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Mittwoch, 11.07.2012

Die Weddinger Plätze laden zur nachbarschaftlichen Nutzung ein

Interview mit Carsten Spallek, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Ordnung

Bezirksstadtrat Carsten Spallek
Carsten Spallek während des Rundganges durch das QM-Gebiet am 17. Juni 2012

 

 

 

Was bedeutet "Umweltschutz" in einer Großstadt?

Dazu gehört der Schutz der verbliebenen stadtnahen Natur, verbunden mit der Pflege der Schutzgüter Boden, Wasser und Luft. Als Maßnahmen dazu gibt es zum Beispiel die Umweltzone, Lärmrichtlinien, Boden- und Gewässerschutz, Pläne zur Freiraumentwicklung.

 

Wie schafft man aus Stadtentwicklungs-Perspektive ein Interessenausgleich zwischen Natur und urbaner Infrastruktur?

"Umwelt" in Berlins dicht bebauter Innenstadt heißt zunächst vor allem: bebaute Umwelt und soziales Umfeld. Im Lebensraum Innenstadt müssen wir die Bedürfnisse der Bewohner und unterschiedliche Nutzungsansprüche auf engem Raum unterbringen. Das berührt überlagende Zuständigkeiten. Im jetzt großen Ressort Stadtentwicklung sind eine Vielzahl dieser Zuständigkeiten für Stadtplanung und Bauen, Straßen, Grünflächen und Landschaft sowie Wirtschaft und Ordnung vereint, was eine umweltgerechte Stadtentwicklung befördert.

 

Wie wirkt sich die großstädtische Infrastruktur auf das Umwelterleben der Bewohner im Wedding aus aus?

In den innerstädtischen Wohnquartieren in Wedding, Moabit und Alt-Mitte herrscht eine hohe Bebauungs- und Bevölkerungsdichte mit unmittelbarer Auswirkung auf die Umwelt. Die Nähe zu örtlichen wie überörtlichen Infrastrukturen und zentralen Versorgungseinrichtungen eröffnet den Bewohnern großstädtische Nutzungsmöglichkeiten. Hier übernehmen Grün- und Parkanlagen, die  gerade auch im Wedding vorhanden sind, einen Natur- und Erholungsausgleich.

Der Wedding ist ein sehr grüner Ortsteil mit großen Parkanlagen und Erholungsflächen: die Rehberge, der Schillerpark und Humboldthain sowie der Pankegrünzug als übergeordnete Verbindung vom Innenstadtzentrum bis ins Umland. Mit der Verkehrsinfrastuktur sind die Außenbezirke und auch das Berliner Umland schnell zu erreichen. Die Bewohner im dicht bebauten Gebiet des QM Pankstraße profitieren hiervon unmittelbar wie auch vom Grün der Spiel- und Sportplätze. Den attraktiven öffentlichen Plätzen wie dem Leopold-, Nettelbeck- und Utrechter Platz kommen besondere Bedeutung bei der Freizeitgestaltung und für den sozialen Austausch der Anwohner zu.

 

Was macht ein attraktives Wohnumfeld aus?

Nehmen wir als Beispiel das QM-Gebiet Pankstraße. Das Wohnumfeld ist städtisch geprägt mit vielen urbanen Vorteilen, aber auch Nachteilen wie Lärm, beeinträchtigter Verkehrssicherheit oder Abfall. Das soziale und gebaute Wohnumfeld ermöglicht ein hohes Maß an Urbanität: Es gibt eine gute Mischung aus städtischer Dichte und sozialer Lebendigkeit, eine gute Versorgungssituation bei günstiger Lage in der Stadt. Daneben gibt es eine gute Mischung aus gebautem und öffentlichem Wohnumfeld; die gründerzeitlichen Altbauwohnungen sind groß, bieten Wohnqualität, die Weddinger Plätze laden zur nachbarschaftlichen Aneignung und Nutzung ein. Im QM-Gebiet herrscht ein gutes Angebot an öffentlicher sozialer Infrastruktur, mit der es sich gut leben, lernen und alt werden lässt: 25 Kitas, 8 Schulen, die Jugendkunstschule, Jugendclubs, VHS, Bibliothek, Altenheime etc.  Und - das ist wichtig - es gibt eine hohe Qualität der grünen Infrastruktur auf öffentliche Platzanlagen, diversen Spielplätzen, aber auch Friedhöfen als ruhigen Erholungsräumen. Die Attraktivität des öffentlichen Raums hat sich erhöht, etwa durch Verkehrsberuhigung und Anlage von Radwegen. Zusammengefasst schafft die Lagegunst und städtebauliche Struktur im QM-Gebiet Pankstraße eine Wohnlichkeit und öffentliche Nachbarschaft, die man als urbane Identität erfahren kann.

Leider lösen allerdings Fehlverhalten wie illegale Müllentsorgung, Verschmutzung, Vandalismus und Nutzungskonflikte wie Alkoholkonsum, Drogenhandel und Gewalt Unsicherheit aus. Die Attraktivität des Wohnumfeldes lässt sich nur dann wahren, wenn die Ursachen von Nutzungskonflikten und Fehlverhalten angegangen werden, damit die urbanen Vorteile im Stadtteil überwiegen.

 

Welchen Beitrag kann Stadtentwicklung in einer bereits bestehenden städtischen Infrastruktur leisten?

Die Aufgabe der Stadtentwicklung in der bebauten Innenstadt ist es, im Bestand zu planen, zu entwickeln und zu pflegen – im Gegensatz zu deren Aufgaben bei Neubaugebieten. Für Wedding und insbesondere das QM-Gebiet Pankstraße ergeben sich dabei folgende Schwerpunkte.

· Die vorhandenen städtischen und bezirklichen Infrastrukturen werden bewahrt und nach Bedarf weiterentwickelt. In Zeiten knapper Kassen prüfen wir dabei Synergieeffekte durch Vernetzung und Doppelnutzung.

· Um die Qualität der öffentlichen Plätze und örtlichen Einrichtungen zu erhalten, nutzen wir die sozialen Ressourcen im Quartier, also bürgerschaftliches Engagement und Kooperationen mit starken Partnern für die Stadtteilentwicklung.

· Die Abteilung Stadtentwicklung prüft die in den Weddinger Stadtteilkonferenzen gewünschte Anlage von Grünzügen und Radwegen und setzt sie um.

· Die Renaturierung der Panke bis 2015 ist ein wichtiges Vorhaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

· Die Verbesserung der Verkehrssituation auf den Hauptverkehrsstraßen durch Lärmminderung, erhöhte Verkehrssicherheit – insbesondere Schulwegsicherung – und weitere Fahrradwege

Die Abteilung Stadtentwicklung koordiniert unterschiedliche Förderprogramme, Stadtteilverfahren sowie die Finanzierung von Fördermaßnahmen und steuert deren Durchführung. Daneben erbringt sie Beratungen, Abstimmungen und Genehmigungen der zuständigen Fachverwaltungen für Bau- und Planungsvorhaben.

 

Welchen Beitrag leisten die QM zur Aufwertung des Wohnumfeldes?

Für integrierte Maßnahmen der Quartiersentwicklung setzte das QM Pankstraße in den vergangenen Jahren ca. 8 Mio. Euro aus Städtebau-, EU- und Landesmitteln ein. Dies ist möglich, weil das QM-Gebiet ein Programmgebiet der "Sozialen Stadt" ist. Und es geschah maßgeblich unter systematischer Einbeziehung von Bewohnern und Akteuren.

Seit 2002 wurden alle Spiel- und Stadtplätze umfassend umgestaltet und aufgewertet. Sämtliche Schulen im Quartier erfuhren Unterstützung bei ihrer Profilbildung und durch bauliche Maßnahmen in Schulgebäuden und -höfen.

Die im Programm Soziale Stadt vorgeschriebene Zielgruppenbeteiligung erreichen wir durch die Einbindung der Bewohner und Akteure als Verfahrensprinzip im Stadtteilverfahren. Daneben fördern wir ehrenamtlicher Strukturen im Kiez.

Beispiele für die Planungsbeteiligung der Anwohner bei der Wohnumfeldaufwertung sind:

· Stadtplätze wie der Leopold-, Nettelbeck- und Utrechter Platz, der Pankegrünzug und die zahlreichen Spielplätze

· Der hintere Leopoldplatz wurde mit einem orientalischen Spielplatz versehen, bietet aber dennoch Potential für weitere Aufwertungen.

· Die Erholungs- und Bewegungsräumen rechts und links des Panke-Grünzugs tragen ebenfalls zur Qualität des Wohnumfeldes bei.

· Besonders durch die bauliche Veränderung des Nauener Platzes ist ein freiraumplanerischer „Leuchtturm“ entstanden, der mit seiner generationenübergreifenden Erholungs- und Aufenthaltsqualität positiv in das Quartier ausstrahlt.

Ein griffiges Leitbild kann zukünftig die Qualitäten des Quartiers Pankstraße zusammenfassen. Mit „Urbane Nachbarschaft“ und „Leben an der Panke“ liegen erste Vorschläge seit der Quartierswerkstatt 2010 vor.

 

Welche politischen Prioritäten setzt das Ressort Stadtentwicklung aktuell?

Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt bei der Sauberkeit auf Landes- und Bezirksebene. Im QM-Verfahren ist uns die Einbeziehung bürgerschaftlichen Engagements sowie die Partnerschaften in den Kiezen besonders wichtig.

 

Wo gibt es bei den Umwelt- und Stadtentwicklungsressorts Überschneidungen, wo Abstimmungsbedarf oder Synergien?

Die Zusammenarbeit zwischen den Ressorts, Abteilungen und Ämtern geschieht auf drei Ebenen. Erstens formal im Verwaltungsverfahren, etwa bei Anhörungs- und Abstimmungsverfahren bei Bauvorhaben und Verfahren. Zweitens informell im Rahmen der integrierten Planung. Und schließlich drittens strukturell bei Vorbereitung und Durchführung der Fördermaßnahmen in den Stadtteilverfahren der Förderprogramme Soziale Stadt- Quartiersmanagement, Aktive Zentren und Stadtumbau.

Johannes Hayner