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Karin Babbe

- „Was wir hier machen, ist keine Zauberei! Das ist einfach Handwerkszeug. Gute Schule machen, Visionen haben und dann die entsprechenden Instrumente einsetzen. Wir sind eine ganz normale Schule.“, so die Leiterin der Erika-Mann-Grundschule.
Eine Sache müsse sie noch erledigen, sagt Frau Babbe gleich zu Beginn des Treffens. Später schiebt sie eine kleine Fachkonferenz ein; nach acht Minuten setzten wir unser Gespräch weiter fort. Nebenbei werden Briefe eingetütet und als beim Abschied das Sekretariat übervoll mit großen und kleinen Menschen ist, hilft sie kurzerhand aus: sucht einen Schülerausweis, holt einen Eisbeutel.
Verschiedenste Aufgaben nahezu gleichzeitig zu erledigen, ist kein Problem, sondern für Karin Babbe einfach spannend: „Was wir hier betreiben, ist ja Schulentwicklung, von Anfang an, und das hört nie auf. Da gibt es viel zu tun und alles wird nach einer Weile überprüft, modifiziert und gegebenenfalls verbessert.“
Energie und Motivation – von beidem scheint die quirlige Frau in ihrem herbstlich frischen Kleid eine gehörige Portion zu besitzen und auf ihre Umgebung auszustrahlen. Sie ist der Motor, der stets auf Hochtouren läuft, wenn es um die „Schulfamilie“ geht. „Wir wollen unseren Kindern ein gutes Bildungsfundament bieten. Denn nur über die Bildung können sie möglicherweise die Sozialspirale durchbrechen. Dieser Wille eint und verbindet unser Kollegium.“
Das Leuchtturm-Bild, das sie ohne jede falsche Bescheidenheit aufgreift, wurde ihr sozusagen in die Wiege gelegt. „Ich bin in einem kleinen Dorf an der schleswig-holsteinischen Küste aufgewachsen, mein Kinderzimmer lag auf dem Deich und die Wellen waren die Einschlafmusik. Wenn ein Haus von innen heraus leuchtet, bietet es Orientierung! Außerdem hat es den Nebeneffekt, dass unser Licht auch die Straßen um uns herum erleuchtet. Der Wedding hat ja viele soziale Bürden. Da braucht man Angebote, die die Eltern verlocken, hierzubleiben und nicht wegzuziehen, wenn ihre Kinder in die Schule müssen.“
Soviel zum Thema sozialer Brennpunkt. Karin Babbe hält sich nicht mit Klagen über schwierige Umstände auf, sondern erzählt vom pädagogischen Grundkonsens: „Wir wollen den Kiez so annehmen, wie er ist, und wir wollen etwas für die Sprache tun.“ Die Schüler kommen aus 23 Nationen und viele haben bei Schulbeginn eine „doppelte Halbsprachigkeit“. So etwas war zur Zeit der Schulgründung in der Fachdidaktik nicht vorgesehen. Ganz bewusst haben Karin Babbe und ihre Kollegen den Blick geweitet und das Theaterprofil entwickelt. Mit diesem Ansatz und weil es in den ersten vier Jahrgängen keine Noten gibt, schaffen bis zu 80 Prozent der Schüler eine Realschul- oder Gymnasialempfehlung. Zu den Lernberatungsgesprächen erscheinen 95 Prozent der Mütter und Väter. Traumquoten, die nicht nur im Wedding, sondern Berlinweit über dem Durchschnitt liegen.Auf die Frage nach ihrem persönlichen Erfolgsgeheimnis, zitiert Frau Babbe den ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther: „Glaube, Hoffnung und Liebe“. Als sie meine Verblüffung bemerkt, gesteht sie feixend, dass das in diesem Kiez komisch klingen mag. „Das bedeutet, den Menschen nicht vom Defizit her zu definieren, sondern von dem, was er mitbringt. Die Liebe steht für ein humanistisches Weltbild, das von den Fähigkeiten eines Menschen ausgeht, und ich glaube fest daran, dass unser Wissen und Können Früchte trägt. Ja, und Hoffnung ist die Hinwendung zum Menschen. Barack Obama: >Yes, we can!<“, zitiert sie kämpferisch den zukünftigen US-Präsidenten. „Das sind Elemente in meiner Person, die ich in der Schule lebe, und mit denen motiviere ich auch.“
Ganz oben steht derzeit das Prinzip Hoffnung: Denn aus 250 Bewerbungen wurde die Erika-Mann-Grundschule in die Endrunde des Deutschen Schulpreises nominiert. So resolut und pragmatisch Karin Babbe wirkt, darüber kann sie sich geradezu kindlich freuen. Ja, aufgeregt sei sie. „Und wie!“ Beim Hauptpreis winken immerhin 100 000 Euro. Damit könnte man zum Beispiel eine Dependance in Mali aufbauen, wo dann jeder Lehrer, jeder Hausmeister ein halbes Jahr lang arbeiten soll. Ob Karin Babbe und ihre Schulfamilie solche Gedankenspiele in die Tat umsetzen können, erfahren sie am 10. Dezember. Das Motto des Wettbewerbs heißt übrigens: Dem Lernen Flügel verleihen. Da wäre die Erika-Mann-Grundschule nicht zuletzt mit den „Silberdrachenwelten“ doch geradezu prädestiniert






