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Frühstück verbindet
Aufwachen, frühstücken, den Tag beginnen – ein Ritual, das wohl allen Menschen und allen Kulturen bekannt ist. Manchmal steht das Erwachen auch für den Beginn einer neuen Lebenssituation, und so lautete die erste Frage in unserer kleinen Frühstücksrunde:
Wie war Ihr erstes Frühstück in Deutschland?
Walentina Zapp erlebte (zumindest aus der heutigen Distanz betrachtet) eher einen Slapstick als ein Frühstück: 1981 ist sie die Nacht hindurch mit dem Zug von Moskau nach Ost-Berlin gefahren. Im engen Abteil, hochschwanger – einem unbekannten Leben entgegen. Zwei Mitreisende überließen ihr die untere Schlafliege und überbrückten die lange Fahrt eine Etage höher mit Wodka. Der trunkenen Fröhlichkeit fielen zu später Stunde zwei Flaschen zum Opfer, deren Inhalt sich vom oberen Bett über die darunter liegende Frau ergoss. Der Ankunftstag fiel auf den Geburtstag ihres Mannes. Romantisch sollte es werden. Herr Zapp stand auch erwartungsvoll mit einem Blumenstrauß auf dem Bahnsteig, – nur wehte ihm aus den feuchten Kleidern seiner Frau eine Wodka-Wolke entgegen.
Entspannter verlief das erste Frühstück von Karime Said, die mit 17 Jahren aus dem Libanon nach Deutschland kam. Am ersten Morgen nach der Ankunft wurde ein vertrauter, arabischer Kaffee im Hause des Onkels zubereitet, der ihrem Mann und ihr bis zur eigenen Wohnung ein Zuhause bot. Inzwischen brüht Frau Said meist klassisch-deutschen Filterkaffee auf.
Margrit Cenkl-Zarudi tischt Erinnerungen ihrer Berliner Kindheit auf: „Leberwurststulle ohne Rand“. Und da treffen sich die drei Damen das erste Mal ganz interkulturell – bei der gemeinsamen Liebe zur Leberwurst. Erstaunlich außerdem: wie sich das deutsche Brötchen durchgesetzt hat, bevorzugt die obere Hälfte.
Natürlich ist das Frühstück auch mit der Kultur des Ursprungslandes verknüpft. Frau Said liebt die Kombination von Spiegelei, Humus und arabischem Brot. Verführerisch auch die Vorstellung, bei Frau Zapp an einer üppigen, russischen Tafel zu sitzen, mit gesalzenen Pilzen, Krautsalat, Suppe, Lachs und Kaviar. Den Kaffee bereitet sie mit der „Dscheswa“ zu, einem Mittelding aus Topf und Kanne, ähnlich dem arabischen „Tanaka“. Die russische Besonderheit: der Kaffee wird angeröstet und vor dem Aufkochen mit einer Prise Salz und Zucker vermischt.
Für diese aufwändigen „nationalen“ Zutaten benötigt man Zeit; und die fehlt den drei berufstätigen Frauen am Morgen. Die studierte Politologin und Germanistin Cenkl-Zarudi arbeitet beim Verein Goldnetz, Walentina Zapp, die in Moskau Journalistik studiert hat, im interkulturellen Jugendzentrum Schalasch und Karime Said im Lotsenprojekt „Die Brücke“, das insbesondere die Sprachförderung von Migranten zum Ziel hat.
Doch gerade der Beruf erweist sich oft als Frühstücks-Bremse: Wer schon mit der Arbeit im Kopf aufwacht, dem bleibt der Bissen im Halse stecken; und wenn dann das Ei noch zu hart ist, ist der Tag gelaufen. Eine Erfahrung, die nicht nur Frau Cenkl-Zarudi kennt. „Für Russen“, ergänzt Frau Zapp, „ist der Montag sowieso der schlimmste Tag, weil er die Arbeitswoche einläutet“. Wenn das tägliche Ritual außerdem durch Töchter, die das Bad besetzen, gestört wird, reduziert sich der Frühstücksgenuss auf den Kaffee.
Hinter dem Frühstück verbirgt sich allerdings mehr als die allmorgendlichen Rituale, über die in unserer kleinen Runde viel gelacht und geschmunzelt wird. Frühstück ist Austausch und Kommunikation – wie beim Quartiersmanagement-Frauenfrühstück. „Es geht nicht ums Essen, es geht um das Gespräch, das ist für mich Frauenfrühstück!“, sagt Frau Zapp. Auch unser Gespräch dreht sich noch um viele andere Themen: um die Ausbildung, den Beruf, das Leben im Wedding, und schon der nächste Schluck Kaffee führt uns an die 5th Avenue zum legendären „Frühstück bei Tiffany“.
Der Vorschlag, den Filmklassiker beim nächsten Frauenfrühstück des Quartiersmanagements zu zeigen, bringt uns zurück in den Kiez. Frau Zapp, Frau Said und Frau Cenkl-Zarudi wollen jetzt öfter gemeinsam frühstücken, und sie schlagen vor, das QM-Frauenfrühstück nicht nur durch Vorträge, sondern auch durch „Frühstücksfragen“ anzuregen. Eine haben sie schon: Wie war ihr erstes Frühstück in Deutschland?
Frauenfrühstück
Jeden letzten Freitag im Monat
Begegnungsstätte Schulstraße 118
13347 Berlin
Tel.: 4502 4561
Nächster Termin: 30. Oktober, 10-12.30 Uhr.Ansprechpartnerin:
Fatma Celik
QM Pankstraße
Prinz-Eugen-Straße 1
13347 Berlin
Tel.: 7473 5857







