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Hitze, Tanz und Wasserschlacht!

Am 24. Juli veranstaltete Südost Europa Kultur e. V. ein Kiezfest in den Uferstudios. Wir waren dabei.

bei den Vorbereitungen
Roma-Frauengruppe bereitet das Essen vor
Hof der Uferstudios
Lyrik im Baumhaus Performance
Scott Boldens Gesangsimprovisation
Das Küchenfahrrad
Party!
Wedding Drums
Gedichteautomat

Sonntag, 30 Grad im Schatten. Was macht der kulturell-vernetzte Weddinger bei diesen Temperaturen?  Nein, er plantscht nicht im Freibad Humboldthain oder sonnt sich am Plötzensee. Er trotzt dem Wetter und macht sich auf zu den Uferstudios. Denn dort ist heute Kiez-Fest. Ivanka Sučić vom Südost Europa Kultur e. V. organisiert das Fest gemeinsam mit ihrer Kollegin Maria Marggraf.


Der Verein verbindet psycho–soziale Arbeit, kulturelle Aktivitäten und gesellschaftliches Engagement zu einem Gesamtkonzept. Ziel ist es durch Beratung, Betreuung, Bildung und Beschäftigung Integrationsarbeit zu leisten. Südost Europa Kultur e. V. wurde 1991 als Verein zur Förderung der Kulturbeziehungen zwischen Deutschland und Südosteuropa gegründet. Anlass der Gründung waren die sich häufenden Konflikte innerhalb der unterschiedlichen Volksgruppen aus dem ehemaligen Jugoslawien und den in Berlin lebenden Bürgern.


Bereits im zweiten Jahr unterstützt das QM Pankstraße nun das Projekt „Unser Kiez – gemeinsam feiern, zusammen gestalten.“ Dabei hat sich Südost Europa Kultur e. V. zum Ziel gesetzt Nachbarschaften im QM-Gebiet Pankstraße zu aktivieren, die individuellen Aktionen der vielfältigen Kulturen sichtbar zu machen und nachbarschaftliche Kommunikationsnetzwerke zu stärken.


In diesem Sinne soll auch heute gefeiert werden. Begonnen wird bereits um 15 Uhr. Selbst für die Veranstalter noch zu heiß, die sich eine spätere Uhrzeit gewünscht hätten, doch leider ließen dies die Schließungszeiten des Uferstudio-Geländes nicht zu. Nur langsam gibt ein schmaler Schattenstreifen entlang des Gebäudes Anlass zur Hoffnung auf ein demnächst schattiges Plätzchen.

Für das leibliche Wohl sorgt heute die Roma-Frauengruppe. Der Verein hat sich von den Weddingwandlern das Küchenfahrrad, den sogenannten Gemüse Transformator, ausgeliehen. Am heutigen Tage wird er die Gäste mit Brot, Salat, Gemüse- und Fleischspießen versorgen. Zwischendurch sorgt Ivanka Sučić persönlich dafür, dass alle, besonders die älteren unter uns genug trinken. So macht sie immer wieder Runden mit einer Karaffe gefüllt mit frischem Minzwasser.

Kulturell wird uns hier heute einiges geboten. Den Anfang machen „Lyrik im Baumhaus“ und Christopher Matlik mit einer Poesie-Musik-Performance. „Lyrik im Baumhaus“ ist ein junges Kollektiv aus Berlin. Seit April 2015 experimentieren sie mit Lyrik in allen Spielarten. Dabei bedienen sie sich immer neuer Ausdrucksformen. Sie veranstalten gemeinsame Lesungen, Performances und interaktive Schreibaktionen. Heute hat die Gruppe eigens für diesen Anlass Texte zum Thema „Begegnung“ geschrieben, welche mit Begleitung von Christopher Matlik auf der Gitarre vorgelesen werden. Neben der „Bühne“ haben sie auch einen kleinen Tisch aufgebaut an dem man sich ihre selbst gestalteten Postkarten mit ihren Texten mitnehmen kann. Außerdem hat Arne Schmelzer aus der Gruppe auch seinen mobilen Spielzeugautomaten dabei. Gegen eine Münze bekommt man eine der bunten Plastikkugeln, diese enthalten jedoch weder Flummies noch  Autos, sondern Gedichte. Im Kiez kann man in so einigen Cafés diese Automaten entdecken. Also immer schön die Augen offen halten! Auch die kommende Kulturexpedition unverblümt am 18. August kann sich über eine Performance-Einlage der Lyriker freuen.


Gleich darauf stehen auch Oliver H. Herde und die Zeitentänzer in altertümlicher Tracht bereit. Zu sechst zeigen sie uns mit welchen Tänzen sich die Menschen im Mittelalter vergnügt haben. Oliver H. Herde bietet im SprengelHaus in der Sprengelstraße historische Tanzkurse für alle Interessierten an.


Für den nächsten  Programmpunkt müssen wir in die von den Uferstudios bereit gestellte Küche ausweichen. Denn für Scott Bolden vom Baumhaus-Projekt in der Gerichtstraße bedarf es einen geschlossenen, intimeren Raum zur freien Entfaltung. Zunächst müssen alle Beteiligten die Augen schließen, um sich noch besser konzentrieren zu können. Dann beginnt Scott kürzere Rhythmen, Toneinheiten oder Melodien vorzugeben. Nach und nach steigen alle anderen mit eigenen Melodien und Rhythmen ein. Wichtig ist hierbei offensichtlich, dass das Ganze immer in Abstimmung mit den anderen geschieht. Die Stimme, so merke ich schnell,  spielt hier nicht die vordergründige Rolle, denn es geht um das sich ausprobieren, das darauf einlassen und vor allem sich auf andere einzulassen. Die Idee hinter der Gesangsimprovisation ist es, das Leben achtsam mit allen Sinnen zu spüren.


Anschließend geht es wieder in die drückend schwüle Hitze, wo eine kleine Pause entsteht, welche die Roma-Frauen mit Begeisterung für eine Tanzeinlage nutzen. Zu traditionellen Balkan Beats, abgespielt von ihrem Handy schwingen sie die Hüften. Eigentlich stand nun der „Piazza magica“ – Pantomime-Flashmob von den uns nun bereits bekannten Lyrikern aus dem Baumhaus auf dem Programm. Doch, da es bei eben diesem Flashmob gerade darum geht andere zur Bewegung zu ermutigen und die Roma-Frauen das offensichtlich gar nicht benötigen, fällt die Piazza magica heute eben aus.


Während dessen packt die Trommelgruppe ihr Equipment aus und macht sich bereit. Wedding Drum nennt sich die Trommelgruppe um Andrea Kelm, welche das heute nur fünfköpfige Erscheinen entschuldigt. Es ist eben Hochsommer und halb Berlin befindet sich bereits in den Ferien, vermutlich mit beiden Beinen im Wasser baumelnd. Gemeinsam trainiert die Truppe im SprengelHaus.  


Nach dem letzten Trommelschlag klingt das Fest dann langsam ab. Es werden noch ein paar Snacks geknuspert und sich unterhalten. Die Kinder haben für das warme, schwüle Wetter inzwischen die richtige Lösung gefunden. Nicht meckern sondern einfach eine kleine Wasserschlacht veranstalten. Kurz nach dem ersten Spritzer folgt auch schon der nächste bis die ganze Flasche über den Kopf des kleinen Bruders fließt. Wenige Minuten später sind alle plitsch-nass aber glücklich und erfrischt.


Text: Anna Lindner

Fotos: Anna Lindner / südost Europa Kultur e. V.