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Das „Haus der Jugend“ - ein zweites Zuhause

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Seit 60 Jahren treffen sich die Kiez-Jugendlichen im „Haus der Jugend“. Von der Umgestaltung des Nauener Platzes soll auch das Haus profitieren. Von André Glasmacher
Auf die Promenade mit Bäumen und großzügigen Sitzgelegenheiten, die bald vor dem „Haus der Jugend“ entstehen wird, freut sich Ralf Porzelt schon jetzt richtig. „Dann werden sicher auch die Senioren wieder auf den Nauener Platz kommen“, sagt Porzelt, der seit rund 22 Jahren das „Haus der Jugend" leitet.
Er steht neben „seinem" Haus und zeigt begeistert auf den Grünstreifen zwischen Bolzplatz und Reinickendorfer Strasse. Noch wuchert hier Unkraut, doch bald entsteht auf dem Streifen die Promenade, auf der dann die Bewohner des nahe gelegenen Seniorenstifts in der Sonne sitzen können. Bisher machten sie nämlich einen weiten Bogen um den Platz – „aus Angst vor den dunklen Ecken oder davor, von Radfahrern umgefahren zu werden", so Porzelt.
Von der Umgestaltung des Platzes erhofft sich Porzelt vor allem auch, dass ein Phänomen, das ihm seit Jahren Sorgen bereitet, endlich verschwindet. „Hinter dem Haus gibt es eine verwilderte Ecke, in der Dealer ihre Drogen vergraben.“
Das „Haus der Jugend“ war einst das erste Gebäude, das nach dem Krieg mit Trümmersteinen und Marschallplan-Hilfe im Nauener Kiez neu errichtet wurde. 1951 wurde es eingeweiht – und schon damals bot es Jugendlichen, die teilweise aus prekären Familienverhältnissen kamen, eine Möglichkeit, die Freizeit sinnvoll zu gestalten.
Geöffnet ist das Haus wochentags von 9 bis 22 Uhr. Die Kiez-Jugendlichen können hier Sport treiben, im Internet surfen, Zeitschriften lesen oder Kurse besuchen, Breakdancen, Töpfern, Aerobic und Kochen lernen.
Seine Hauptaufgabe sieht Ralf Porzelt aber in der Prävention von Gewalt und Kriminalität. „Wenn ich mir so die Biographien ansehe, von denen, die früher hierher kamen, dann würde ich sagen, dass wir Erfolg gehabt haben.“
Eines der Kernelemente dieser Prävention ist das „Zentrum für Jugendrecht“, das ebenfalls im Haus angesiedelt ist. Hier geht es darum, Gewalttaten und Kriminalität zu verhindern, indem die Konsequenzen deutlich gemacht werden. „Wir spielen regelmäßig mit Schulklassen eine fiktive Gerichtsverhandlung durch“, erzählt Porzelt. Besonderheit: die Verhandlung findet in einem echten Gericht statt, mit echten Richtern und Polizisten. Manchmal kann er auch echte Anwälte gewinnen.
Als Anwalt und Sprachrohr von Kindern und Jugendlichen versteht sich auch Ute Riedel vom Kinder- und Jugendbüro. Sie logiert im zweiten Stockwerk des „Haus der Jugend“ und arbeitet hier im Team mit Peter Andreas und einer Praktikantin.
Das Büro wurde 1993 vom Bezirk Mitte eingerichtet. Mit ihrer Arbeit wolle sie Kinder und Jugendliche an Entscheidungen beteiligen, die sie betreffen, sagt Riedel. „Durch das gemeinsame Entwickeln von Projekten wird die Identifikation mit den Objekten, wie etwa Kinderspielplätzen, gestärkt“, erläutert die Sozialarbeiterin.
Auch während der Vorplanung zur Umgestaltung des Nauener Platzes hat sie intensiv mit Kindern und Jugendlichen aus dem Kiez kommuniziert. Ergebnis: „Vor dem Haus wird es eine Schaukel, eine Wippe und eine Drehscheibe geben.“
Außerdem soll der Platz eingezäunt werden, um Hunde und Radfahrer fernzuhalten, die die Sandfläche gerne als Abkürzung nehmen. „Ganz wichtig war den Kindern, dass hinter dem Haus ein Rosengarten eingerichtet wird. Damit sich auch die alten Leute auf unserem Platz wohl fühlen.“
Ein weiteres Sprachrohr ist das Kinderradio RADIJOJO! Das innovative Projekt führt in Grundschulen und Kitas Radioprojekte durch. Mediengeschulte Pädagoginnen leiten die Kinder an, eigene Radiosendungen zu produzieren. Die Sendungen werden dann professionell bearbeitet und sind europaweit per Satellit und in vielen lokalen Radios in Deutschland zu hören. Live vom Nauener Platz!
Kontakte:
Haus der Jugend, Reinickendorfer Straße 55, 13347 Berlin
Öffnungszeiten: Montag – Donnerstag: 09.00 - 22.00 Uhr
Freitag 09.00 - 18.00 Uhr oder 09.00 - 24.00 Uhr (je nach Programm)
Samstag/Sonntag: 14.00 - 19.00 Uhr oder 14.00 - 22.00 Uhr (je nach Programm)
Tel. 2009 4 5454. Im Internet: www.hausderjugendmitte.de
Kinder- und Jugendbüro Mitte,Tel. 28 38 44 10. Im Internet: www.kjbm.de
RADIJOJO!, Tel. 28 04 17 95. Im Internet: www.radijojo.de. Treffen, zu denen jeder kommen kann, finden jeden Dienstag im Tonstudio von 15.30 - 17.00 statt.






