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Mittwoch, 14.01.2015

Das QM-Projekt Kultureller Bildungsverbund wird fortgeführt!

Nach einer 4-jährigen Förderung durch das QM, wird das Projekt nun direkt vom Bezirksamt gefördert.

Leitungsgruppe kultureller Bildungsverbund
Hier darf jeder Clown sein
Inga unf Bernd
Motorik ...
... und Koordination
9. Klasse der Herber-Hoover-Schule
Anette Borchert und Schüler

Schönwalder Straße 19. Unten ist die JUKS (Jugendkunstschule Mitte), oben sind Räumlichkeiten des Kulturamtes; dort will ich hin. „Hallo, Herr Hayner!“, schon auf der Treppe höre ich Stimmen durch die Tür. Nette Begrüßung, Carola Tinius und zwei ihrer Kolleginnen erwarten mich. Einladung zum Tee, Nüsschen für die Bürgerredaktion.

Vor-Ort-Termin im Headquarter des Kulturellen Bildungsverbundes Pankstraße, eines mit Mitteln des Quartiersmanagements (QM) finanzierten Vorbildprojektes mindestens für ganz Berlin. Die Kulturmanagerin Tinius ist Projektleiterin und von Anfang an dabei. Wobei man sagen muss, dass zu diesem Anfang nun auch das Ende gehört. Denn mit dem Jahr 2014 endet auch der QM-finanzierte Kulturelle Bildungsverbund. Aber Vorbild, Vorzeigeprojekt, Wegbereiter für viele Nachfolger – das hört so einfach auf?! Tut es nicht, doch davon später mehr. Zurück auf „Los“.

„Die Situation hier im Wedding war so: Es gab viele kleinere QM-Projekte, die für sich erfolgreich arbeiteten. Oft riss nach Ablauf der Projekte allerdings der Faden ab, sodass Projekte ohne Langzeitwirkung blieben. Dabei laborierten alle mehr oder weniger an der selben Herausforderung: den ethnisch sehr heterogen zusammengesetzten Kita-Gruppen und Schulklassen mit daraus resultierenden Sprachdefiziten. Es ging uns um die Förderung von Kindern aus bildungsfernen Familien mit Eltern, die nicht oder nur wenig Deutsch sprechen.“, erzählt Carola Tinius. Aus diesem Grund trafen sich auf Initiative des QM Pankstraße Vertreter des Bezirksamtes mit Leitern hiesiger Bildungseinrichtungen, um Alternativen zur bisherigen Praxis zu entwickeln. Die Frage, der man sich gemeinsam annahm, war, wie die Unterstützung effektiver und nachhaltiger gestaltet werden kann. Es ging darum, Bildungsbiografien nachvollziehbar zu machen und aktiv zu begleiten. So wurde die Idee für den Kulturellen Bildungsverbund Pankstraße geboren.

Das Konzept ist einfach: Alle beteiligten Bildungseinrichtungen beziehen als Schwerpunkte Tanz, Musik und Theater in Erziehung und Bildung ein. Und dies von der Kita durchgängig bis zu Sekundarschule. Um den Kindern den Spaß an der Kunst zu vermitteln, arbeiten qualifizierte Künstler mit den Kindern und Jugendlichen – zum Teil begleiten sie „ihre“ Kinder sogar von der Kita in die Grundschule oder von dort weiter bis zur Sekundarschule. Dieser Ansatz sorgt für Kontinuität am Anfang der Bildungswege und intensiviert die Auseinandersetzung mit künstlerischen Genres. Ein Kind, das seit Kita-Tagen immer Theater gespielt hat, wird am Ende der Sekundarstufe mehr als 10 Jahre Erfahrung damit haben – und einen großen Erfahrungsschatz besitzen.

Und das funktioniert? Zweiter Termin, wieder in der Schönwalder Straße. Immer dienstags treffen sich hier Vorschulkinder aus der Kita in der Reinickendorfer Straße mit den Theaterpädagogen Inga und Bernd. In der ca. 10köpfigen Gruppe, begleitet von der Erzieherin Aysen Correa-Castro, gibt es kein Kind deutscher Abstammung. Konzentrierte Atmosphäre in der Runde, die Kinder lernen gerade eine neue Übung. Zwei Kinder sollen genau gegenüber zueinander im Kreis rennen. Mit Feuereifer sind sie dabei, aber es fällt nicht allen leicht, Tempo und Dynamik an das Gegenüber anzupassen. Inga und Bernd inszenieren gemeinsam mit den Kindern kleine Choreografien zum Thema Zirkus. Diese beinhalten sehr viele spielerische Elemente, zielen auch auf pädagogische Inhalte. Sprechen in ganzen Sätzen, Unterstützung von Motorik und Koordination, solche Sachen. Zum Schluss schlüpfen die Kinder in Kostüme der Clowns Bippa und Beppo. Beppo stibitzt Bippa immer wieder ihre Bälle. Alle Kinder lachen, rufen, gehen mit. Eine Lehrstunde wie aus dem Bilderbuch. Frau Correa-Castro bestätigt: Alle Kinder freuen sich immer wieder auf die zwei Stunden am Dienstag.

Am Anfang der Arbeit wurde geschaut, wie die Bildungswege im Kiez verlaufen, von welcher Kita zu welcher Grundschule, von welcher Grundschule zu welcher Sekundarschule. Dann wurde daran gearbeitet, diese Übergänge Übergänge werden zu lassen – und nicht Abbrüche. Heute suchen die Grundschullehrer den Kontakt zu den Kitas schon lange, bevor die Kinder zu ihnen kommen. Es gibt gemeinsame Elternabende von Kitas und Grundschulen und gemeinsame Tage der offenen Tür. Und - auch dies sicher ein Erfolg - das Prinzip des Bildungsverbundes gibt es nun auch in anderen Fächern, etwa in Mathe, Deutsch oder Englisch. Bestes Beispiel ist die Ferienschule in der Herbert-Hoover-Schule, bei der Sekundarschüler Grundschülern Nachhilfe geben.

Frau Tinius - woran messen Sie, ob das Projekt erfolgreich ist? "Erfolg haben wir, wenn die soziale Kompetenz der Schüler steigt, wenn die Sprachkompetenz steigt, wenn die schulischen Leistungen besser werden. Und vor allem dann, wenn die Kinder mehr Selbstvertrauen und ein besseres Selbstwertgefühl zeigen. Und das haben wir bei vielen erreicht.", zeigt sich Carola Tinius durchaus zufrieden. Und Erfolg ist auch: Die einmal angeschobenen Dinge entwickeln sich selbständig weiter, Vertreter der Bildungseinrichtungen vernetzen sich und unternehmen eigenverantwortlich zusätzliche Projekte.

Als Leiterin der Kinderkunstwerkstatt Mitte brachte die Kunstlehrerin Editha Wrase die Bildende Kunst, die zunächst nicht zum Programm gehörte, eigeninitiativ in den Bildungsverbund ein. Sie sitzt mit uns am Tisch und berichtet von ihren Erlebnissen. Für sie ist es wichtig, dass die Arbeit auch über die Schulen hinaus in den Kiez ausstrahlt. So entstanden in ihren Kursen die Wunschsterne, die den diesjährigen Weihnachtsbaum am Leopoldplatz zieren. Und jedes Jahr gibt es eine Ausstellung der im Rahmen des Bildungsverbundes entstandenen Arbeiten in der Galerie Wedding.

Noch einmal besuchen wir einen Kurs, dieses Mal in der Herbert-Hoover-Schule. Offen empfängt uns die Theaterpädagogin Annette Borchert beim ersten Durchlauf des Theaterprojektes: TRÄUME. Die Schüler der 9. Klasse sind da schon skeptischer. Es ist ohnehin schon aufregend genug zu schauspielern und dann schon beim ersten Durchlauf vor einem kleinen Publikum! Dabei proben die Schüler ihr eigenes Stück. Mit ihren Ideen und viel Improvisation ist es zusammen mit den Theaterpädagogen entstanden. Hier lernen sie nicht nur etwas auf der Bühne darzustellen, sondern auch  „Teamarbeit zu produzieren, Egoismen zu relativieren, miteinander, kreativ und zielorientiert zu arbeiten, für das Stück zu denken“, meint Frau Borchert. Eine große Herausforderung, die Anstrengung bedeutet, aber auch viele neue Erfahrungen für die Schüler mit sich bringt.

So viel Erfolge erzwingen praktisch eine Fortführung. Ab 2015 wird der Bildungsverbund direkt aus Bezirksmitteln finanziert, fast in gleicher Höhe wie bisher – was angesichts der Kassenlage auch ein Fingerzeig für die Wertschätzung des Projektes ist. Und genau so ist es ja auch gedacht: Das Quartiersmanagement stößt Initiativen an, die sich später verselbständigen. Herzlichen Glückwunsch Kulturelle Bildungsverbund Pankstraße!

 

Text/Fotos: Johannes Hayner