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Sonntag, 16. Dezember 2018  13:00 Uhr

Weihnachtlicher Weddingmarkt auf dem Leopoldplatz

Freitag, 02.11.2018

Bubble Fußball, Werwolf und Ebru

Die Bilge Akademie schafft Freizeitangebote für Jugendliche

Die Kids mit einem Projekt-Plakat auf dem Sparrplatz
gemeinsames Volleyballspiel in den Rehbergen
Gruppenbild mit Bällen
Mustafa Karaca über den Dächern des Wedding
Für die Sitzkreise wurden Liegestühle angeschafft
Bubble-Fußball: Riesenspaß ohne Verletzungsgefahr

15 Uhr an einem Freitag. Ein Treffen mit Mustafa Karaca ist vereinbart, wir wollen über das QM-geförderte Projekt reden, das Karaca mit seinen Kollegen von der Bilge Akademie seit einigen Monaten betreibt. Man stellt sich auf die übliche Viertelstunde Verspätung ein – Nachklang des akademischen Viertels, dass beim Namen des Projektträgers Bilge Akademie doppelt Sinn machen würde. Aber Pustekuchen: Es klingelt auf die Minute genau. Wir bitten Mustafa herein. Mit einem Kaffee gehen wir auf die Dachterrasse und mit Blick auf den Wedding erzählt er von seiner Arbeit im Kiez.


Seit vier Jahren gibt es die Nachhilfe-Schule Bilge Akadamie in der Lindower Straße. Das vier-köpfige Team, bestehend aus drei Studenten des Ingenieurswesens und einer Lehramt-Studentin, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kindern und Jugendlichen im Wedding langfristig zum Lernen zu motivieren. Mathe, Deutsch und Englisch stehen hier einmal wöchentlich auf dem Plan. Die Vier koordinieren ehrenamtlich Lehrer und Räumlichkeiten. Von den Einnahmen können die Lehrer bezahlt werden. Momentan nehmen 25 Schüler, alle mit Migrationshintergrund, das Angebot in Anspruch. Die Akademie hat drei Klassenräume und seit kurzem auch eine eigene kleine Bibliothek.


Seit Januar 2018 sind sie nun zusätzlich Projektnehmer im Pankstraßen-Quartier. „Motivationsangebote für Jugendliche im öffentlichen Raum“, so der Projektname. „Wir machen die Arbeit ohnehin, also warum nicht das Bestehende durch ein Projekt erweitern?“  sagt Mustafa Karaca, Vorstandsvorsitzender des Vereins Bilge Akademie und seit kurzem Mitglied im Quartiersrat. Bisher fand ihre Arbeit mit den Jugendlichen nur in den Räumlichkeiten der Nachhilfe-Schule statt. Sie liegt ein wenig versteckt in einem Hinterhaus in der Lindower Straße, „das macht uns nach außen leider schwer sichtbar“, muss Mustafa Karaca zugeben. Das Projekt hingegen bietet die Möglichkeit, mit den Jugendlichen im öffentlichen Raum und für jeden zugänglich zu arbeiten. 

Jugendliche und junge Erwachsene hängen oft nur noch an ihren Smart-Phones, so das pauschale Urteil. Die Bilge Akademie verurteilt nicht, sondern schafft Alternativen. Jeden Samstag und Sonntag wird ein buntes Freizeitprogramm von Bewegung über Kunst bis hin zum Austausch in sogenannten Sitzrunden angeboten. Die Jugendlichen sind zwischen 14 und 20 Jahre alt und es herrscht hingegen anfänglicher Befürchtungen ein ausgeglichenes Verhältnis von weiblichen und männlichen Teilnehmern. Bei schlechtem Wetter finden die Sitzrunden meistens in der Schiller-Bibliothek statt. Oft spielen sie dann das beliebte Spiel „Werwolf“, ein Rollenspiel, bei dem die „Werwölfe“ einige „Dorfbewohner“ auf dem Gewissen haben und enttarnt werden müssen. Manchmal werden aber auch Experten eingeladen, die den Jugendlichen einen Einblick in die unterschiedlichsten Bereiche verschaffen.

Das Programm wird so abwechslungsreich und interaktiv wie möglich gestaltet. Erst kürzlich hat die Akademie Liegestühle besorgt. Bei gutem Wetter sind sie damit oft draußen. Zum Beispiel bei einem Picknick im Schiller-Park. Aber auch viele verschiedene Sport- und Bewegungsangebote gibt es im Programm. Zweimal mit Monat werden Fußball-Turniere veranstaltet und es wurde ein eigenes Volleyball-Netz angeschafft, mit dem sie dann im Schiller-Park oder im Humboldthain spielen. Hauptattraktion ist jedoch das monatliche Bubble-Fußball-Turnier, das definitiv die meisten Jugendlichen anzieht. Hier wird in großen, durchsichtigen Ballons gegeneinander Fußball gespielt. Eine sehr spaßige Angelegenheit, nicht nur für Mitspieler, sondern auch für Zuschauer. Außerdem von Vorteil: die extrem geringe Verletzungsgefahr.


Insgesamt kommen von den über 30 am Projekt teilnehmenden Jugendlichen immer zwischen 10 und 20 zu den Aktionen, beim Bubble-Fußball auch mal mehr. Im Sommer gab es eine kleine Pause. Die ist nun zum Glück vorüber, finden die Jugendlichen, die zu Mustafa Karaca  sagen: „Wir haben euch vermisst!“ Dennoch wird es nun im Winter etwas ruhiger zugehen. Sie werden sich dann öfter in der Schiller-Bibliothek treffen, zum Beispiel zum gemeinsamen Werwolf Spielen.

Ein Winter-Special hat das Team bereits geplant: Einen praktischen Kunst-Kurs über Ebru, eine spezielle arabische Wassermaltechnik. Wer also selbst mal Ebru ausprobieren möchte, kommt an den letzten beiden Novemberwochenenden 17./18. und 24./25. 11. in den Veranstaltungsraum des QM, Adolfstraße 12. Die Kurse gehen jeweils von 12:00 bis 16:00 Uhr. 

Um die Jugendlichen zusammenzuhalten und zu informieren macht sich das Team die sozialen zu Nutze. In einer WhatsApp-Gruppe und auf Instagram erfahren sie den Plan für das kommende Wochenende und können sich untereinander austauschen.  Als nächstes will der Verein auch T-Shirts für die Betreuer und Jugendlichen bedrucken lassen, um das Wir-Gefühl bei den Jugendlichen noch mehr zu stärken.

Text: Anna Lindner, Johannes Hayner Fotos: Bilge Akademie, Johannes Hayner