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Mit grünen Daumen gegen Gewalt - Das SOS-Berufsausbildungszentrum gibt Jugendlichen eine Perspektive und engagiert sich im Kiezleben.
Doch diese Auszeichnung ist eigentlich nur ein Nebenprodukt von einem umfassenden Engagement. Das BAZ betreut zur Zeit etwa 250 Jugendliche. Hauptsächlich Migranten zwischen 16 und 21 Jahren, die zwischen abgebrochener Schule und dem Arbeitseinstieg stehen. Bereichsleiter Fred Britz zitiert gerne Habermas’ „neue Unübersichtlichkeit“, wenn er über die Probleme und Sorgen der Jugendlichen spricht. „Die Jungen und Mädchen sind stark verunsichert, besitzen keine Orientierung“, beschreibt er ihre Lage.
Das SOS-Berufsausbildungszentrum bietet den Jugendlichen eine Berufsvorbereitung und Beratung – also eine Perspektive. In einer Zeitspanne von bis zu elf Monaten steht ein Team aus Pädagogen, Ausbildern und Sozialarbeitern bereit, um den Jugendlichen einen Weg aus der Orientierungslosigkeit zu zeigen.
„Oft sind es grundlegende Dinge, die wir den Jugendlichen erst vermitteln müssen. Eine Tagesstruktur aufbauen, Autoritäten akzeptieren“, erklärt Britz. Insgesamt müsse die Motivation gestärkt werden. Es sei für manche schon ein großer Schritt, sich Arbeitskleidung anzulegen, wie die grünen Anzüge der Garten- und Landschaftsbauer. In hauseigenen Zweckbetrieben werden die Jugendlichen vor diese Aufgaben gestellt. Ob als Restaurantfachkraft im Ausbildungsrestaurant „Rossi“ oder als Friseur beim „Hoffriseur“. Die Abbruchquote von lediglich fünf bis zehn Prozent zeige, so Britz, dass die Angebote gut angenommen würden und die Jugendlichen aus ihrer auswegslosen Situation raus wollten.
Die bewusste Wahrnehmung ihres Lebensumfeldes gehört ebenso zum Ziel des BAZ, wie die praktische Vorbereitung auf die Arbeitswelt. So kam es auch zum Projekt „Grün gegen Gewalt im Kiez“. Nach einer Analyse der Probleme des Nauener Platzes begannen die Jugendlichen mit der Säuberung und Umgestaltung. Der Platz soll wieder zurückgewonnen werden für die Anwohner und Bürger des Kiezes, die ihn aus Angst vor Übergriffen und Drogenhandel nicht mehr nutzen.
Allein durch die Umgestaltung eines Teils der Grünflächen am Nauener Platz, deren Kiezpatenschaft das BAZ übernommen hat, veränderte sich die Struktur merklich. „Man sieht wieder viel mehr alte Menschen, die sich in die Gegend des Platzes trauen“, schildert Britz, ergänzt jedoch im nächsten Satz, dass es ihm schon bewusst sei, dass die Drogendealer lediglich an andere Plätze verdrängt wurden. Der Preis erfülle ihn aber trotzdem mit Stolz und Genugtuung, denn schließlich habe er eine enorme Motivationswirkung auf die Jugendlichen.
von Reinhardt Neuhold
Hier gibt es Informationen zu den verschiedenen Ausbildungen und den Angeboten zur Berufsvorbereitung des BAZ:
SOS-Berufsausbildungszentrum, Oudenarder Straße 16, 13347 Berlin, Tel.: 45 50 80-0, baz-berlin@sos-kinderdorf.de. Montag bis Donnerstag, 8-16.45 Uhr, Freitag, 8-15.15 Uhr.
Zu Themen der Berufsfindung berät außerdem das Jugendberatungshaus sos.mitte, Edinburger Straße 55, 13349 Berlin. Montag und Mittwoch, 9-13 Uhr, Dienstag und Donnerstag, 14-18 Uhr, Freitag nach Vereinbarung.








