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Berufsorientierung durch Eltern

Das Projekt "Berufsorientierung durch Eltern" hilft Jugendlichen bei der Berufsfindung, indem es auf die Förderung und Stärkung der Kommunikation innerhalb der Familien setzt. Mit Unterstützung des Quartiersmanagements Pankstraße hat der Türkische Kulturverein die Initiative mit einem intensiven Informationsprogramm gestartet

Grundsteine und Impulse für die Berufswahl junger Menschen werden in der Regel innerhalb der Familie gelegt. Doch heutzutage fehle es häufig an Wissen über Ausbildungsmöglichkeiten und berufliche Chancen, um überhaupt miteinander ins Gespräch zu kommen, erzählen Muzaffer Türk und Ayse Altunkaynak-Türk. Als ehrenamtliche Mitarbeiter haben sie im Türkischen Kulturverein immer wieder mit Rat und Tat zur Seite gestanden, wenn Eltern mit der beruflichen Zukunft ihrer Sprösslinge überfordert waren oder Jugendliche, auf sich allein gestellt, keine eigenen Perspektiven entwickeln konnten.

Aus ihren bisherigen Erfahrungen haben der angehende Politikwissenschaftler und die Architektin ein Konzept entwickelt, das an den Ursachen ansetzt. "Man muss sich für die Leute einsetzen, mit dem Herzen dabei sein und sie auch animieren. Es gibt hier einen Mann, der ist über zwanzig Jahre alt und hat keinen Berufsabschluss. Aber er ist sehr fleißig und freundlich; nur einfach zu schüchtern. Dem habe ich den Kontakt zu einem Großhändler vermittelt", so Muzaffer Türk.

Über vielfältige persönliche Kontakte knüpft das junge Paar ein Netzwerk zu Betrieben und beratenden Institutionen. Vor allem aber soll den Eltern und den Jugendlichen das notwendige Hintergrundwissen vermittelt werden. Einmal im Monat werden hierzu Referenten aus der Praxis eingeladen. "Eine Rechtsanwältin berichtet zum Beispiel über den Beruf und über ihren persönlichen Werdegang, und wir ergänzen das dann um weitere Aspekte des Berufsfelds", sagt Ayse Altunkaynak-Türk. "Einige haben ganz falsche Vorstellungen von den Berufen. Wenn sich jemand für rechtliche Dinge interessiert, muss er nicht gleich Anwalt oder Richter werden; es gibt ja auch eine Ausbildung zum Rechtspfleger. Andere kennen die Möglichkeiten nicht, die das deutsche Bildungssystem zum Beispiel auch über den zweiten Bildungsweg bietet," so die Diplom-Ingenieurin, die vor ihrem Architekturstudium eine Ausbildung zur Sekretärin im Gesundheitswesen absolviert hat. Neben Ärzten oder Polizisten wird außerdem eine Schulleiterin über den Wechsel von der Grund- in die Oberschule berichten, damit die Eltern sich möglichst früh Gedanken über den Werdegang ihrer Kinder machen können.

 Zweimal wöchentlich ist die Beratungsstelle geöffnet, bei Bedarf gibt es Einzelbetreuungen oder Hausbesuche, und bei Verständigungsproblemen werden die Eltern und Jugendlichen zur Berufsberatung begleitet. Gemeinsame Besuche bei Institutionen wie dem SOS-Berufsausbildungszentrum oder dem BIZ der Arbeitsagentur helfen zudem, die Schwellenangst mindern.

"Wir wollen die Eltern zu einer Art persönlichem Berufsberater für ihre Kinder befähigen", so Ayse Altunkaynak-Türk. Die offiziellen Berufsberater durch das Projekt ersetzten, wollen die Initiatoren nicht. Sie verstehen sich als Brücke zwischen Eltern und behördlichen Einrichtungen, Eltern und Jugendlichen sowie zwischen den Familien und den Schulen.

 Ansprechpartner: Muzaffer Türk, Ayse Altunkaynak-Türk
Türkischer Kulturverein, Lindower Straße 24, 2. Hinterhof, 13347 Berlin,
Tel. und Fax: 461 29 54
Beratungszeiten: Montag und Mittwoch 13-17 Uhr

Michaela Nolte