Sie befinden sich hier: kiez.info - Neuigkeiten / Bewegung für Klein und Groß

Suche

Aktuelle Veranstaltungen

Donnerstag, 23. November 2017 , 14:00 Uhr

Basteln mit Natur im Himmelbeet

Dienstag, 28. November 2017 , 16:00 Uhr

Textildruck-Workshop

Donnerstag, 30. November 2017 , 14:00 Uhr

Basteln mit Natur im Himmelbeet

Donnerstag, 07. Dezember 2017 , 14:00 Uhr

Basteln mit Natur im Himmelbeet

Montag, 23.10.2017

Bewegung für Klein und Groß

Einweihung der neuen Bewegungsmodule am Elefantenspielplatz Adolfstraße

Auf dem Spielplatz ist einiges los
Sängerin Rasha gibt den musikalischen Rahmen
Tischtennis gegen sich selbst kann man hier spielen
Auch Väter stellen ihr akrobatisches Können unter Beweis
Sängerin Rasha präsentiert eigene Songs
Treffer ins neue Ziel-Modul!

Klatsch! ––– Klatsch! ––– Klatsch! Wer im Wedding wohnt und sich ab und zu mal die Kopfhörer von den Löffeln zieht, kennt dieses Geräusch. Es ist ein fettes Fatschen, verbunden mit einem sonoren metallischen Klirren. Bälle, die gegen Stäbe knallen. High Speed, high Noise. Fußballkäfige nennt sie der Volksmund, Soccer Grounds der Hipster, umzäunte Fußballanlagen der Verwaltungsbeamte.

Am Freitag, den 13. Oktober, war ein solcher Fußballkäfig Treffpunkt für eine Gruppe von Menschen ganz verschiedenen Alters. Der Anlass: Auf dem Spielplatz in der Adolfstraße wurden neue Spielgeräte eingeweiht. "Na und?!", mag sich der eine oder die andere denken, "Passiert doch jeden Tag." Das ist einerseits richtig, andererseits liegt dieser spezielle Fall anders. Denn die Spielgeräte, die hier eingeweiht werden, sind Prototypen und werden gemeinsam mit denen entwickelt und gebaut, die auch mit ihnen spielen sollen.

Fragen wir Jutta Ziegler, Baufachfrau und Leiterin des vom QM Pankstraße geförderten Projektes "Auf die Plätze, fertig, los!", nach den Details. Sie berichtet, dass bei den begleiteten Besuchen des Fitnesspfades "Panke Parcours" Kinder und Jugendliche immer wieder betonten, dass ihnen auf den Spielplätzen die Möglichkeit zu einfachen Ballspielen fehlten. Zwar gebe es die Fußballkäfige und Basketballkörbe. Aber diese böten meist nur wenigen Kindern im Verhältnis zur beanspruchten Fläche die Möglichkeit zum Mitmachen. Gerade kleinere Kinder zögen dabei oft den Kürzeren, zumal die "Großen" unter sich bleiben wollen.

So wurde der Plan geboren, an den Seitenwänden des Käfigs in der Adolfstraße kleinere "Bewegungsmodule" zu befestigen, an denen sich die Kinder mit Bällen, Frisbees und anderen Wurfgeräten ausprobieren können. Doch zuvor durften sie sich an verschiedenen Werkzeugen unter Beweis stellen, denn die insgesamt fünf Module wurden in der Woche vor der Eröffnung in Open-Air-Werkstätten auf dem betreffenden Spielplatz gebaut. Und so surrten an den Nachmittagen die Akkuschrauber, kreischten die Sägen, wummerten die Hämmer und fiedelten die Feilen. Die Kids hatten am Bauen so viel Spaß wie heute am Bespielen, denn, und das freut die projektleitenden Baufachfrauen ganz besonders, einige der Baumeisterinnen und -meister sind heute auch zum Spielen gekommen.

Und nicht nur sie: Insgesamt sind sicher 50 Kinder da, um die Spielgeräte, die nun dauerhaft hier bleiben werden, zu testen. Es gibt ein Basketball-Element mit horizontalem Einwurfloch, eine Tischtennisplatte für einen, eine Torwand für Frisbeescheiben und kleine Bälle, ein Fangelement für Wurfringe und einen Wurfkasten für Bälle mit zwei verschieden großen, vertikal gestellten Einwurflöchern. Wie gesagt, die Geräte sind Prototypen und in ihrer Art einzigartig, deshalb ist ihre Beschreibung etwas kompliziert.

Vorgänger dieser stationären Spielgeräte sind die Verleihstationen für verschiedene Spielutensilien, die von den Baufachfrauen an verschiedenen Punkten im Kiez untergebracht wurden. Aber im Gegensatz zu diesen kann das Spiel mit den neuen Modulen auch völlig spontan und unabhängig vom Verleihprocedere starten. Die Wahl für die Installation der Module fiel nicht von ungefähr auf diesen Spielplatz. Denn er ist ausreichend groß und es gibt hier eine gewisse "soziale Kontrolle", wie Jutta Ziegler ausführt. Vandalismus und Graffiti sind bekanntlich ein Problem hier im Kiez und so versuchen die Baufachfrauen, die Langlebigkeit ihrer Geräte dadurch zu fördern, dass der Installationsort zum Beispiel oft von Schulklassen und Kitas aufgesucht wird und hier Eltern ihre Kinder beaufsichtigen. Gleichwohl werden die Baufachfrauen regelmäßig kommen, um die Module, die hier ihre Feuertaufe erleben, zu warten. Überhaupt freuen sie sich auf das Feedback der Kids, denn die Module müssen hier ihre Alltagstauglichkeit beweisen und bei Bedarf weiter entwickelt werden. "Das hat was von einer echten Bewährungsprobe", lacht Jutta Ziegler. Baugleiche Module werden noch 2017 auf einem weiteren Spielplatz im Kiez installiert.

Aber der Nachmittag in der Adolfstraße hat nicht nur eine spielerische, sondern auch eine musikalische Komponente. Denn auf Einladung des Quartiersmanagements und mit Unterstützung des vom QM geförderten Projektes „unverblümt“ Kulturexpeditionen gab es den Auftritt einer Künstlerin aus dem Kiez zu bestaunen. Rasha, eine junge Singer-Songwriterin aus Palästina, die seit vier Monaten hier wohnt, trat mit ihrer halbakustischen Gitarre auf und brachte Eigenkompositionen zu Gehör. Zu den melancholischen Liedern mit englischen und arabischen Texten ließen sich wunderbar Ringe werfen, Basketbälle versenken und Frisbees einlochen. Oder man stellte oder setzte sich einfach hinzu und lauschte den schönen Klängen.

Klatsch! –– Klatsch! aus dem Käfig, Tischtennisball-Klacken und freudige Rufe vor dem Käfig, Gesang und Gitarre auf dem Platz und schließlich das Klatschen des Publikums: So klangvoll ging dieser Freitagnachmittag zu Ende.

Text und Fotos: Johannes Hayner