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NAH DRAN XXXII - Stücke junger Tänzer & Choreografen
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ExRotaprint
Der kleine Garten hinter dem Atelier von Daniela Brahm liegt im Schutz der Brandmauer recht idyllisch. Doch die Malerin und Mitbegründerin von ExRotaprint ärgert sich: „Durch den Discounter in der Reinickendorfer Straße ist einer der fantastischen Türme fast verdeckt. Im Bebauungsplan war das so nicht vorgesehen.“ Die beiden Türme sind das architektonische Juwel der einstigen Rotaprint-Fabrik und der ganze Stolz der neunköpfigen Gruppe um Daniela Brahm und ihre Kollegen Anna Schuster und Les Schliesser. Seit Oktober 2007 hat die gemeinnützige Gesellschaft ExRotaprint für das Gelände einen Erbbaupachtvertrag auf 99 Jahre.
Wenngleich der Volksmund die 50er-Jahre-Bauten wenig schmeichelhaft „Der Bunker“ nennt – sie stehen unter Denkmalschutz. Überhaupt erfreuen sich die 1950er- und 60er-Jahre unter Architekten, Designern und Künstlern derzeit großer Beliebtheit, und das Baudenkmal des Architekten Klaus Kirsten zählt zu den herausragenden Beispielen für deren Stil in Berlin.
Fast wäre die einstige Druckmaschinenfabrik in die Hände eines isländischen Großinvestors gefallen. „Der wollte hier einen Luxuswohnblock errichten“, lacht Daniela Brahm, „mit Wachschutz, Alarmanlagen und hohen Mauern drum herum.“ Da stand der Verein ExRotaprint bereits seit Jahren in Verhandlungen mit dem Bezirksamt und später mit dem Liegenschaftsfonds. Man trommelte die Presse und jede Menge Unterstützer aus Politik und Gesellschaft zusammen, und mit der Edith-Maryon- und der trias-Stiftung wurden Finanziers gewonnen, die sich gegen Bodenspekulation engagieren. Bei einem Vor-Ort-Termin erschien die Gegend dem Investor für sein Vorhaben dann doch nicht profitabel.
In den nächsten Jahren wird die ExRotaprint gGmbH das Areal zwischen Gottsched- und Wiesenstraße sanieren. Behutsam und vor allem so, dass die kieztypische Mischung erhalten bleibt. Denn einer Entwicklung, bei der erst Künstler und Studenten einen armen Bezirk ,veredeln’ und dann Spekulanten die alteingesessene Bevölkerung verdrängen, wollen die neuen Besitzer entgegenwirken.
„Hier kommen täglich mehrere Hundert ganz unterschiedliche Leute her“, sagt Les Schliesser, Künstler und einer der Geschäftsführer von ExRotaprint. „Diese lebendige Struktur werden wir erhalten: Kleingewerbe wie der türkische Edelstahlbauer, Musiker, Künstler, ein Beschäftigungsprojekt oder Vereine wie Lernstatt e.V., die Deutsch- und Integrationskurse anbieten.“
Nicht nur die gewachsene Struktur wird so erhalten, die Akteure von ExRotaprint betätigen sich zudem auch als „Kultur-Botschafter“ für den Wedding. Auf der Kunstmesse Art Forum präsentierte Les Schliesser die letzte Druckmaschine der Firma Rotaprint bei einer Kunstaktion, und dem in Vergessenheit geratenen Rotaprint-Architekten Klaus Kirsten hat er eine Videoarbeit gewidmet.
Über den Kiez hinausstrahlen soll auch das zukünftige „CongressCentrum Wedding“. Für Veranstaltungen zur Stadtentwicklung, Diskussionen zu gesellschaftlichen oder kulturellen Themen, aber auch für Feste, Ausstellungen, Konzerte oder Familienfeiern steht das CCW dann zur Verfügung. Außerdem ist eine Kantine in Zusammenarbeit mit dem hiesigen SOS-Berufsausbildungszentrum geplant. Als Modell schwebt Les Schliesser vor, dass Jugendliche hier kochen und zugleich die Führung eines Restaurantbetriebs erlernen können. Auch eine Form von Kultur – im Kiez und für den Kiez.
ExRotaprint
Gottschedstraße 4
13357 Berlin
www.exrotaprint.de
info[at]exrotaprint[.]de







