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Mittwoch, 22.06.2016

Dein Netz – Wissen ist Macht

Der bewusste Umgang mit digitalen Medien will gelernt sein

Schüler der Herbert-Hoover-Schule...
...wollen ihre Daten...
...geschützt wissen!

Der Schock war groß als Isabelle das besonders unvorteilhafte Strandfoto von sich auf Facebook entdeckte. Leider zu spät, denn eine Freundin hatte sie darauf verlinkt und auf dem Schulhof am nächsten Tag war sie bereits Gesprächsthema Nummer eins.

Ein Klassiker, doch für Aufklärung in solchen Fällen sorgt seit 2014 das mit QM-Mitteln geförderte Projekt  „Sicher und bewusst im Netz“. Projektträger ist "Digitale Gesellschaft e. V.". Ziel des Projektes ist es, junge Menschen zwischen 12 und 17 Jahren fit zu machen für einen selbstbestimmten, respektvollen und sicheren Umgang mit digitaler Kommunikation.

In schulischen und außerschulischen Einrichtungen für Jugendliche bietet das Projekt Workshops an. Bisher fanden im Quartier Aktionen bereits im SOS-Berufsausbildungszentrum, im DRK Jugendladen, im Haus der Jugend und in der Herbert-Hoover-Schule statt. Alexander Sander von der Digitalen Gesellschaft ist der Meinung: „Auch Lehrer sind manchmal ahnungslos.“ Ein Jugendlicher erzählte ihm zum Beispiel, dass seine Lehrerin ihm gesagt hätte, er solle seine Freizeit nicht mit dem Erstellen von Computerspiel-Videos für YouTube vergeuden, sondern lieber rausgehen und etwas „Anständiges“ machen. Dies sieht Alexander Sander anders. Der Jugendliche hat doch offensichtlich ein Hobby für sich entdeckt. Und er lernt viel bei diesem Hobby, über das Erarbeiten eines Videos inklusive dessen Schnitt  und Nachbearbeitung. Für Alexander Sander bietet das Internet viel „Raum für Kreativität.“ Doch dies kann die Lehrerin, die sich mit solchen Formaten nicht beschäftigt, nicht sehen. Im Gegensatz zu ihr rät die Digitale Gesellschaft nicht ab von sozialen Netzwerken, sie will den „richtigen“ Umgang damit vermitteln.

In den Workshops werden die Jugendlichen aufgeklärt, wie das Internet eigentlich funktioniert. Denn für viele ist es neu, dass Plattformen wie Facebook mit unseren Daten Geld verdienen. Es ist ihr Geschäftsmodell, alles, was sie über uns in Erfahrung bringen, für Marketingzwecke zu nutzen. Mit persönlichen Informationen über uns machen sie so Milliarden. Auch dass WhatsApp und Instagram zu Facebook gehören ist für viele eine neue Erkenntnis. In den Workshops werden den Jugendlichen Vorschläge gemacht, wie die Privatsphäre-Einstellungen geändert bzw. an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden können. Und dies tun die Jugendlichen dann auch. „90 Prozent von ihnen ändern ihre Privatsphäre-Einstellungen bei Facebook und WhatsApp“, so Alexander Sander. Für viele ist es zum Beispiel wichtig, dass die Facebook-Freunde nicht sehen können, mit wem man sonst noch befreundet ist.

Im Sommer 2015 arbeitete die Digitale Gesellschaft im Rahmen der Projektwoche mit zwei Klassen des neunten Jahrgangs der Herbert-Hoover-Schule jeweils zwei Tage lang zusammen. Hier beschäftigten sich die Schüler mit der Frage, was für sie ganz persönlich Privatsphäre bedeutet, mit wem sie welche Informationen teilen wollen und welche Datenspuren sie täglich im Netz hinterlassen. Deshalb wurden mit den Schülern gemeinsam hilfreiche Tipps erarbeitet, die die Jugendlichen mit Freunden teilen können – damit es irgendwann tatsächlich heißt: „Meine Daten gehören mir!“

Ein anderes bedeutendes Thema für junge Menschen im Kiez: Cyber-Mobbing. Viele der Jugendlichen aus den Workshops haben bereits Erfahrungen damit machen müssen. Sei es als Opfer oder teilweise auch als Täter. Betroffene hören in den Workshops sehr genau hin. Meist geht es dabei um das Versenden von Nacktbildern zum Beispiel nach dem Beziehungsaus junger Pärchen. Aber auch das gezielte Einladen von einem Mobbing-Opfer in eine WhatsApp-Gruppe, in der es dann nieder gemacht wird, kommt nicht selten vor. Ein heikles Thema. Früher passierte Mobbing auf dem Schulhof. Nun geschieht dies online. Früher wurde in solchen Fällen die Schule gewechselt und man konnte von Neuem starten. Heute ist das anders. Durch die Verbreitung und Vernetzung im Internet kennen die Schüler auf der neuen Schule einen dann bereits und das Mobbing geht weiter. Die digitale Gesellschaft will die Jugendlichen für solche Fälle sensibilisieren. Jugendliche sollen sich von solchen Aktionen nicht mitreißen lassen und – ob als Außenstehende oder Betroffene – aktiv werden, bis hin zum Gang zur Polizei. Die Digitale Gesellschaft plant weitere Projekte, bei denen sie eine Online-Kampagne gegen Cyber-Mobbing mit Schülern erarbeiten will. Die Jugendlichen können diese dann über soziale Plattformen teilen und erreichen so viel direkter die betroffene Zielgruppe für dieses Thema.

Die Digitale Gesellschaft bleibt am Ball. Es werden weiterhin junge Menschen im Kiez angesprochen und aufgeklärt, sei es im Computerraum im Haus der Jugend oder im Klassenzimmer der Herbert-Hoover-Schule. Ende des Jahres läuft das Projekt aus und schon  jetzt kann es als erfolgreich verbucht werden, denn fast alle Workshop-Teilnehmer haben sich die Tipps zu den Privatsphäre-Einstellungen der sozialen Netzwerke zu Herzen genommen und geändert.

Auch Isabelle weiß es heute besser. Sie hat gelernt, dass sie ihren Facebook-Account so einstellen kann, dass Bilder von ihr nur mit ihrer persönlichen Zustimmung verlinkt werden dürfen.

 

 

Text: Anna Lindner

Fotos: Digitale Gesellschaft e. V.