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Geschichte Weddings

Die Ursprünge des Wedding

Urkunden belegen, dass das Dorf etwa um 1200 von dem Adligen Rudolphus de Weddinge gegründet wurde. Später erwarb Kurfürst Joachim Friedrich das Gelände.

Bedeutung erlangte das Gebiet Wedding erst mit dem Beginn des Industriezeitalters. Im 18. Jahrhundert wurde in der Nähe der Panke eine Quelle entdeckt, deren wohlschmeckendes silberhaltiges Wasser bei verschiedensten Leiden helfen sollte. Der Hofapotheker Friedrichs II., Heinrich Wilhelm Behm, eröffnete hier im Jahre 1760 eine Bade-, Heil- und Trinkanstalt. Nach einem Besuch der Königin Luise im Jahre 1799 erhielt die Anlage den Namen "Luisenbad". 

Am 1. Januar 1861 wurden die Gebiete Wedding und Gesundbrunnen nach Berlin eingemeindet. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Gebiet 14.692 Einwohner. Der neue Stadtteil im Norden entwickelte sich fortan zu einem der bedeutendsten Industriebezirke der Stadt. 

Industriestandort Wedding

Berliner Industriedenkmal: Tor der AEG, entworfen von Peter Behrens

Ernst Schering gründete 1864 an der Müllerstraße eine Fabrik, in der Chemikalien für pharmazeutische und fotografische Zwecke hergestellt wurden. In den folgenden Jahrzenten wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und es kamen immer mehr Produktionszweige, auch außerhab Berlins, hinzu. Der Hauptsitz jedoch blieb in der Müllerstraße. Von hier aus wird heute ein Konzern mit mehr als 20.000 Mitarbeitern geleitet.

Louis Schwartzkopf gründete 1852 in der Chausseestraße eine Eisengießerei und Maschinenfabrik. Der Bau von Lokomotiven machte sein Unternehmen weltberühmt. Auf einem Grundstück in der späteren Scheringstraße fertigte er um die Jahrhundertwende Linotype-Setzmaschinen. Bis in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts hinein bot Schwartzkopff ein vielfältiges Fabrikationsprogramm. Infolge der Krise des Maschinenbaus wurde die gesamte Produktion eingestellt.

Der Berliner Unternehmer Emil Rathenau gründete 1883 die "Deutsche Edison-Gesellschaft für angewandte Elektricität", die vier Jahre später in "Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft" (AEG) umbenannt wurde. Rathenau kaufte eine Fabrik in der Ackerstraße und das Gelände zwischen Humboldthain, Brunnen-, Volta-, und Hussitenstraße. Es entstanden bedeutende Beispiele moderner Industriearchitektur. Noch in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts beschäftigete die AEG im Wedding fast 10.000 Mitarbeiter. Dann jedoch begann eine wirtschaftliche Talfahrt, die nicht mehr aufzuhalten war. Im Jahre 1983 begann die AEG mit der Schließung sämtlicher Fabriken in der Brunnenstraße und zog sich schließlich vollständig aus dem Wedding zurück.

Der Rote Wedding

Durch die fortschreitende Industrialisierung stand der Wedding vor großen sozialen Problemen. Es entstanden Massenquartiere für die ständig wachsende Arbeiterschaft. Eine der berüchtigsten "Mietskasernen" war "Meyers Hof", 1874 in der Ackerstraße 133 entstand und zeitweise fast 2.000 Menschen beherbergte. Die Arbeiterschaft lebte am Rande des Existenzminimums. Die Sozialdemokratie als ihre Interessenvertretung hatte großen Zulauf, wurde jedoch, etwa durch die Sozialistengesetze, zunächst erbittert bekämpft.
Bürgertum und Kirche versuchten, auch aus Angst vor der Sozialdemokratie, die Missstände ein wenig zu mildern.
Auch der Arzt und Politiker Rudolf Virchow machte sich große Sorgen und setzte sich für den Bau eines Krankenhauses ein. Es entstand die größte und damals modernste Krankenanstalt Berlins. Sie wurde nach ihrem Förderer "Rudolf-Virchow-Krankenhaus" genannt.

Zwanziger Jahre, Nazizeit und Krieg

Gedenkstein für die Opfer des "Blutmai" 1929, Wiesen-, Ecke Uferstraße

Als der Preussische Landtag 1920 die Bildung der Einheitsgemeinde Groß-Berlin beschloss, wurde aus den Stadtteilen Wedding und Gesundbrunnen sowie Teilen des Voigtlandes und des Gutsbezirks Plötzensee der Verwaltungsbezirk Wedding. Gewinner der ersten Wahlen waren die von der SPD abgespaltene Unabhängige Sozialdemokratische Partei (USPD), die mit dem Zeitungsredakteur Carl Leid den ersten Weddinger Bürgermeister stellte.

Die Weimarer Zeit war geprägt von fortschrittlicher Kommunalpolitik. So wurden etwa Lebensgemeinschaftsschulen, Sexualberatung und Jugendarbeit und -fürsorge gefördert. Durch die große materielle Not in den letzten Jahren der Weimarer Republik erhielten neben den Kommunisten auch die Nationalsozialisten immer mehr Zulauf. Oft kam es zu blutigen Auseinanderstzungen auf der Straße. Nach der Maifeier 1929 kam es zu schweren Straßenkämpfen. Bei denen es 19 Tote und über 200 Verletzte gab.

Obwohl die Nationalsozialisten im Wedding keinen leichten Stand hatten, waren sie auch hier nicht aufzuhalten. Nach ihrer Machtübernahme bestimmten die Nationalsozialisten den Staatskommissar Dr. Suthoff-Groß zum neuen Bürgermeister, lösten die Bezirksversammlung auf und entließen über 400 Beamte. In den Jahren 1933 - 1945 wurden über 1300 Weddinger Frauen und Männer inhaftiert, oft über Jahre hinweg. Viele verloren ihr Leben.

Nach dem Krieg lebten im Wedding noch 190.000 Menschen. Besonders der südliche Teil war durch Bombenangriffe verwüstet worden. Ein Drittel aller Weddinger Wohnungen war zerstört.

Der Wedding nach 1945

Nach 1945 bis zur deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 gehörte der Wedding zur französischen Besatzungszone Berlins.

Unter dem ersten Bürgermeister der Nachkriegszeit, dem Sozialdemokraten Walter Röber, begann ab 1946 der Wiederaufbau des Bezirks. Unter dem Motto "Der Wedding ändert sein Gesicht" begann man mit der Sanierung großer zusammenhängender Wohngebiete, wobei jedoch vielfach soziale Strukturen und erhaltenswerte Bausubstanz zerstört wurden. Inzwischen sieht man von Abriß und Kahlschlagsanierung ab.

Durch den Mauerbau 1961 wurde das Wirtschaftsgefüge des Bezirks hart getroffen. Viele Geschäfte, Kaufhäuser, Kinos und Restaurants gingen zugrunde. Junge Leute verließen den Bezirk, um sich woanders eine bessere Lebensgrundlage zu suchen.

Seit den 1970er Jahren siedelten sich im traditionellen Arbeiterviertel zahlreiche – vielfach auch türkische – Gastarbeiter und andere Einwanderer an, da dort preiswerter Wohnraum vorhanden war, was dem Viertel einen multikulturellen Charakter verlieh.

Seit den siebziger Jahren war der Bezirk vom anhaltenden Verlust industrieller Arbeitsplätze besonders betroffen. Durch die Schließung der AEG-Werke hatte die Elektrobranche ihre führende Rolle im Bezirk verloren. 

Als Standort für Forschung und Lehre gewann der Bezirk an Bedeutung. 1971 wurden mehrere Hochschulen und Akademien zur Technischen Fachhochschule Berlin vereinigt. Heute studieren an der Luxemburger Straße über 3000 Fachhochschüler. Das Rudolf-Virchow-Krankenhaus wurde 1987 von der Freien Universität übernommen und seither zusammen mit dem ehemaligen Klinikum Charlottenburg als Universitätsklinikum Rudolf Virchow geführt. Später wurde es mit dem Deutsche Herzzentrum Berlin verbunden. Nunmehr ist das Klinikum Teil der Charité, die der Humboldt-Universität angegliedert ist.

Der Wedding heute

Der Wedding ist Teil des Großbezirk Mitte.
Das Stattbad Wedding - ein Beispiel für Kulturstandorte entlang der Panke.

Der Bezirk Wedding wandelt sich vom Industrie- zum Dienstleistungsbezirk. Zwei Drittel der rund 53.000 Arbeitnehmer arbeiten bereits in diesem Sektor.

Der Strukturwandel des Arbeitsmarktes stellt einige Quartiere des Wedding vor besondere Herausforderungen. Viele der Bewohner des ehemaligen Industriestandorts haben ihren Arbeitsplatz verloren. Abhängigkeit von staatlichen Transferleistungen, Kinderarmut und Wegzug von Familien sind daher Kennzeichen einiger Quartiere. Durch das Installieren von Quartiersmanagements wird versucht negative Entwicklungen im Quartier aufzufangen und eine vernetzte und engagierte Nachbarschaft zu befördern.

Ein weiteres Charakteristikum des Wedding ist seine kulturelle Vielfalt. Bezüglich der Ausbildung von Sprachkompetenz sind daher viele Bildungseinrichtungen besonders gefordert.

Seit der Neugliederung der Berliner Bezirke ist der Wedding Teil des Großbezirks Mitte. Er befindet sich mitten in der Stadt, in unmittelbarer Nähe des Regierungsviertels.

Die Müllerstraße und der Leopoldplatz haben als Einkaufszentrum überregionaler Bedeutung entwickelt. Das Förderprogramm "Aktive Zentren" hat das Ziel diese Bedeutung zu reaktivieren und auszubauen.

Der Wedding bietet ein breites Angebot an Kultur- und Freizeitaktivitäten. Zu nennen wären unter anderem die Bildhauerwerkstätten an der Osloer Straße, die Galerien und Projekträume der Kolonie Wedding, Museen wie das Zucker- oder das Labyrinth-Kindermuseum, Bühnen wie das Prime Time Theater an der Müllerstraße oder das Atze Musiktheater, die Uferhallen als Zentrum für zeitgenössischen Tanz, das Stattbad Wedding mit seinem Schwerpunkt Street Art oder aber die Mauergedenkstätte und das Dokumentationszentrum, Trödelmärkte, die großzügigen Parkanlagen wie der Humboldthain, Schillerpark oder Rehberge sowie unzählige Sportvereine.

Unter dem Namen "Aktionsraum plus Wedding/Moabit" vernetzt der Senat von Berlin seit 2010 alle im Raum Wedding und Moabit laufenden städtebaulichen Förderprogramme wie das Quartiersmanagement oder "Aktive Zentren", um den Bewohnerinnen und Bewohnern der benachteiligten Quartiere bessere Zukunftschancen zu erschließen.

Die Geschichte des Wedding in Jahren - zum Download