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Mittwoch, 12.04.2017

„Das ist heute erst mal nur für die Nachbarschaft.“

Erstes Straßenfest zum Internationalen Roma-Tag im Wedding

rote Rosen spielen hier eine wichtige Rolle
Begrüßung mit Rosen und Wasser
die Flagge der Roma
köstliche Waffeln von Atifa, (Kulturen im Kiez e.V.)
leckeres Buffet für alle
... und natürlich wird getanzt

Der Utrechter Platz ist bunt geschmückt. Tische und Stühle laden zum Sitzen ein, Blumen stehen auf dem Tisch und ein Buffet wird gerade aufgebaut. Im Hintergrund ist die große blau-grüne Flagge der Roma mit dem roten Speichenrad zu sehen. Es ist der 8. April, Internationaler Roma-Tag, und zu diesem Anlass organisieren Mitarbeiter*innen von Kulturen im Kiez e. V. hier zum ersten Mal ein Nachbarschaftsfest.

Gegen 16 Uhr erklingt die Hymne der Roma und das Fest beginnt mit einem Ritual, das an diesem Tag auch am Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Roma Europas am Simsonweg im Großen Tiergarten stattfindet. Dort werden rote Rosen zum Gedenken im Wasser niedergelegt.

Mit Wasser und Rosen begrüßt Milena Ademovic, Mitarbeiterin von Kulturen im Kiez, nun auch am Utrechter Platz Roma und Nachbar*innen, die sich zum gemeinsamen Tanz einfinden. Jede*r ist dazu eingeladen, jeder wird begrüßt. Bei dem Begrüßungsritual wird das Gesicht mit Wasser benetzt und eine Rose überreicht. 

Am 8. April 1971 fand der erste Welt-Roma-Kongress in London statt. Damals wurde die Bezeichnung „Roma“ anstelle diskriminierender Bezeichnungen wie „Zigeuner“ eingeführt und die zwei wichtigen Symbole der weltweiten Roma-Bürgerrechtsbewegung - die Flagge und die Hymne - angenommen. Beim vierten Welt-Roma-Kongress im Jahr 1990 wurde dann mit dem 8. April die Einführung eines internationalen Aktionstages der Roma beschlossen. Ein Tag, der im Zeichen der Solidarität für die Roma steht und sich gegen deren Diskriminierung und Verfolgung richtet.

Milena Ademovic ist selbst Romni, kommt aus Serbien und lebt seit 20 Jahren in Deutschland. Sie arbeitet als Sozialberaterin in einem Projekt für neu zugewanderte EU-Bürger*innen aus Rumänien und Bulgarien bei Kulturen im Kiez e.V. Das Projekt mit dem Namen "Gemeinsam ankommen im Wedding – Eltern und Kinder lernen Berliner Alltag" wird mit Bundesmitteln und Mitteln aus einem Europäischen Hilfsfonds gefördert. Frau Ademovic erläutert das eingangs stattgefundene Ritual: „Das Wasser und die Rose bedeuten Freiheit und Akzeptanz für die Roma in den verschiedenen Ländern.“ Es ist wichtig, dass man sich kennenlernt, meint sie. Umso mehr freut es sie, wie offen die Nachbar*innen reagiert haben. Sie sagt: „Ich habe mich erst mal nicht getraut, die Nachbar*innen in den Kreis einzuladen. Aber dann habe ich gesehen, dass sie alleine zu uns gekommen sind, und das finde ich schön.“ Zu der Bedeutung der Romaflagge erklärt sie: „Blau bedeutet Himmel. Grün bezeichnet die Erde. Und das Rad bedeutet, dass die Roma keinen eigenen Staat  haben und sie immer noch von Stadt zu Stadt wandern.“ Das rote Speichenrad im Zentrum der Flagge wird auch als Chakra bezeichnet. Es steht in Verbindung mit der indischen Herkunft der Roma. Die indische Nationalflagge enthält ebenfalls ein Chakra.

Nach dem Ritual freut man sich über das Buffet und über die sehr leckeren Waffeln am Waffelstand, der von Mädchen aus dem Mädchenladen Clara betreut wird. Und es wird getanzt – in größeren und kleinen Runden. Dabei wird klar, es gibt Roma-Musik aus Serbien, Rumänien, Bulgarien, Spanien ... Eine Nachbarin tanzt immer wieder besonders ausgelassen mit. Sie ist ganz spontan vorbei gekommen, als ihre Nachbarin von diesem Fest berichtet hat, erzählt sie. Sie kommt aus Italien und einige Elemente des Zusammentanzens kennt sie auch aus ihrer Heimat. Ein besonderes Lied reißt plötzlich eine Romafamilie von ihren Stühlen und für einen kurzen Augenblick sieht man die Füße der Männer und Frauen sich so schnell bewegen, dass man es kaum glauben kann.

Milena Ademovic meint zu diesem ersten Roma-Fest am Utrechter Platz: „Das war unser erstes, aber nicht unser letztes Mal. Wir machen nächstes Jahr das Fest ein bisschen größer, mit Livemusik. Das ist heute erst mal nur für die Nachbarschaft. Dass sie uns kennenlernen. Dass sie die Fahne der Roma kennenlernen.“

 

Text und Fotos: Maja Schudi