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Dilek Bölükgiray, Kommissarin und Präventionsbeauftragte des Polizeireviers Pankstraße

- Dilek Bölükgiray im Dienst: hier mit ihrem Kollegen Peter Jerke und Schülern der Carl-Kraemer Grundschule.

- "Als meine Tochter klein war, hat sie gesagt, dass ich eine Rabenmutter sei. Heute ist sie fast 11 Jahre alt, und sie ist stolz auf mich. Vielleicht wird sie auch Polizistin. Aber ihr Traum ist es, Richterin zu werden."
im Gespräch mit Michaela Nolte
Man sieht es ihr nicht gleich an, aber die kleine Frau mit dem langen, dunklen Zopf und den wachen Augen ist eine Kämpfernatur. Denn in die Wiege gelegt wurde Dilek Bölükgiray die Kommissar-Laufbahn nicht. Die Eltern hatten einen traditionellen Werdegang im Sinn: etwas Geld verdienen sollte sie schon, vor allem aber heiraten und Kinder kriegen.
Nach dem Realschulabschluss hat Dilek Bölükgiray in einer Reinigung gejobbt und eine Fortbildung zur Tischlerin gemacht, weil sie immer schon gerne gearbeitet hat und auf keinen Fall vom Amt leben wollte. An der Polizeischule hat sie sich heimlich angemeldet. "Schon als Kind habe ich davon geträumt, Polizistin zu werden. Vielleicht, weil meine Brüder immer Räuber und Gendarm mit mir gespielt haben."
Deutsch hatte sie erst in der Grundschule gelernt, und so war die Sprache lange ein Hindernis. Noch als Polizeianwärterin und junge Mutter hat sie 'nebenbei' Deutschkurse besucht, um den Anforderungen standzuhalten. Als ihre Tochter zur Welt kam, haben alle gedacht, dass es mit der Polizei-Karriere zu Ende sei. Nur Dilek Bölükgiray hat an sich geglaubt. Vier Monate nach der Geburt zog sie die Uniform wieder an und beendete die Polizeischule. Weiterbildung stand auch danach und steht bis heute auf dem Programm: Um Kommissarin zu werden absolvierte sie die Fachhochschule, für die Präventions-Arbeit besuchte sie eine spezielle Fortbildung.
Die Kollegin Jenny Riester, die sich vor drei Jahren dafür stark gemacht hat, dass die Polizei im Quartier Pankstraße Stellen für Anti-Gewalt-Maßnahmen einrichtet, sagt: "Dilek ist ein echter Glücksfall für uns. Bei dem hohen Migrantenanteil im Quartier und in den 19 Schulen, die wir betreuen, ist ihre Zweisprachigkeit ein riesiger Vorteil."
Seit einem Jahr arbeitet Dilek Bölükgiray in dem vierköpfigen Team der Präventions-Abteilung. Ein Bereich der vielfältigen Arbeit sind Seminare zum Thema häusliche Gewalt. "Die meisten Frauen wissen überhaupt nicht, welche Rechte sie haben oder dass es Beratungsstellen für Migrantinnen gibt. Ich kläre sie dann über das Sorge- und Scheidungsrecht auf. Bei Bedarf lade ich Frauen auch zu Einzelgesprächen ins Präsidium ein. Ich bin selbst von meinem ersten Mann geschieden. Da kennt man die Schwierigkeiten: Plötzlich ist man einsam, die Familie und die Freunde sind einem auch böse. Der Weg ist sehr schwer. Das sage ich den Frauen dann auch."
Ein weiteres Feld ist die Aufklärung in Grundschulen. Auch hier herrscht großes Unwissen über die Konsequenzen von Straftaten. "Die Kinder finden es spannend, wenn ich in Uniform vor ihnen stehe. Die Waffe lasse ich allerdings zu Hause. Dann fragen sie immer etwas ungläubig, ob ich überhaupt eine 'echte' Polizistin bin. Das interessiert sie zuerst: ob ich eine Waffe habe und ob ich schon mal jemanden umgebracht habe. Ihr Bild speist sich ja vor allem aus dem Fernsehen."
Anhand des Gewaltstahls und mit Rollenspielen erklärt Dilek Bölükgiray, wie aus einer harmlosen Beleidigung Gewalt entstehen kann und welche Folgen das Strafgesetzbuch für Körperverletzung, schwere Körperverletzung, Raub oder Mord vorsieht. "Am Ende sind sie ganz baff, wie schnell sich das hochschaukeln kann – von einer Beleidigung, die ja in der Regel nicht bestraft wird, bis hin zum Mord. Da wirkt die Prävention dann."






