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MUSEUMSHALTESTELLE: KUNST BEWEGT
Erste Haltestelle
Sonntag 13.15. die Tür geht zu, Eltern bleiben draußen und schon geht es in die Welt der Kunst. Und dort warten: ein Vogel, ein Hai ohne Schwanz, eine Schlange, ein Dinosaurierei, ein Hase und ein Seepferdchen. Und das alles haben sechs paar Kinderaugen auf einem Bild entdeckt. Es ist kein Tierbilderbuch, sondern ein abstraktes Camouflage-Bild aus der Sammlung Marx im Hamburger Bahnhof, gemalt von Andy Warhol in Tarnfarben.
Um Kunst zu erfahren hat sich die Künstlerin Julia Rüther eines einfachen Transportmittels bedient – des Busses. Museumshaltestelle ist ein Projekt, das Weddinger Kindern eine Möglichkeit gibt, kostenlos verschiedene Ausstellungshäusern der Nationalgalerie zu besuchen. Dort warten Künstler, Kunstpädagogen, Kunsthistoriker und natürlich jede Menge Kunst auf sie.
Und wieso ist die Museums Haltestelle am Leopoldplatz und nicht woanders? Die Idee dazu kam Julia auf ihrem Weg zur Arbeit. Von ihrer Wohnung in der Nähe des Leopoldplatzes fährt sie oft mit dem Bus ins Museum, um dort Workshops mit Kindern zu machen. Nur ein paar Haltestellen bis zum Hamburger Bahnhof, dem Museum für Gegenwartskunst – und trotzdem hat sie dort selten Kinder aus dem Kiez gesehen!
Heute weiß sie, woran es liegt. Die Weddinger Eltern erreicht die übliche Werbung über Veranstaltungen in Museen zumeist nicht. Viele haben kein Internet, kein Interesse und oft Berührungsangst, weil sie selbst noch nie in einem Kunstmuseum waren. Und so entstand die Idee, die Kiezkinder ins Museum einzuladen und die Haltestelle am Leopoldplatz als Infotafel zu nutzen. Aber auch dieses gelbe Haltestellenschild mit einer rosa Schleife ist nicht genug, um Menschen ins Unbekannte zu locken. Was sie brauchen, ist immer eine Bezugsperson, jemanden den sie schon kennen, meinte Julia.
Um das Fremde etwas bekannter zu machen, ist sie mit ein paar Kollegen durch die Schulen und Kitas gegangen, um ihre Projekt vorzustellen. Heute erkennen die Kinder sie wieder und sind dazu bereit, mit einer Bezugsperson, die ihnen etwas über Kunst erzählen kann, mitzufahren. Hauptsache es gibt Spiel, Spaß und etwas zum Malen.
Begeistern konnte sie nicht nur Kinder und Kollegen mit ihrer Idee, sondern auch das Museum und das Quatiersmanagement, die die anfallenden Kosten übernahmen. Seit April 2011 an den Wochenenden kann man in den Bus steigen und ins Museum fahren. Julia hat schon mehrere Gruppen geführt und immer wieder freut sie sich auf die Kinderaugen, wenn die Kinder zum ersten Mal die große Eingangshalle des Hamburger Bahnhofs betreten.
Zweite Haltestelle: Eingangshalle Hamburger Bahnhof
Von 14 Kindern, die sie letztens geführt hat, waren 12 noch nie in einem Kunstmuseum. Für viele ist auch der heutige Besuch das erste Mal, weswegen am Anfang ein paar Anregungen sehr wichtig sind. Ruben, Max, Lilli, Marlene, Marie-Claire und Katarina sind heute gekommen. Sie werden die Ausstellung sehen, vieles lernen, ein Spiel spielen und am Ende noch die Werkstatträume, die für Besucher eigentlich nicht zugänglich sind, besuchen um dort zu malen. Die ersten Fragen: Was ist ein Kunstmuseum, was gib es hier alles zu sehen und wie benimmt man sich dabei? Julia versucht, dies und mehr mit den kleinen Besuchern gemeinsam herauszufinden. Dabei wird gehüpft, noch laut geredet und gelacht!
Die Frage: „Was ist Gegenwartkunst?“ ist nicht so leicht zu klären. Kinder sind verschiedener Meinungen: „Das ist moderne Kunst.", meint Ruben; andere Kinder denken mehr an Gemälde und Skulpturen. Julia klärt sie alle auf. Danach geht es zum ersten Künstler!
Dritte Haltestelle: Keith Harring
Ein großes Bild voller Linien, Zacken und Punkte in Neon-Farben. Vor lauter Strichen erkennt man zunächst kein Motiv. Die Kinder sind trotzdem ganz dabei und lassen sich nicht abschrecken. Erst auf den zweiten Blick kommt es nach und nach zum Vorschein: Max erkennt eine Figur, dann eine Frau, danach erkennen sie alle ein Kleid und am Ende sieht Marlene eine Mutter mit Kind auf dem Arm. Die Linien und Striche zeigen immer mehr und schließlich erkennen die Kinder sogar Mutters besorgtes Gesicht. Lilli meint, dass Kind weine und dass macht sie so traurig. “ Es hat Hunger“ meinen die Jungs. Vielleicht wusste der amerikanische Maler Keith Harring mehr darüber. Eins steht fest – die Frisur der Mutter gefällt niemanden!
Vierte Haltestelle: Cy Twombly
Was allen gefiel ist das Bild von Cy Twobly. Ruben ist sich sicher, dass es ein Bild eines Kindes ist. Kritzeleien und Krakeleien des Künstlers auf seinen Gemälden erinnern an verwischte Malereien an Schultafeln. Max entdeckt Twomblys Namen auf der Leinwand. Einen schönen Namen hat er, meinte er. Lilli und Marlene versuchen, das Bild in der Luft nachzumalen. Ihre schnellen Bewegungen und das Armwedeln durch die Luft bringen die Mädchen zum Lachen. Und richtig viel Spaß machte die Aufgabe, das selbst nachgemalten Bild einen Museumswächter zu zeigen und abzuwarten, ob er es erkennt.
Fünfte Haltestelle: Andy Warhol
Im nächsten Raum ist ein männliches Gesicht, das die Kinder betrachten wollen. Ein asiatischer Mann im Anzug. „Ähnelt mehr einem Photo“, sagt Max. Das ist Mao, erfahren wir. „Wie lange wurde wohl an dem Bild gemalt?“ ist Julias Frage. Und die Meinungen gehen richtig auseinander: von zwei Jahren, halbes Jahr, eine Woche bis zur einer Stunde – alles ist vertreten. Julia gibt die richtige Lösung. Der Maler, Andy Warhol hat mit vielen Assistenten gearbeitet, deswegen sind seine Bilder innerhalb weniger Stunden relativ fix entstanden.
Der berühmteste amerikanische Pop Art Künstler zeigt in seinen Werken große Hollywoodstars wie Marilyn Monroe, John Wayne oder Elvis Presley, aber auch Comic Figuren wie Micky Mouse oder Superman. Er fand es auch nicht ungewöhnlich, eine Tomatensuppen-Dose zu porträtieren. In seinen letzten Jahren widmete er eine ganze Bilderserie der Camouflage. Und eins davon hängt auch vor uns! Auf die Frage, ob das Bild Camouflage laut oder leise ist, waren alle einer Meinung. Dieses Bild ist leise! Die Jungs wissen es genau. Die Farben braun, grün und dunkelbraun passen zueinander und die Tarnung dient dazu, etwas zu verbergen, zu verstecken oder sich leise zu stellen.
Andy Warhol versuchte, mit Camouflage etwas zu gestalten was abstrakt, aber gleichzeitig auch erkennbar ist. Die Kinder erkennen etwas anderes: ein Vogel, ein Hai ohne Schwanz, eine Schlange, ein Dinosaurierei, ein Hase und ein Seepferdchen.
Letzte Haltestelle
Sonntag 16.20. Die Tür geht auf. Und draußen warten schon die Eltern mit erwartungsvollern Gesichtern auf ihre Kinder und das, was sie zu berichten haben.
Ferientermine der Museums-Haltestelle
Unter diesem Link finden Sie die Sommerferientermine der Museums-Haltestelle.











