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Die aktivierende Bürgerbefragung im Pankstrassen-Kiez

 

Die Idee

Auf die Probleme und die Situation im Gebiet reagiert das Quartiersmanagement Reinickendorfer / Pankstraße. Das Management will neben seinem eigenen Handlungskonzept auch aus der Sicht der Bewohnerinnen und Bewohner in Erfahrung bringen:


  • Wie sie ihren Kiez wahrnehmen
  • Was sie an ihrem Kiez als schön empfinden
  • Was sie stört
  • Was ihnen fehlt
  • Wie der Kontakt zu ihren Nachbarn ist
  • Wo sie Veränderungen wünschen
  • Wo sie eine Umstrukturierung als notwendig erachten
  • Welche Projekte und Ideen sie haben, um Veränderungen zu bewirken
  • Inwieweit sie an solchen Projekten teilnehmen würden
  • Die BewohnerInnen sind diejenigen, die in Bezug auf ihren Kiez als SpezialistInnen und AnsprechpartnerInnen gelten. Ihre Sichtweise zu kennen ist wichtig, um möglichst kleinteilig und direkt auf Probleme reagieren und so effizienter arbeiten zu können.
    Ein weiterer Aspekt dieser Befragung war die Motivation und Integration von BewohnerInnen in das Projekt "Verbesserung der Lebensbedingungen". Die InterviewerInnen sind in diesem Fall die aktiven Personen, die das Gespräch beginnen. Durch die "aktivierende Bürgerbefragung" ist eine Gesprächsgrundlage gegeben, welche erste Hemmschwellen überwindet und auf der eine Diskussion und Lösungsansätze aufbauen können.

    Die Befragung

    Die aktivierende Bürgerbefragung wurde in eine Vorbereitungs-, Planungs-, Ausführungs- und Auswertungsphase unterteilt, so dass sie innerhalb einer kurzen Zeitspanne von 3 Monaten (von Mitte März bis Mitte Juni 2002) realisiert werden konnte. Gefragt waren alle BürgerInnen, die im Kiez wohnen oder arbeiten.


    Der Ablauf

    Die Vorbereitungs- und Planungsphase umfasste:
  • das Auslegen der Informationsblätter unter dem Stichwort "Bewohner als Interviewer gesucht" in Einrichtungen im Kiez zur Mobilisierung von ehrenamtlichen InterviewerInnen

  • die Zusammenstellung der Fragebögen für Erwachsene in deutscher und türkischer Sprache, sowie des Kinderfragebogens, welchen lustige Graphiken ausschmückten

  • die Ausarbeitung von Befragungstechniken

  • Die Resonanz der BewohnerInnen auf die Informationsblätter erfüllte die Erwartungen leider nicht. Daher lief die Suche nach InterviewerInnen parallel zur Befragung. Sie wurden überwiegend persönlich angesprochen und zu solch einer aktiven Mitarbeit gewonnen. Die Einarbeitung erfolgte persönlich, z. B. durch gemeinsames Ausfüllen eines Fragebogens.
    Die InterviewerInnen befragten Familienangehörige und Verwandte so, wie wir uns das Konzept der aktivierenden Bürgerbefragung gewünscht hatten. Probleme traten beim Interview mit Nachbarn auf, die entweder keine Zeit hatten, in den Urlaub (Osterferien) fuhren oder sich erst Bedenkzeit ausbaten. Daher berichteten die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, dass sie die Fragebögen den Nachbarn gaben und dabei Sinn und Zweck dieser Befragung erklärten. Später haben sie die ausgefüllten Fragebögen eingesammelt und im Quartiersladen abgegeben. Unser Konzept, dass die BewohnerInnen über ihren Kiez diskutieren würden ging nicht auf, aber immerhin kamen sie ins Gespräch.

    Die Ausführungsphase begann Ende März 2002 und umfasste:

  • das Auslegen der Fragebögen in öffentlichen Einrichtungen und beim Gewerbe

  • das Verteilen der Fragebögen an die InterviewerInnen und BewohnerInnen

  • das Einsammeln und Nachlegen

  • In Schulen haben teilweise LehrerInnen oder KlassensprecherInnen die SchülerInnen interviewt; Kinder interviewten ihre Eltern zu hause; BetreuerInnen in Jugendhäusern, Nachbarschaftseinrichtungen und Kitas interviewten die Kinder; viele Befragte verteilten auch Fragebögen an Bekannte und Freunde.
    Während der Ausführungsphase war das QM im Kiez durch Straßenstände an acht Nachmittagen präsent. Dabei wurde das Quartiersmanagement vorgestellt und mit den BewohnerInnen über ihren Kiez gesprochen. Somit hatten die AnwohnerInnen die Möglichkeit, das Team des Quartiersmanagements Reinickendorfer / Pankstraße persönlich kennenzulernen, und das QM konnte sich direkt mit den Ideen und Sorgen der BewohnerInnen befassen. Einstimmige Meinung der BewohnerInnen war, dass sich im Kiez etwas verändern muss.
    Die erste Sichtung der Fragebögen hat gezeigt, dass sich auch AnwohnerInnen aus der Umgebung an der Befragung beteiligten. Insgesamt erhielt das QM 945 ausgefüllte Fragebögen; das sind 61,37 % der ausgeteilten Fragebögen, davon waren 17,99 % von BewohnerInnen außerhalb des QM-Gebietes beantwortet worden. Rund 43,38 % (668 Fragebögen) waren von BewohnerInnen ausgefüllt worden, die im Quartiersmanagement-Gebiet wohnen oder arbeiten. Davon wiederum waren 253 von Erwachsenen und 415 von Kindern ausgefüllt. Nur diese wurden in der Endauswertung berücksichtigt.

    Die Auswertungsphase begann Anfang Mai 2002 und nahm aufgrund der hohen Beteiligung sehr viel Zeit in Anspruch. Als erstes wurden unterschiedliche Eingabetechniken entwickelt und die idealste übernommen. Für die Antworten auf die offenen Fragen wurden Kategorien bzw. Oberbegriffe festgelegt und dann ausgezählt. Die Häufigkeiten für jede einzelne Frage wurden so mühevoll ermittelt. Der Häufigkeitszählung folgten der Vergleich, die Interpretation und die graphische Darstellung sowie der Abschlussbericht.
    Der Auswertung folgte die Bürgerversammlung, auf der die Ergebnisse veröffentlicht wurden.

    QM