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Familien- statt Gewaltatmosphäre: Der DRK Jugendclub

Kids des DRK-Jugendclubs

Von Michaela Nolte
Eigentlich war ich ja mit den beiden Leitern Nicole Tornow und Reza Yeganeh verabredet. Aber schon im Hof begrüßen mich ein kleiner Kurde und ein junger Pole, und geben mir erst einmal eine Kostprobe ihres Rap-Talents. Auch danach war ich ständig von den jungen Besuchern umringt, die interessiert und mit erfrischender Neugierde Fragen stellten oder ihre eigenen Geschichten und Ansichten erzählten.

"Die Kinder sind super motiviert", sagt Nicole. Und tatsächlich ist hier alles quirlig und quicklebendig. Aus einem Raum dröhnt indische Musik. Eine jugendliche Ehrenamtliche bringt gerade einer kleinen Gruppe indischen Tanz bei – und sie macht das sehr anmutig und mit viel Geschick. Aber ebenso bestimmt sagt sie einem kleinen Störenfried: "Benimm dich, sonst fliegst du raus!"

Ein 14-jähriger Libanese erzählt: "Ich wohne ja in der Seestraße. Aber ich komme extra hierher, weil die sich echt für mich interessieren und zuhören, wenn ich mal einen Streit habe." Ein anderer ergänzt: "Wir sind wie eine große Familie. Ich weiß gar nicht mehr, was wir früher gemacht haben." Samer weiß es: "Die meiste Zeit haben wir auf der Straße herumgehangen und uns gelangweilt." Heute ist der 23-jährige Student der Sozialarbeit als Honorarkraft im Jugendladen tätig. Man merkt jedoch sofort, dass es für ihn nicht irgendein Nebenjob ist. Samer ist im Kiez geboren und schon als Jugendlicher in den Treff gekommen.

"Wir sind praktisch alle hier groß geworden. Ich wollte schon mit neun hierher; da bin ich aber rausgeflogen, weil ich zu jung war", sagt ein 19-jähriger Ehrenamtlicher. Der Treff existiert zwar schon seit Mitte der 80er-Jahre, aber bis vor einem halben Jahr war nur an zwei Tagen in der Woche geöffnet und nur für Jugendliche ab zwölf Jahren. Jetzt sind Reza und Nicole - unterstützt von sechs Honorarkräften und 20 jungen Ehrenamtlichen, den Peer-Leadern - von Montag bis Freitag für Menschen zwischen sechs und 20 Jahren da.

Ermöglicht wurde das erweiterte Angebot, das jetzt den Namen "Kulturwerkstatt der Zukunft" trägt, durch die Unterstützung des Quartiersmanagements Pankstraße mit Fördermitteln des Programms "Soziale Stadt". So konnte auch der Spielplatz in der Kolberger Straße neu gestaltet werden, und einmal in der Woche bringen die Peer-Leader Basket- und Fußbälle, Seile oder Federballschläger mit und spielen dort mit den Kleinen. Damit sie aber auch wissen, wie man mit Kindern und deren Problemen umgeht, werden die ehrenamtlichen Mitarbeiter in wöchentlichen Sitzungen geschult.

Der Dienstag ist nun für Sechs- bis Zwölfjährige, am Freitag ist "Mädchentag" und den Jugendtreff gibt es jetzt an drei Tagen. Die Ehrenamtlichen bieten Kurse in Kickboxen, Breakdance oder Kochen an und leiten die Lunch-Bar. Das Essen steht überhaupt bei allen hoch im Kurs – gemeinsam wird gekocht, gegrillt oder Pizza gebacken, und gegen einen symbolischen Kostenbeitrag kann jeder mitessen.

Die hauptamtlichen Mitarbeiter bieten Fußball als "Fair Play" für Jungen und Mädchen an, Arbeitsgemeinschaften im Mediencafé, Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfe. Die Mediengruppe gestaltet die eigene Homepage (www.drk-jugendladen-wedding.de) und fotografiert bei Festen oder besonderen Aktivitäten. Außerdem gibt es Kino, Discos und ein Reporter-Projekt.

Vor allem aber haben die Betreuer ein offenes Ohr für alle, die hierher kommen. Und das sind mittlerweile rund 150 regelmäßige Besucher aus 18 Nationen! Eine Besonderheit ist zudem, dass Mädchen und Jungen die Aktivitäten gemeinsam machen; was sonst unter Migrantenkindern selten ist.

Natürlich kommt es auch zu Konflikten. "Aber wir reden möglichst früh über alles", sagt ein Peer-Leader. "Wenn das nicht geht, holen wir uns Hilfe bei den Betreuern. Die geben uns Ratschläge, wie man reagieren kann, wenn es schwierig wird. Das hilft uns nicht nur hier, sondern auch sonst den ganzen Tag über."

Wenn man so unter den Kindern und Jugendlichen weilt, ihnen zuhört und zusieht, fühlt man sich nicht unbedingt wie in einem "Brennpunkt". "Aber die pädagogische Arbeit, das zu ändern, hat Jahre gedauert. Die Jugendlichen sind nicht unbedingt brav, aber mittlerweile gehen sie anständig miteinander um und achten andere Menschen", sagt Reza, und er sagt das nicht ohne Stolz.

Am 6. Juli, von 15-22 Uhr, feiert der DRK-Jugendladen ein Straßenfest in der Kolberger Straße. Unter dem Motto „Kiezkulturmarkt – Von uns für euch“ gibt es Bühnendarbietungen, Projektpräsentationen, einen Flohmarkt, Sport und Spiel, einen Kuchenbasar und natürlich Gegrilltes. Jeder ist eingeladen, und kann sich selbst davon überzeugen, dass hier ein anderer, ein guter Ton herrscht.

DRK-Jugendladen Wedding
Ansprechpartner: Nicole Tornow, Reza Yeganeh
Neue Hochstraße 20, 13347 Berlin, Telefon: 46 90 19 52