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Dienstag, 12.06.2012

Ein Baumhaus für unseren Kiez

Eine Idee wird Realität

Der Eingang zum Baumhaus befindet sich in der Gerichtstraße 23
Eine Skizze verrät, wie einer der Räume einmal aussehen soll
Modell des Baumhauses von Kollaborateur Andrew James
Glaskunst des teilnehmenden Künstlers Isaac Abrams
Der Ingenieur und Designer Scott Bolden

Für manche ist es eine wunderbare Erinnerung an die Kindheit, für den Rest eine schöne Vorstellung: das Baumhaus als zentraler Treffpunkt im Dorf oder im Kiez. Alle Kinder der Nachbarschaft kommen, um hier Freunde zu treffen, gemeinsam zu spielen, zu klettern, zu kampeln, Pläne zu schmieden. Später dampfen hier erste Zigaretten, werden heiße Küsse getauscht. Eine Idee, die in der Welt der Erwachsenen im Panke-Kiez eine Fortsetzung findet.

Ortstermin in der Gerichtstraße 23 am Nachmittag des 24. Mai. Hier soll ein Baumhaus entstehen? Wir betreten einen Raum im Erdgeschoss des ehemaligen "Lebenshaus Mitte", wie ein Wandgemälde am Giebel verrät. Milchglas sperrt neugierige Blicke von der Straße aus. Ein Maler nutzt den Raum seit ca. 10 Jahren als Atelier. Bald zieht er innerhalb des Gewerbekomplexes um. Als Scott Bolden und Karen Wohlert, Nachbarn im gleichen Gebäude, davon hörten, wussten sie: Das ist der Raum für unsere Idee. Hier soll ein Ort der Begegnung, der Kommunikation, des kreativen Austauschs entstehen - eben das Baumhaus für den Kiez.

Heute ist eine Gelegenheit für neue Interessierte, sich das Objekt einmal genauer anzuschauen. Circa 15 Leute sind gekommen, stehen gemeinsam vor der Kellerluke, im Hauptraum oder im Lager und diskutieren Möglichkeiten der Gestaltung. Scott Bolden ist immer dabei; erläutert, gibt Anregungen, hört zu. Noch sieht es hier sehr ungemütlich aus. Doch bald soll die Arbeit beginnen. Schon jetzt beteiligen sich mehr als 30 überwiegend lokale aber auch internationale Künstler an der Planung des Ausbaus, mit dem Ziel, das hermetisch abgeschlossene, spartanische Atelier in einen lebendigen und offenen Kieztreffpunkt zu verwandeln.

Vor einigen Wochen, am 17. April, trafen sich Aktive aus dem QM-Gebiet Pankstraße, um Möglichkeiten für eine Zwischennutzung leer stehender Ladengeschäfte zu diskutieren. Unter den Anregungen befanden sich besonders viele, die Lösungen präferieren, die nicht oder nicht allein kommerziellen Zielsetzungen unterliegen. Zwar ist das Baumhaus kein klassischer Fall in diesem Zusammenhang - immerhin lag kein Leerstand vor - aber als Lösungsansatz kann es wertvolle Anregungen geben. Nicht zuletzt nämlich setzen Wohlert und Bolden auf Impulse aus der Nachbarschaft. Auf diesem Weg soll nicht nur ein Treffpunkt, sondern auch eine Gemeinschaft entstehen.

Einige Tage später. Scott Bolden steht auf seinem üppig begrünten Balkon in der Gerichtstraße 23 und lacht. "Changing ideas into reality - das ist es, was wir hier machen!" Ideen werden Realität - hört sich gut an; aber wie geht das genau? Karen Wohlert und Scott Bolden verweisen vor allem auf das Prozesshafte ihrer Idee. Je mehr Leute sich in die Gestaltung einbringen, desto realer wird das Baumhaus.  Zusammen etwas Sinnvolles für Alle aufbauen - diese Idee inspiriert. Was genau sich hier entwickeln wird, darauf sind auch die beiden gespannt. Unterschiedliche Leute, die sich beteiligen, werden das Gesicht des Baumhauses prägen. Es entsteht ein Raum, der offen für Vieles ist, für Austausch, zum Kontakte knüpfen - und als Plattform für neue Projekte dienen kann.

Auf jeden Fall soll als Erstes ein stilisiertes Baumhaus um eine Säule in der Mitte des 140 qm großen Raumes gebaut werden, das dann als eine Art begehbare Kunst dem Besucher offen steht. Parallel dazu wird es Cafébetrieb und Abendveranstaltungen geben. Für das Wochenende des Wedding Kulturfestivals ist eine erste öffentliche Begehung des Raumes geplant, bis dahin sollen die Bauarbeiten begonnen haben.

Scott Bolden, Mitte vierzig, stammt aus New York und kam kurz nach den Anschlägen des 11. September 2001 nach Berlin. Hier suchte der Ingenieur und Designer für Möbel und Interieur einen neuen Ort zum Arbeiten und zum Leben. Karen Wohlert kommt aus Lüneburg und lebt seit 2004 in Berlin. Beide zusammen wohnen seit ca. 2 Jahren in der Gerichtstraße - über dem zukünftigen Baumhaus.

Johannes Hayner