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Lesen und Schreiben im Kiez

Manchmal muss man einfach anfangen, wenn man eine Sache für richtig hält.
Das dachte sich auch Carolin Holtmann. Sie wohnt seit einiger Zeit in einem Hausprojekt in der Scherer Straße und unterrichtet an der Technischen Universität ausländische StudentInnen in Deutsch als Fremdsprache.
Von ihrer Arbeit her weiß sie, dass es in Berlin viele MigrantInnen gibt, denen es schwer fällt, in einen normalen Deutschkurs zu gehen, weil sie z.B. kaum lesen und schreiben können.
Zudem suchen viele TeilnehmerInnen auch Anschluss: Ein Deutschkurs kann mehr vermitteln als Sprachkenntnisse, er könnte zum Knoten eines Netzwerkes werden, zum persönlichen Dreh- und Angelpunkt jenes schwierigen Prozesses, über den allerorten so heftig debattiert wird: Integration.
"Vor allem Frauen suchen den Anschluss und der fällt ihnen oft leichter, wenn sie in Frauengruppen zusammen finden", meint Carolin Holtmann.
Im Quartiersmanagement weiß man das auch: der Aufbau von Frauennetzwerken ist ein wichtiger Bestandteil der Strategie für das Quartier. Carolin Holtmann fand hier schnell Unterstützung. Sie stellte einen Antrag für das Programm "Lokales Kapital für Soziale Zwecke", in dem kurzfristige Kleinprojekte gefördert werden. Und im Januar konnte sie loslegen.
Mit Unterstützung von vielen Seiten: In der Oudenarder Straße 30 konnte sie eine leerstehende Wohnung anmieten, der Vermieter, der Verbund Nordberliner Wohnungsbaugenossenschaften verlangt nur den Betriebskostenanteil. Die Möbel wurden für ein geringes Entgelt von einem An- und Verkauf zur Verfügung gestellt. Die Tafel kam von der Wedding-Grundschule, Geschirr und Unterrichtsmaterialien wurde gespendet.
Dreimal in der Woche finden jetzt Kurse statt: immer vormittags, nach einem ausgiebigen gemeinsamen Frühstück. So findet hier nicht nur Unterricht statt, es wird auch gleichzeitig praktische Konversation geübt: die Teilnehmerinnen kommen aus verschiedenen Kulturkreisen, aus der Türkei, Bosnien, Russland und Indonesien. Sie können sich untereinander nur auf Deutsch verständigen.
Kommunikation auf Deutsch wird auch bei gemeinsamen Unternehmungen weiter gepflegt: Ausflügen etwa oder Festen. Auch die Arbeitsmethoden im Unterricht sind darauf eingerichtet. So hat eine Firma Einweg-Fotoapparate gespendet, mit denen die Frauen jetzt ihre Nachbarschaft fotografieren – und im Unterricht darüber reden. Oder dann, wenn sie im Nebenraum auf den Unterricht warten, denn den hat Caroline Hoffmann in verschiedene Leistungsgruppen unterteilt.
Finanziert wird das Projekt vorerst nur bis Ende Juni. Dann laufen die Fördermittel aus dem LOS-Programm aus. Wie es dann weitergeht ist bislang noch nicht geklärt. "Rein ehrenamtlich kann man so etwas kaum machen, schließlich muss ich auch eine Familie ernähren", sagt Carolin Holtmann. "Und Teilnehmergebühren kann man auch nicht erheben."
Für zwei bis drei Frauen sind noch Plätze vorhanden.
Kontakt:
Carolin Holtmann, Schererstr. 8
Tel.: 030 - 44 79 36 11
E-mail: carolin-holtmann@gmx.de






