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Mittwoch, 02.07.2014

Die Kulturermittler im Gespräch

Wir im Quartier!
Amy Winehouse und ein guter Freund
Janis Joplin hat den Nettelbeckplatz aufgesucht
Madonna und ihre Kompagnons
Psy war auch dabei!

Die Kulturermittler im Gespräch 

 

Christian Muangala im Gespräch mit den Kulturermittlern Katinka Wondrak (Kulturpädagogin) und Anna Falkenstein (Bildende Künstlerin).

Christian: Ihr, die Kulturermittler, seid eine Netzwerk aus KünstlerInnen und KulturpädagogInnen, die Projekte im Bereich der Kulturellen Bildung in Berlin durchführen. Bis Ende 2015 macht ihr ein Projekt, das „Wir im Quartier“ heißt und im Wedding stattfindet. Was genau ist denn eigentlich „Wir im Quartier“?

Anna: „Wir im Quartier“ ist ein Projekt in Zusammenarbeit mit dem Quartiersmanagement Pankstraße, das alle BewohnerInnen über Aktionen und Workshops dazu einlädt, sich im öffentlichen Raum über Kunst, das Leben und die Lebenskunst im Kiez auszutauschen.

Katinka: Wir wollen ganz nach dem Motto „Wir alle sind Künstler!“ alle BewohnerInnen, Passanten, aber auch spezielle Gruppen, wie zum Beispiel den Elterndeutschkurs der VHS, Grundschulklassen oder Senioren des Wohnpflegezentrums in der Schulstraße in künstlerische Prozesse und in Interaktionen im öffentlichen Raum verwickeln. Damit haben seit knapp einem Jahr sehr gute Erfahrungen gemacht.

Christian: Ihr habt zur Fete de la Musique eine Fotoaktion gemacht, bei der sich Passanten mit dem Foto des Lieblingssängers vor dem Gesicht fotografieren lassen konnten. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Katinka: Wir hatten vor einigen Jahren ein Projekt mit jungen Erwachsenen gemacht, die durch die Schule gerasselt waren, oft schon kriminelle Karrieren hinter sich hatten und nichts von sich preisgeben wollten. Da haben wir zum Thema „Scheinbiografien“ gearbeitet. Die TeilnehmerInnen konnten sich zu Fotografien von Prominenten, die sie meist nicht kannten, wie zum Beispiel Erich Honecker, Biografien ausdenken und sich dann als diese Person fotografieren lassen. Die jungen Erwachsenen haben über dieses Format von ihren persönlichen Erlebnissen im Leben reden können und hatten die Möglichkeit, weiterhin anonym zu bleiben. Und als wir ihnen dann erzählt haben, wer die Person in Wirklichkeit ist, entstand ein spannender Moment mit Lerneffekt.

Anna: Diese Idee haben wir wieder aufgegriffen und zu einer Musik-Aktion mit Passanten im öffentlichen Raum umgewandelt. Karaoke mal anders! Wir hatten 60 Fotos von berühmten Sängern dabei, aus denen die Leute vor Ort auswählen konnten. Wir haben die Aktion zu fünft durchgeführt: Nora Wetzel (Videokünstlerin), Ole Tietjen (Theaterpädagoge), Miriam Rech (Grafikerin) und wir beide.

Christian: Wie waren eure Erlebnisse während der Aktion? Entsprach das euren Erwartungen oder hattet ihr euch das anders vorgestellt?

Katinka: Wir hatten an den Lenker unseres QMobils, das ist das mobile Lastenfahrrad und Herzstück unseres Projektes, 15 Heliumballons gebunden und wurden sofort darauf angesprochen: ob wir die verschenken wollen oder was wir damit machen. Und so ergaben sich die ersten Gespräche und dann lief die Aktion vier Stunden lang auf dem Nettelbeckplatz. Wir konnten mit zwei Fotokameras ununterbrochen und sehr viele LieblingssängerInnen fotografieren.

Anna: Viele unterschiedliche Gespräche über Musik, Lieblingslieder und das Trällern der ein oder anderen Melodie ergab sich wie von selbst. Eigentlich haben wir immer noch Material für ein bis zwei andere Aktionen dabei, falls die eine Idee nicht funktioniert oder Unvorhergesehenes passiert. Die haben wir diesmal nicht gebraucht. Vielleicht beim nächsten Mal, deshalb verraten wir das jetzt noch nicht.

Christian: Fühlten sich eher junge oder ältere Leute angesprochen?

Katinka: Alle möglichen Leute: Kinder, junge Erwachsene, Eltern und Senioren. BesucherInnen des Festivals und die Leute, die eh immer auf dem Nettelbeckplatz sind, hatten Lust mit zu machen. Wir haben es geschafft, dass alle möglichen Menschen neugierig wurden und zu uns kamen.

Christian: Was genau sind eure Ziele?

Anna: Ja, Neugierde wecken und dass sich jeder, der mit uns in Kontakt kommt, selbst als Künstler agiert und seine Kreativität ins Spiel bringt. Deshalb heißen wir auch Kulturermittler und nicht -vermittler. Wir sind auf der Suche nach einem lustvollen, kreativen Austausch mit möglichst vielen Menschen im Quartier!

Christian: Bekommt das Projekt „Wir im Quartier“ finanzielle Unterstützung?

Katinka: Das Projekt wird bis Ende 2015 durch das Land Berlin im Rahmen der „Zukunftsinitiative Stadtteil“, Teilprogramm „Soziale Stadt“ gefördert. Das ist wirklich super, aber vieles was wir tun ist ehrenamtlich, weil uns das Projekt und das Quartier am Herzen liegen. Wir wünschen uns, dass das Projekt bis 2015 im Quartier Spuren hinterlässt und dann hoffentlich weiter geht.

Christian: Welche anderen Aktionen macht ihr im Rahmen von „Wir im Quartier“?

Anna: Wir versuchen ständig neue Brücke zu schlagen zwischen den Generationen und zwischen unterschiedlichen Akteuren im Quartier. Zum Beispiel hat die Tischlerin Hanna Pietzker, die auch mit Hilfe der SchülerInnen der Produktionsschule Mitte in der Bornemannstraße das QMobil gebaut hat, vor kurzen Schülerinnen und dem WAT-Lehrer der Herbert-Hoover-Schule ihre Werkstatt gezeigt.

Katinka: Aus Gesprächen und Aktionen mit den BewohnerInnen des Quartiers entwickeln sich immer neue Ideen. Übrigens, mehr über das Projekt findest du unter www.kulturermittler.wordpress.com! Jeder ist herzlich dazu eingeladen mit uns Kontakt aufzunehmen!

Christian: Anna und Katinka, ich danke euch für das Gespräch.

Junior Reporter Christian berichtet von der Fete de la musique

Christian Muangala