Aktuelle Veranstaltungen
Neue Energien für den Kiez
Ein „Welt-Café“ am Nauener Platz – darin war der große Saal im Haus der Jugend von den Mitarbeitern des Quartiersmanagements und den Moderatorinnen Susanne Jahn und Karen Nitschke für die Gebietskonferenz verwandelt worden. Ein „Welt-Café“, in dem eine bunte Mischung aus Akteuren und Bewohnern, Menschen verschiedener Nationen und Vertreter der Schulen sowie unterschiedlicher Abteilungen des Bezirksamts Mitte sieben Stunden lang höchst produktiv neue Strategien für den Kiez entwickelten.
An 15 runden Tischen ging es durch ein dichtes Programm mit Podiumsdiskussion und audiovisuellen Kiezimpressionen, vor allem aber konnten die Teilnehmer in losen Kleingruppen miteinander ins Gespräch kommen, sich austauschen und debattieren. Wobei sich um einige Tische gleich ganze Trauben bildeten, an anderen wurden frisch geknüpfte Kontakte zu neuen Kooperationen geschmiedet.
Vier Themenfelder hatten sich in der Vorbereitungsphase bei Umfragen, in Gesprächsrunden mit Fachämtern und dem Quartiersrat sowie bei zwei Workshops herauskristallisiert: Schule als Ort der Identifikation, Blickpunkt Jugend, Lokale Kulturlandschaft und Sicherheit als Wohlfühlfaktor. Ein Joker, von den Teilnehmern gewählt, behandelte zusätzlich das Thema Identifikation und Öffentlichkeit.
Auf den Tischen lagen Papierdecken bereit, auf denen die Teilnehmer während des einstündigen Brainstormings Anregungen und Statements notierten. Zu Plakaten umfunktioniert, dienten sie in den Arbeitsgruppen als Diskussionsgrundlage. „Wer nicht mobbt, kriegt Kunst“, war auf einem zu lesen, „Jugend kann mehr“, „Müllerstraßenfest zum Bürgerfest machen“ oder „größer denken“ auf anderen. Lobkultur wurde gewünscht, mehr Kiezläufer und mehr Nachbarschaftsorte und ein Mehrgenerationenhaus.
MEHR KIEZLÄUFER, MEHRGENERATIONENHAUS UND BILDUNG, BILDUNG, BILDUNG!
In seiner Begrüßungsrede hatte Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke für „Strategien, die nicht nur von Förderjahr zu Förderjahr gehen“, geworben und die Bildung als „eine der wichtigsten langen Linien, die wir heute herausarbeiten sollten“ ins Zentrum gestellt. Ein Tenor, der mit dem engagiert diskutierenden Auditorium in Einklang stand: Bei der Verlesung der ‚Tisch-Notizen’ waren Bildungszentren, Eltern- und Familienbildung, Bildung zur Lebensführung oder interkulturelle Bildung nur einige der Schlagworte, die das Leitthema bekräftigten.
Im Anschluss an die Mittagspause wurden die Themenfelder in fünf Arbeitsgruppen vertieft und präzisiert. Im Hinblick auf die Ganztagsschule, da war sich die AG Schule als Ort der Identifikation einig, gilt es, die Angebotserweiterungen gut zu strukturieren. Als erster Schritt wurde ein runder Tisch mit Lehrern, Künstlern, Musikern, Sportlern und Schulsozialarbeitern, aber auch mit Eltern und Ehrenamtlern angeregt, um die Schulen bei der Profilbildung zu unterstützen. Neben „Entwicklungshelfern“ für die Schnittstellen wurde eine Vision entwickelt, die nicht nur die Schule als Lebensraum weiterdenkt, sondern den gesamten Kiez aufwerten kann: neue Arbeitsplätze, unter anderem durch Schulkantinen.
ÖFFNUNG DER SCHULEN IN DEN KIEZ
Der Wunsch nach mehr Unterstützung wurde aber auch an die Schulen getragen. So von Dorothea Reinhardt vom Verein Selbsthilfe im Vorruhestand e.V.: „In der Begegnungsstätte Schulstraße bieten wir generationsübergreifende Computerkurse an. Aber von den meisten Schulen, an die wir herangetreten sind, kam lediglich: ‚Unsere Schüler können das nicht.’ Da wünschen wir uns mehr Kooperation, zum Beispiel auch durch Bildungsangebote für Senioren direkt in den Schulen.“
BLICKPUNKT JUGEND
Weil aber Bildung nicht allein in den Schulen, sondern auch in der Freizeit und im Familienumfeld stattfinden sollte, stand der Blickpunkt Jugend im Zeichen von Angeboten und Einrichtungen in diesen Bereichen. Kontinuierlicher Bezugspersonen bedarf es hier – sowohl in den Initiativen und Institutionen als auch in Form von Straßensozialarbeitern, die Kinder und Jugendliche dort abholen, wo sie sich aufhalten.
Für die Größeren setzte die Gruppe auf Mitbestimmung, denn: „Jugend kann mehr!“ Zum Beispiel in einer Jury Geld für Mikroprojekte von Jugendlichen für Jugendliche verwalten.
Ein weiterer Aspekt war die begleitende Erziehungsarbeit. Verschiedene kleinere Ansätze wurden in der Vergangenheit bereits erprobt, doch soll die Einbindung von Eltern mit einem breiter angelegten Konzept gestärkt werden.
Als möglicher Ort hierfür sowie für ein generelles Miteinander, wurde das Modell eines Mehrgenerationenhauses diskutiert. Was läge da näher als die Frage, ob sich das Haus der Jugend oder aber die Begegnungsstätte Schulstraße 118 für ein solches Modell eignen würden?
Ein Fazit der Konferenz: Viele Projekte, die das Quartiersmanagement angeschoben und gemeinsam mit Bewohnern, Initiativen und Institutionen durchgeführt hat, haben sich bewährt und sollen bestehen bleiben. Um die Raumsituation zu verbessern und zusätzlich dem durch Leerstand forcierten Vandalismus Einhalt zu gebieten, fokussierte die AG Sicherheit als Wohlfühlfaktor eine große Gewerberaumbörse und Zwischennutzungskonzepte.
Während die Lokale Kulturlandschaft eindeutig kleine Initiativen und Projekte bevorzugte, wurde im Rahmen von Identifikation und Öffentlichkeit kontrovers debattiert, ob das QM-Gebiet mehr Soziokultur oder nicht eher den verstärkten Blick auf die Hochkultur braucht? Mit dem Ergebnis einer Imagekampagne, die die Schulen als soziokulturelle Zentren mit den Bürgerfesten verknüpft und durch eine zielgerichtete Öffentlichkeitsarbeit die vorhandenen Potenziale über den Wedding hinaus wahrnehmbar macht: als junger, kreativer und urbaner Kiez!
EMPFEHLUNGEN DES QUARTIERSRATS
„Der Energieschub, den die Gebietskonferenz im Quartier bewirkt hat, ist enorm“, so QM-Teamleiterin Susanne Walz. Mit dieser Motivation gingen die Arbeitsgruppen im November in die weitere Konkretisierungsphase. Die Ergebnisse des Modellverfahrens wurden anschließend in einer Sondersitzung des Quartiersrats abgestimmt und gewichtet.
Eindeutige Priorität bei der Mittelvergabe aus dem Programm Soziale Stadt kommen im Zeitraum 2010 bis 2012 den Handlungsfeldern Jugend und Schule zu. Deutlich mehr als 50 Prozent der insgesamt 732 000 Euro aus dem Quartiersfonds III sollen hierfür in den kommenden Förderjahren aufgewendet werden. Im Bereich Jugend wurden Sport- und Bewegungsangebote an die Spitze gewählt, bei den Schulen die Stärkung der Elternkompetenz durch Fort- und Weiterbildung, eingedenk der begleitenden Erziehungsarbeit außerhalb von Schulen.
Auf längere Sicht votierte der Quartiersrat zudem für die Stärkung des lokalen Gewerbes und Zwischennutzungsmodelle zur Erhöhung der Sicherheit sowie im Bereich der lokalen Kultur für die Einrichtung eines Kulturvereins für Sinti und Roma, die im Kiez leben.
„Mit der Gebietskonferenz konnten wir neue Leitziele setzen, durch die sich die Zusammenarbeit mit den Bezirksamtsabteilungen in Zukunft viel fruchtbarer gestalten wird. Die Ämter wissen nun im Vorfeld, wo den Bürgern der Schuh drückt und können entsprechend handeln und dies in die bezirklichen Programme einfließen lassen“, sagt Quartiersratssprecher Carsten Schulz.
Mit diesen Vorgaben und zukünftigen Leitlinien wird das Quartiersmanagement in Abstimmung mit dem Bezirksamt neue Projekte für den Kiez ausschreiben.








