Sie befinden sich hier: kiez.info - Neuigkeiten / Ich bin bereit

Suche

Aktuelle Veranstaltungen

Dienstag, 19. November 2019

Tanzworkshop

Mittwoch, 20. November 2019

Tanzworkshop

Dienstag, 26. November 2019

Tanzworkshop

Mittwoch, 27. November 2019

Tanzworkshop

Dienstag, 03. Dezember 2019

Tanzworkshop

Freitag, 12.07.2019

Ich bin bereit

BeuthBonus+ – ein Programm zur Qualifizierung zugewanderter Akademikerinnen und Akademiker

Die Beuth Hochschule: Bildungsschwerpunkt im Kiez
Sayde Alcántara hat BeuthBonus+ absolviert
Im Seminar (Foto: Tony Haupt)
Nana Nkrumah leitet PR und Marketing für das Projekt
Interview auf dem Hochschuldach: Sayde Alcántara mit Redakteur Johannes Hayner
Eine Teilnehmerin schreibt eifrig mit (Foto: Tony Haupt)
Über den Eingang zum "Bauwesen" kommt man auch zu BeuthBonus+

Die Beuth Hochschule für Technik Berlin ist nicht bekannt für Irrwege irgendwelcher Art, die Bildungswege verlaufen hier meist geradlinig. Hat man allerdings Lust, einmal richtig die Orientierung zu verlieren, so kann man hier versuchen, die Geschäftsstelle von "BeuthBonus+" zu finden. Einzige Voraussetzung: Sich nicht mit Nana Nkrumah am Eingang zum "Bauwesen" verabreden, denn die weiß, wo's lang geht. Freilich, wir haben es anders gemacht und uns gern ihrer Führung anvertraut. Nach einem schier endlosen Gang über Flure, Treppenhäuser und Freigänge, vorbei an Seminarräumen, wissenschaftlichen Laboren und Hörsälen, umweht vom Duft der nahen Mensa, trafen wir schließlich auf dem Dach des Gebäudekomplexes ein. "Hier wohnte früher der Hausmeister", berichtet Nana Nkrumah und schließt die Tür auf. Dahinter wurde für etliche Biografien eine nicht unerhebliche Wendung eingeleitet – und wir reden hier nicht von denen der Hausmeister.

In der ehemaligen Mitarbeiterwohnung residiert heute das Programm "BeuthBonus+". Es widmet sich seit 2015 der Qualifizierung und Integration von Akademikerinnen und Akademikern, die aus dem Ausland nach Deutschland zugewandert sind. In Anbetracht einerseits der Debatte über die vermehrte Zuwanderung von Menschen aus der ganzen Welt und andererseits der lauten Klagen über den Mangel an qualifiziertem Fachpersonal bekommt man eine Ahnung davon, welche Bedeutung diese Institution haben mag. Tatsächlich, die Kurse von BeuthBonus sind gut ausgelastet, wie Nana Nkrumah, die für PR und Marketing des Programms verantwortlich ist, erzählt. Menschen aus vielen Ländern haben schon am Programm teilgenommen. An vorderster Stelle stehen Syrien, die Ukraine und Spanien.

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, was die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von BeuthBonus+ erwarten und wie es ihnen dort geht, treffen wir uns mit Sayde Alcántara Santiago. Sie stammt aus Mexiko, lebt seit vier Jahren in Deutschland und hat seit März drei Monate an einem RAPID-Kurs des Programms teilgenommen. Rapid bedeutet schnell, klar. Im Programm heißt dies, dass Frau Alcántara vor allem Soft Skills vermittelt bekommt, die ihr helfen, bessere Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu haben. Wer hingegen ein FLEX-Modell wählt, belegt zusätzlich ein Fachmodul an der Beuth Hochschule, besucht also eine "ganz normale" Lehrveranstaltung und schließt diese auch mit einem Zertifikat, einer Abschlussarbeit oder ähnlichem ab.

Zurück zu Sayde Alcántara. Sie ist ihrem Mann nach Deutschland gefolgt, der hier seit sechs Jahren arbeitet. In Mexiko hat sie Computerwissenschaften mit Schwerpunkt Computer Engineering studiert. Im Jahr 2007 setzte sie einen Masterabschluss in diesem Bereich drauf. Mit dieser Qualifikation hatte sie in Mexiko keine Probleme, gute Jobs zu finden. Zehn Jahre hat sie in Mexiko gearbeitet, ehe sie nach Deutschland kam. Und hier war nun plötzlich alles anders.

Das mexikanische Paar lebte zunächst in Jena. Um überhaupt hier anzukommen, war Deutsch lernen die wichtigste Voraussetzung. Von Anfang an und bis heute besuchte Sayde Deutschkurse ansteigender Level. Um bei BeuthBonus+ einsteigen zu können, ist Deutsch-Niveau B2 oder höher Voraussetzung.

Seit Sayde Alcántara mit ihrem Mann in Berlin lebt, ist sie verstärkt auch an einer beruflichen Integration interessiert. Zwar hatte sie auch bis dahin an verschiedenen Kursen teilgenommen, bei ersten Bewerbungen, die sie zögerlich abschickte, bekam die heute 41jährige allerdings Absagen. Im Internet wurde sie auf BeuthBonus+ aufmerksam und bewarb sich sofort.

Der Einstieg in das für die Teilnehmenden kostenlose Programm ist fortlaufend möglich. Wie für alle Bewerberinnen und Bewerber stand auch für die mexikanischen Computerexpertin am Anfang das Erstgespräch. Darin wollen die Programmverantwortlichen erfahren, welche Ziele die Bewerberin hat, mit welcher Motivation und welchen Voraussetzungen sie in das Programm starten. Für alle, die sich zu einer Teilnahme entschließen, wird ein individueller Qualifizierungsplan aufgestellt, der als Leitfaden für die nächsten drei (Rapid) bzw. acht oder neun (Flex) Monate dient.

Für Sayde war es wichtig, dass das Programm an eine Hochschule angegliedert ist. So, wie sie es aus ihrer Studienzeit kennt, wird hier auf die aktive Beteiligung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesetzt. Und sie findet es gut, dass es unterschiedliche Unterrichtsformen gibt, in denen die Inhalte vermittelt werden. Diese Inhalte dienen vor allem der persönlichen Profilierung und Qualifizierung. Wichtige Themen sind interkulturelle Kommunikation, Rhetorik und Gesprächsführung, Teamarbeit, Texte schreiben im Beruf, Zeitmanagement oder die Definition beruflicher Ziele. Was die Mexikanerin besonders schätzt, war, dass die Module in sehr berufsbezogenem Vokabular vorgetragen wurden. So konnte sie ihre Sprachkompetenz gerade auch in den fachlich relevanten Bereichen deutlich nach vorne bringen.

Sayde Alcántara, die jetzt in Köpenick wohnt, nimmt aus dem Programm vor allem eines mit: ein gesteigertes Selbstbewusstsein. Gemeinsam mit ihren Coaches gelang es, ihre Stärken, beruflichen Potentiale und Ressourcen herauszuarbeiten und ein Bewusstsein dafür zu schaffen. Als Ergebnis des Kurses nimmt sie nun eine ausführliche Bewerbungsmappe mit. Und das Wichtigste: Sie hat nun auch das Selbstvertrauen, diese los zu schicken. Auf erste Bewerbungen kam positives Feedback, allerdings werden die Entscheidungen erst nach den Sommerferien gefällt. So oder so, Frau Alcántara blickt optimistisch in die Zukunft: "Eine Arbeit finde ich vielleicht jetzt oder nächsten Monat oder nächstes Jahr, aber die Hauptsache ist: Ich bin bereit."

Nana Nkrumah berichtet, dass BeuthBonus+ durchaus erfolgreich arbeitet. Schon direkt nach Abschluss der Qualifizierung hat sich durchschnittlich der Anteil derjenigen, die einen Job haben, verdoppelt. Und diese Quote verdoppelte sich wiederum in den Folgemonaten. Andersherum ist die Zahl der Arbeitslosen und Arbeitssuchenden in dieser Zeit um mehr als die Hälfte gesunken.

Aber der Einstieg in einen Job in Deutschland ist nicht vergleichbar zu dem in anderen Ländern. Sayde erzählt, dass sie in Mexiko in mehreren Jobs gearbeitet habe - als Programmiererin, Dozentin, Teamleiterin und in der Softwareentwicklung. Ein vergleichbares Procedere wie hier hat sie dort nirgends durchlaufen müssen. In Mexiko ist man viel schneller eingestellt - aber auch viel schneller gefeuert. Frau Alcántara freut sich über die professionelle Unterstützung, die sie bei BeuthBonus+ erfahren hat und ist insgesamt dankbar für die Entwicklung, die ihr verschiedene Programme und Projekte in Deutschland ermöglicht haben. Die deutsche Integrationshilfe findet sie sehr gut. Wer
keinen Job hat, kann die Zeit zum Lernen nutzen, das ist mehr als nur hilfreich.

BeuthBonus+ ist an das IQ-Netzwerk angegliedert, was Integration durch Qualifizierung bedeutet. Das Programm ist zunächst bis 2022 gefördert und am Fernstudieninstitut der Beuth Hochschule angesiedelt. Das Programm richtet sich vor allem an Menschen, die in Berlin wohnen.

Nun, zum Büro von BeuthBonus+ zu finden mag nicht so leicht sein. Es gibt viele Möglichkeiten, den Pfad zu verlieren. Aber so, wie Nana Nkrumah und ihre Kollegen den Teilnehmenden den Weg dorthin zeigen, so helfen sie ihnen auch dabei, erfolgreich im deutschen Arbeitsleben anzukommen.

Interesse an BeuthBonus+?
Telefon: 030 45 04 60 24
E-Mail: iqnw@beuth-hochschule.de
Internet: beuthbonus.beuth-hochschule.de

Text: Johannes Hayner, Fotos: Tony Haupt, Johannes Hayner, Nana Nkrumah