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Ein heißer Sommer in der Maxstraße

Die Maxstraße ist in den Abend­stunden belebter, als es tagsüber den Anschein hat. Nicht nur an der Ecke Schererstraße, wo sich die Weddinger Alternativszene trifft. Auch jenseits der Schulstra­ße, am Leopoldplatz, tobte in den vergangenen heißen Sommer­nächten oft bis tief in die Nacht das Leben. Sehr zum Leidwesen der AnwohnerInnen hat sich der Bürgersteig der Maxstraße Ecke Hochstädter und Nazarethkirch­straße zum abendlichen Treff­punkt Weddinger Jungendlicher entwickelt: vor allem türkischer junger Männer. "Das geht bis tief in die Nacht" beschreibt ein Anwohner die Situation. "Es ist ziemlich laut und manchmal muss man auch mit anhören, wie nachts um zwei auf der Maxstraße Autorennen im Rückwärtsgang veranstaltet werden." Zudem ha­ben in letzter Zeit in einigen La­dengeschäften Vereinslokale er­öffnet. Auch die erzeugen Lärm: der geht dann aber vor allem von älteren Männern aus, und auch häufig bis nach Mitternacht: "Die Straße hat sich sehr verändert, ist vielen fremd geworden. Einige sind bereits weggezogen und vie­le stehen kurz davor."
 
Doch einige fingen an zu han­deln. Einer von ihnen, Gottfried Uebele, ergriff im Frühsommer die Initiative. Zusammen mit der Hausverwalterin eines der betrof­fenen Häuser wandte er sich an das Quartiersmanagement. Mit dessen Unterstützung wurde am 18. Juni in der Begegnungsstätte Schulstraße 118 eine erste Bür­gerversammlung durchgeführt. Die Resonanz war riesig: Rund 70 AnwohnerInnen erschienen, viele von ihnen waren bereit, in einer Bürgerinitiative aktiv werden.
Regelmäßig trifft man sich seit­dem – nicht nur in Privatwoh­nungen, sondern auch in den Vereinslokalen, die den deut­schen Nachbarn zuvor so fremd­artig erschienen waren. Zum Beispiel Anfang August im "effe 09": Bei türkischem Tee kamen AnwohnerInnen, Kneipiers und Vereinsmitglieder ins Gespräch. Auch ein Vertreter des Polizei­abschnitts 35 ist anwesend und erläutert die Möglichkeiten der Ordnungsbehörden. Dabei stellt er klar, dass die Gegend um die Maxstraße kein besonderer kri­mineller Schwerpunkt ist. Der Ruf nach der Staatsmacht ist aber inzwischen auch deutlich leiser geworden, man vereinbart vielmehr gemeinsame Hand­lungsstrategien. Dazu gehört zuallererst das persönliche Ge­spräch mit den Jugendlichen die über die Stränge schlagen. Mesut Lencper vom Kiezboom e.V. ist diesmal als Gast dabei. Er meint "Das ist ja eine Clique und keine Jugendbande, die sich hier trifft. Die hat fast immer ein oder zwei Köpfe, die besonders viel Einfluss ausüben. Die sollte man suchen und mit ihnen vor allem ins Ge­spräch kommen. Damit kann man schon viel erreichen."
 
Es sei schon deutlich besser ge­worden meinen denn auch meh­rere Anwohner. Wahrscheinlich auch deshalb, weil sich in der Straße inzwischen ein Zusam­menhalt gefunden hat, wie er bisher noch nicht da war. Man kennt sich jetzt, grüßt sich und spricht miteinander. Man ist sich nicht mehr so fremd. Am Haus Maxstraße 19 soll jetzt der Brief­kasten der Initiative angebracht werden, ein kleiner Schaukasten wird die Anwohner über die Ak­tivitäten der Bürgergruppe infor­mieren. Und am 9. September ist ein erstes kleines Nachbarschafts­fest auf der Straße geplant, nach­mittags um 17 Uhr geht es los.

cs Foto: Christof Schaffelder