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Bogenschützen, Dschinnis und Musik

Am Samstag, den 06. April 2019, meldete sich die unverblümt KULTUREXPEDITION aus der Winterpause zurück. Mit Pfeil und Bogen startet das Projekt in die nächste Saison.

Trainer Muzaffer Türk
Bogenschützen
Treffer!
Gruppenfoto
Joe Wiesenburger liest aus "1001 Nacht"
Zuhörer im Café des Schicksals
Luca Burgio
Luca Burgio & Florian Finis
gebanntes Publikum

17 Uhr. Strahlender Sonnenschein. Treffpunkt zur ersten Station: die Turnhalle der Herbert-Hoover-Schule. Nach und nach trudeln die Gäste ein. In der Halle warten schon die erfahrenen Trainer des traditionellen türkischen (Reiter-) Bogenschiessvereins Kemankeş Germania. Wer seine Hallenschuhe nicht dabei hat, darf heute ausnahmsweise auf Socken am Workshop teilnehmen. 20 Interessierte haben sich angemeldet. „Bogenschießen macht süchtig“ warnt die Trainerin die Teilnehmer und beginnt mit einer kleinen Einführung in den Sport. Schnell wird klar, hier ist Disziplin, Ruhe und Konzentration geboten. Kemankeş Germania gehört zu den strengsten Bogenschiessvereinen der Stadt. Stück für Stück werden Regeln, Handhabung des Bogens und Materialen erklärt, bis dann tatsächlich auch geschossen wird. „Loslassen, man muss den Pfeil loslassen!“ ruft Muzaffer Türk. In all der Aufregung scheint dies für manch einen leichter gesagt als getan. Am Ende jedoch fliegen alle Pfeile Richtung Zielscheibe, von denen mehrere am Ende der Halle aufgestellt sind. Und der ein oder andere Pfeil trifft sogar! „Anspruchsvoll, aber dennoch Meditativ“ so fasst  einer der Teilnehmer die Erfahrung des Workshops zusammen.
Nach knapp zwei Stunden voller Konzentration und einem Gruppenfoto inklusive Bögen und Zielscheiben geht es weiter im Programm. Gemeinsam zieht der Trupp, dem Lauf der Panke zwischen Pank- und Gerichtstraße folgend, weiter. Musik schallt aus dem gelben unverblümt-Mobil, langsam geht die Sonne unter. Ziel: Cafe des Schicksals. Das Café befand sich vorher lange Zeit im Gebäude des Netto-Marktes am S-Bahnhof Wedding und läutete dort auch 2015 die erste unverblümt-Tour ein. Damals war das Café so klein, dass die Musiker drinnen spielten und die Gäste sich das Konzert von draußen anschauten. Nach Unstimmigkeiten mit den Eigentümern musste das Café letztes Jahr schließen. Doch wie es das Schicksal wollte, fand sich mit dem neuen Studentenwohnheim in der Gerichtstraße ein neuer, größerer Standort für Café und Torte.

Nach der ersten eher sportlichen Station sind nun alle dankbar für ein wenig Rast und Entspannung. Schnell noch einen Tee und Kuchen bestellt, den besten Platz geschnappt und schon dröhnt die bassige Stimme von Joachim Dumkow aka Joe Wiesenburger in das Mikrophon. Der Schauspieler, Set-Sanitäter und Synchronsprecher liest Geschichten aus Tausendundeiner Nacht. Claudia Ott macht mit ihrer Neuübersetzung erstmals die älteste arabische Fassung der berühmten Erzählsammlung auch für deutsche Leser zugänglich.

 „Wenn du nicht schläfst, so erzähle mir eine deiner schönen Geschichten, damit wir uns diese Nacht damit vertreiben können!» liest Joe Wiesenburger. Es ist die Geschichte vom Dschinni und dem Kaufmann. Und wehe, der Sultan langweilt sich! Dann ist es um das Leben der schönen Scheherazade, die dem Sultan die Geschichten erzählt, geschehen. Doch wie dem Sultan, so geht es unseren Zuhörern: Man will nicht aufhören. Das Publikum schlürft sein Heißgetränk und lauscht gespannt dem Vorleser, der sich passend zur Geschichte in ein braunes, mittelalterliches Gewand geworfen hat. Mit der sechsten Nacht endet die kleine Kostprobe des Buches, die Lust macht auf die Geschichten der weiteren 995 Nächte.

Dritte und letzte Station des Abends: das Kiki Sol in der Reinickendorfer Straße. Auch das Kiki Sol ist in seiner Geschichte schon mehrfach im Wedding umgezogen. Immer auf der Suche nach mehr Platz für sein musikbegeistertes Publikum. Geplant war an dieser Stelle das Konzert der der Band DIE NEUE SACHLICHKEIT. Aus gesundheitlichen Gründen musste diese jedoch kurzfristig absagen. So wurde kurzerhand für Ersatz gesorgt, der viel mehr als nur Ersatz war. Das spontane Musiker-Duo heißt Luca Burgio & Florian Finis und überrascht mit Jazzigen Folksounds im Italo-Pop-Stil. Der italienische Singer-Songwriters Luca Burgio ist beeinflusst vom französischen Manouche, Mariachi und der traditionellen sizilianischen Musik. Florian Finis begleitet ihn am Klavier.  Luca Burgio erklärt in sympathischem, gebrochenem Deutsch, wovon seine italienischen Texte handeln. Es geht um Verbotenes und Erinnerungen an lange Nächte in Bars zwischen Zigarettenrauch und Whisky. Die Gäste und Fans machen es sich auf den Sitzkissen und Sofas gemütlich und lauschen den Klängen. Bei schnelleren Songs wird auch Mitgeklatscht und vom italienischem Publikum sogar leise Mitgesungen.
„ Ich bin  heute eigentlich wegen dem Konzert der Band DIE NEUE SACHLICHKEIT gekommen, nun bin ich froh auf diesem Weg mir bisher unbekannte, tolle Musiker kennen gelernt zu haben.“ freut sich ein Gast.

Ein wundervoller Abend geht zu Ende.

Die Nächsten unverblümten Überraschungen gibt es am 11. Mai zum Tag der Städtbauförderung auf dem hinteren Leopoldplatz.

Text: Anna Lindner, Fotos: Anna Lindner, Johannes Hayner, Volker Kuntzsch