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PLATZ DA!
Am Anfang standen Probleme, eine Bürgerinitiative und etwa 200 000 Euro, die das Bezirksamt Mitte 2006 für bauliche Veränderungen auf dem Nauener Platz aufbringen wollte. Als der Bund im Rahmen des Forschungsprogramms Experimenteller Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt) einen Wettbewerb für familien- und altengerechte Stadtquartiere ausschrieb, wurde die Chance vom Amt für Umwelt und Natur ergriffen. Unter 300 Bewerbern erhielt das Konzept für eine innovative und generationenübergreifende Umgestaltung des Nauener Platzes den Zuschlag. Insgesamt flossen Bundes- und Bezirksmittel in Höhe von über 1,4 Millionen Euro.
Die Investitionen und das Engagement haben sich gelohnt. Der Nauener Platz hat sich vom einst vermüllten Trinkertreff und Drogenumschlagsplatz zu einem wahren Juwel mitten im Wedding gemausert. Schon für sich betrachtet, bietet die schön gestaltete, großzügige Parkanlage, die auf insgesamt 5000 Quadratmetern unter der planerischen Leitung von Landschaftsarchitektin Barbara Willecke (siehe S. 6) entstanden ist, ein faszinierendes Bild. Dass zur Eröffnung die Besucher aller Altersstufen und Nationen ‚ihren’ Nauener Platz in seinen vielfältigen Möglichkeiten nutzten und in allen Bereichen belebten, lässt hoffen, dass das Konzept für ein lebendiges und friedliches Miteinander aufgeht.
Auf den Holzpodesten am Spielplatz vor dem Café Naumi sahen Eltern ihren Kindern beim Toben oder Buddeln im Sand zu, Nachbarn plauderten miteinander, und zwei Jugendliche funktionierten das Podest kurzerhand zur Tanzbühne um. Während auf dem nun geteilten Fußballplatz gekickt wurde, übten kleine Mädchen nebenan Basketball, andere spielten konzentriert auf dem neuen Schachfeld. Der Renner bei den Geräten im grünen Bewegungsband scheinen die Radtrainer zu werden, an denen Kinder und Jugendliche ebenso viel Spaß hatten wie ihre Eltern oder die Damen und Herren im fortgeschrittenen Alter.
„Ich habe Glück, und meine Enkel haben Glück“, sagt Yasgul T., die seit 1977 in der Liebenwalder Straße lebt. „Als meine Kinder klein waren, konnten sie hier nicht so gut spielen. Jetzt ist es sehr, sehr schön!“ Meeresrauschen und Sandstrand-Flair im Wedding – vor einigen Monaten erschien diese Idee noch recht phantastisch. Wenn man nun in den Ohrensesseln dem Klang der Wellen oder dem Vogelzwitschern lauscht, rückt der Stadtlärm in den Hintergrund. Blickt man dann auf die Sonnenterasse, stellt sich tatsächlich Urlaubsstimmung ein.
„Der Sand ist der Strand, die Steine sind das Ufer und die Rasenwellen das Meer“, erläutert Joachim Glanz das Konzept. Das Urgestein der Initiative Nauener Neu! freut sich besonders über den Blick, den er nun vom Balkon seiner Wohnung in der Seniorenwohnanlage genießt: auf die Ruhezone mit den bunten Beeten, mit den blauen Audio-Ringen und Sonnenliegen, die in leuchtenden Rottönen über den Strand verteilt stehen.
Eigentlich war der ehemalige Konstrukteur zur 2004 gegründeten Initiative gestoßen, weil er sich über den Lärm vom Bolzplatz geärgert hatte. „Aber bei Nauener Neu! habe ich gelernt, über meinen eigenen Tellerrand zu schauen und das große Ganze zu sehen“, erzählt der engagierte Senior und fügt stolz hinzu: „Vor fünf Jahren haben wir einen kleinen Trampelpfad betreten, der immer breiter wurde. Mit dem Bezirksamt und dem Quartiersmanagement bekamen wir Mitstreiter, die den Trampelpfad zu einer Erfolgsbahn gemacht haben.“
Wenngleich Herr Glanz den Blick genießt, wird er den Platz nicht nur vom Balkon aus bewundern. Denn der Nauener ist neu, und zukünftig will sich auch die Initiative neu strukturieren. Ihr Engagement soll weiter ausstrahlen und das Bewusstsein der Nachbarschaft stärken, gemeinsam Verantwortung für den Platz zu tragen.
Zukunftsvisionen hat auch Rainer-Maria Fritsch. Der Bezirksstadtrat für Jugend und Finanzen will das Haus der Jugend in den nächsten sieben Jahren in ein Mehr-Generationen-Haus umwandeln. Auf die Frage, woher er angesichts der angespannten Haushaltslage die notwendigen zwei bis drei Millionen Euro dafür nehmen will, sagt Fritsch: „Mein Motto lautet: straffen und stärken. Das heißt, dass man trotzdem investieren muss. Gute Pläne verändern ja auch die Infrastruktur. Da könnte das Haus der Jugend eine neue Keimzelle bilden. Der Nauener Platz ist und bleibt ein Kernprojekt im Bezirk.“









