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Das Erzählcafé swingt
Erste Tanzschritte hat Rose Brotherton bereits mit sieben Jahren in ihrem Geburtsort San Francisco gelernt. „Ich war eine Lampe“, erzählt sie vom anfänglichen Kreativtanz-Kurs. Der Tanz wurde ihr Leben und ab 12 Jahren bekam sie eine klassische Ballett-Ausbildung.
Die künstlerische Ader, so die zierliche und humorvolle Frau, wurde vom Vater geprägt. Der mittlerweile über 90-Jährige hat neben seinem eigentlichen Beruf Theater gespielt und gemalt und abenteuerliche Geschichten aus seiner „wilden Heimat“ in den Bergen Montanas erzählt. Als Hommage hat sie einige seiner Bilder mitgebracht.
Nach Stationen im kalifornischen Santa Barbara, in New York und Kassel, lebt Rose Brotherton seit nunmehr 29 Jahren in Berlin und seit letztem Februar im Wedding. Nicht zuletzt weil sie im Afrikanischen Viertel wohnt, bekommt das Publikum eine kleine Lektion zur Geschichte des Stepptanzes. Denn der gilt zwar als uramerikanisch, hat aber neben europäischen auch afrikanische Wurzeln – was Rose Brotherton zur einstigen Sklaverei in den USA führt. Mit einigen Schritten führt sie vor wie der Stepptanz sich trotzdem durchsetzen konnte und sagt: „Den Rassismus haben wir lange noch nicht verarbeitet.“ Beim Stichwort Obama mischt sich auch das Publikum ein.
Eine der Besonderheiten des Erzählcafés: Bei Kaffee und Kuchen kann man interessanten Menschen lauschen, aber auch sehr ungezwungen eigene Gedanken einbringen und mit den Gästen diskutieren. Als Rose Brotherton erzählt, was sie am Ausdruckstanz nicht mag – „da muss man immer auf dem Boden wühlen; etwas Leichtes und Schönheit sind da verpönt“ –, entsteht fast ein kleines Streitgespräch mit einer älteren Dame, die Größen wie die kürzlich verstorbene Choreographin Pina Bausch dagegen hält.
Zwischen ihren mal vergnüglichen, mal auch nachdenklichen Geschichten gibt Rose Brotherton an diesem Nachmittag einige beeindruckende Stepp-Einlagen. Denn sie ist nicht nur in Ballett-Klassikern wie dem „Nussknacker“ aufgetreten, sondern auch in Musicals wie „West Side Story“ oder „Cabaret“. Das Steppen hat sie allerdings erst in Berlin am „Theater des Westens“ gelernt.
Die rund 30 Besucher fühlen sich von Rose Brothertons fröhlichem Charme und von ihren Tanzdarbietungen sichtlich angesteckt und würden gerne selbst einige Schritte aufs Parkett legen. Da sich der Nachmittag dem Ende zuneigt, lädt sie Interessierte ein, einen ihrer Kurse zu besuchen.
Michaela Nolte
Ein Stepptanz-Kurs für Anfänger findet montags in der VHS-Mitte statt, die American Dance Aerobics Class donnerstags im Stadtschloss Moabit.
Kontakt:
Rose Brotherton
Tel.: 030/832 18 743
E-Mail: RoseBrotherton[at]arcor[.]de
Nächste Erzählcafé-Termine (immer sonnabends, ab 15 Uhr
31. Oktober: Tina Veihelmann, die 2006/07 Stadtteilschreiberin im Soldiner Kiez war
14. November 2009: Maryam Stibenz. Die gebürtige Iranerin ist studierte Physikerin und seit diesem Jahr Integrationsbeauftragte des Bezirksamts Mitte
28.November 2009: Mark Kwami. Der deutsch-ghanaische Designer produziert unter dem Label „mia-collection“ moderne Möbel und Kunsthandwerk aus Afrika.
19. Dezember 2009: Eva Nickel. Die Ur-Berlinerin arbeitet in der Jüdischen Gemeinde, betreut alte Menschen und tritt als Märchenerzählerin auf. In diesem Erzählcafé erzählt sie die Chanukka-Geschichte, denn es ist der achte Tag des jüdischen Lichterfestes.
9. Januar 2010: Hiroko Mizuno. Die Japanerin, die als junge Lehrerin vor 45 Jahren nach Deutschland kam, erzählt über ihr Leben und über die Seele der Kimonos.
Der Eintritt ist frei; es wird eine Spende für Kaffee und Kuchen erbeten.
Kontakt:
Regina Scheer
E-Mail:Erzaehlcafe[at]web[.]de
Erzählcafé
im Bürgersaal der Berliner Bau-Genossenschaft
Malplaquetstraße 15a
13347 Berlin








