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"DAS LEBEN KANN SOWEIT GANZ SCHÖN SEIN"

"Das Leben kann soweit ganz schön sein", hat jemand auf die Tafel in der "Treberhilfe Wedding" geschrieben. Wären da nicht die Arbeitslosigkeit, der Schuldenberg und bevor man es realisiert – die Räumungsklage. "Der häufigste Grund für Obdachlosigkeit ist tatsächlich die Überschuldung", sagt Natalie Siehr. Sie ist eine von sieben MitarbeiterInnen in der Reinickendorfer Straße.
Obdachlose, von Obdachlosigkeit Bedrohte und auch Jugendliche, die in unzumutbaren Familienverhältnissen leben, bekommen bei der "Treberhilfe Berlin" seit fast zwanzig Jahren Beistand. Neben Beratungsstellen, ambulanten Diensten und Kriseneinrichtungen werden mittlerweile auch sechs Wohnprojekte im gesamten Stadtraum unterhalten.
Eines davon ist die "Treberhilfe Wedding", die seit 1991 in erster Linie Einzel-Wohnungen betreut; etwa sechzig stehen derzeit zur Verfügung, von denen drei bis vier für akute Fälle immer frei sind. In einem Zeitraum von ein bis zwei Jahren sollen die Klienten dann möglichst soweit stabilisiert sein, dass sie die Wohnungen selbstständig und dauerhaft übernehmen können. Bis dahin werden die Maßnahmen über die "Soziale Wohnhilfe" des Bezirks finanziert.
Wieviele Männer und Frauen ohne eine feste Wohnung leben, ist nicht belegt und nicht alle finden den Weg zur "Treberhilfe". "Da muss man ja auch erst einmal die Scham überwinden, sich von Fremden helfen zu lassen", so die zierliche Sozialarbeiterin mit dem schwarzen Outfit und der freundlichen, ruhigen Stimme.
Wenn alle Unterlagen vorhanden sind und die Ämter den Hilfebedarf anerkennen, dauert es etwa drei bis vier Wochen, eine Wohnung zu vermitteln. Danach gilt es in individuellen Gesprächen und bei Hausbesuchen zu klären, ob die Menschen das Alleinleben bewältigen, wie der Schuldenberg mit dem wenigen Geld, das zur Verfügung steht, abgetragen werden kann oder wo sonstiger Hilfsbedarf besteht.
"Viele sind schon mit dem Antrag auf Arbeitslosengeld II überfordert oder mit dem Gang aufs Amt, da begleiten wir unsere Klienten auch schon mal", sagt Natalie Siehr. "Nur mit massiven Suchtproblemen wären wir überlastet; da vermitteln wir dann an andere Stellen weiter." Wer aber seinen Alltag grundsätzlich bewältigt, dem steht die "Treberhilfe" mit Rat und Tat zur Seite. Gleich, ob es sich um Verhandlungen mit Gläubigern dreht oder um den Antrag auf Einrichtungsgeld. Wenn das nötigste Mobiliar fehlt, verfügt die "Treberhilfe" außerdem über ein Möbellager.
Wer einen brauchbaren Tisch, ein Bett oder einen Kühlschrank übrig hat: Spenden sind immer willkommen!
Nachdem sich die Angebote ursprünglich vor allem an Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren richteten, hat die "Treberhilfe" ihr Programm neuerdings auch für Menschen ab 27 Jahren geöffnet. Denn auch von Seiten der Erwachsenen ist die Nachfrage seit der Einführung von Arbeitslosengeld II gestiegen. "Es ist schwierig, damit zurecht zu kommen", sagt Natalie Siehr. Und wieder fällt das Stichwort: Überschuldung.
Foto [©caveng]: Die zwanzigjährige Deborah gehört zu den rund 80 Menschen, die derzeit von der "Treberhilfe Wedding" betreut werden. Bevor sie die bescheidenen, dafür aber "eigenen vier Wände" beziehen konnte, verbrachte die junge Frau aus Italien einige Wochen im Krisenhaus der "Treberhilfe Berlin" und lebte ein Jahr in einer der betreuten Wohngruppen. Köchin möchte Deborah werden; nur mit dem Rechnen in Gramm und Kilos muss es noch besser klappen.
Kontakt: Treberhilfe Wohnprojekt Wedding
Reinickendorfer Str. 30 | 13347 Berlin
Tel.: 45 60 67 37 | www.treberhilfe.de
wohnprojekt-wedding@treberhilfe.de






