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Müllerstraße – Tor zum Wedding

- Ein Highlight ist das Migrationsmuseum von Alexander Ertl und Moritz Piske. Neben der raffinierten Innengestaltung besticht es durch die Fassade mit auskragend schwebenden Würfeln aus hellgrauem Beton und großen Glasflächen. Ein spektakulärer Bau, der einen markanten Blickpunkt für den Kiez bilden würde.
Mehr als 9600 Studenten studieren derzeit an den acht Fachbereichen der Beuth Hochschule. Was die ehemalige Technische Fachhochschule für die jungen Menschen aus insgesamt 70 Ländern attraktiv macht, ist nicht zuletzt die Praxisnähe der Ausbildung. „Wir bekommen realistische Projekte, lernen Bauzeichnen oder wie man eine Toilette entwirft. Ich kenne Leute von anderen Instituten, die mit dem Begriff Wärmedämmung nichts anfangen können“, erzählt Lisa von Wroblewsky.
Sie ist eine von 26 Studenten, die im Seminar von Ulrike Lauber „Entwicklungskonzepte für eine neue Müllerstraße“ erarbeitet haben. Doch bevor es ans Entwerfen ging, haben sie die Nutzungen und Bedürfnisse im Kiez erforscht und aus ihrer Analyse einen Masterplan entwickelt, der seinen Namen verdient – obwohl sie im fünften Semester des Bachelor-Studiengangs sind.
„Die größten baulichen Mängel weist der Bereich um den S-Bahnhof Wedding auf“, sagt Ulrike Lauber, Architektin und Professorin für Entwerfen und Städtebau. Mit einem „Kultur-Eck“ wollen die Studenten hier nicht nur das Umfeld verschönern, sondern überzeugen mit einem Bau- und Nutzungskonzept, in dem sich die verschiedenen Nationen und ihre Kulturen widerspiegeln sollen.
Nationalitätenvielfalt als Markenzeichen. „Die neue bauliche Situation steigert die Aufenthaltsqualität und setzt ein erkennbares Zeichen, gleich in der Eingangssituation, wenn man von Mitte in den Wedding kommt“, sagt Sebastian Helmerich, der gemeinsam mit Esma Gözlükaya ein Kulturzentrum mit integriertem Jugendzentrum geplant hat.
Zu einem „Kultur-Eck“ gehört natürlich auch die Esskultur. „In den Häusern gibt es sieben Restaurants, die kulinarische Vielfalt repräsentierten. Mit nationalen Spezialitäten und mit Niveau“, erklärt Predrag Nikolic. Er hat mit Yasemin Isan eines von zwei Wohn- und Geschäftshäusern entworfen. „Unsere Architekturvorstellungen gehen in der Regel von Räumen für Kleinfamilien aus und von einem großen, offenen Wohnbereich mit Kochecke“, sagt Ulrike Lauber und Yasemin Isan ergänzt: „Migrantenfamilien wünschen sich hingegen oft eine große Küche und eine Wohnsituation, in der der Privatbereich von Räumen, wo Besuch empfangen wird, klar abgetrennt ist.“ Aus diesen Überlegungen entstanden Wohnungen mit ‚interkulturellem Zuschnitt’.
Daneben sind ein Low-Budget-Hostel und Studentenwohnheime, ein Wellness- und Fitness-Komplex und schicke Wohn-Ateliers vorgesehen.
Abgerundet wird das „Kultur-Eck“ von einem Theater, das Cleo Lutz und Sebastian Leupolz samt Musik-, Schauspiel- und Tanzschule geplant haben und einem Saal, der in den Innenhof ragt und eine Terrasse für lauschige Sommerpausen bietet.
Wie praxisbewusst die Studenten bei aller Kreativität an ihre Aufgaben gehen, beweist auch die sechsköpfige Gruppe, die das Parkhaus Luxemburger Straße umkonzipiert hat. „Man kann Deckenplatten aus den vorhandenen Fertigbauteilen ‚ausschneiden’ und bekommt großzügige Atrien mit viel Tageslicht“, erläutert Joseph Kraffert. Der Aufwand wäre relativ gering. „Ein Neubau würde 20 Millionen Euro kosten, wir kommen mit etwa 10 Millionen aus“, so Julia Kliemank stolz.
Eine Umnutzung des Parkhauses käme auch dem zukünftig erhöhten Raumbedarf der Beuth Hochschule entgegen. Vielleicht findet sich ja ein Investor. „Das können die Studenten natürlich nicht selbst übernehmen“, sagt Ulrike Lauber. „Aber eine Zusammenarbeit mit einem Architekturbüro wäre eventuell vorstellbar. Auf jeden Fall werden wir alle Ergebnisse dem Bezirk als Anregung zur Verfügung stellen.“ Den Kontakt zum Aktiven Stadtzentrum Müllerstraße hat man auch schon geknüpft.





