durch Profi. Sie hebt ihre Stimme über das Sirren und Rattern und erzählt beim Rundgang von den „kleinen Strukturen, die räumlich viel bewirken“ oder den „sorgfältig ausformulierten Schwellenbereichen“, wo man für sich sein oder aber mit anderen kommunizieren kann.
„Der Platz lief früher weit unter seinen Möglichkeiten. Jetzt hat er eine viel stärkere stadträumliche Präsenz“, sagt Barbara Willecke. „Man kann von der Reinickendorfer Straße bis ans Ende durchgucken. Das erhöht die Sicherheit, und mit den verschiedenen Orientierungspunkten möchten wir die Leute reinlocken. Die Ohrensessel und die Rosenbeete sieht man schon von der Promenade aus. Das ist ein Grund nach hinten zu gehen.“
Die blauen Ohrensessel und -bänke, die drehbaren Liegen und Sitzelemente in verschiedenen Rottönen oder die Hollywoodbank, all diese Freiraummöbel hat Barbara Willecke nach Ideen der Anwohner eigens für den Nauener Platz entworfen und mit Fachleuten ausgefeilt. „Als Planer arbeitet man immer in Netzwerken. Über das Programm Experimenteller Wohnungs- und Städtebau konnte neben Licht- und Klangkünstlern ein Forschungsteam hinzugezogen werden. Frau Professor Schulte-Fortkamp hat mit ihrer psychoakustischen Methode herausgefunden, welche Klänge von den Bewohnern als positiv empfunden werden“, so Willecke. „Wenn sich aus den Ohrenbänken Meeresrauschen oder Vogelzwitschern zwischen den Verkehrslärm schiebt, wird er nicht mehr so stark wahrgenommen. Und man sieht den Brunnen. Solche Klänge und die Assoziation Wasser tragen insgesamt zu einer angenehmen Stimmung bei.“
Über die Aneignung und Wahrnehmung von Freiräumen hat Willecke bereits als Studentin geforscht. Daraus und aus ihren vielfältigen Erfahrungen rührt der Anspruch, nutzerorientiert zu planen und nicht gleich mit einer fertigen Idee zu kommen. Bei der Bürgerbeteiligung hat sie mit dem Moderator Holger Scheibig Praktiken entwickelt, die das Denken und die Sinne der Teilnehmer öffnen, damit nicht nur Bekanntes reproduziert wird. Bei einer generationenübergreifenden Umgestaltung kein einfaches Unterfangen. Aber über die Bürgerbeteiligung könne man selbst absurde Dinge lösen und Strukturen schaffen, die den Ort gut machen, erzählt Barbara Willecke. „Wenn es für die Menschen lesbar ist, dass wir uns Mühe gegeben haben, dass die Dinge schön sind und einen Wert haben, werden sie auch gehütet.“






