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Donnerstag, 03.05.2018

Parken in der Stadt neu denken

Ein Stadtspaziergang durch das Quartiersmanagement-Gebiet Pankstraße

Erster Haltepunkt ist die Kreuzung Ruheplatzstraße/Antonstraße. Herr Schäfer vom Planungsbüro erläutert kurz die Straßen- und Verkehrssituation
Zweiter Haltepunkt ist Nazarethkirchstraße/Turiner Straße. Frau Krause vom Planungsbüro informiert
Die Gruppe ist Ecke Müllerstraße/Nazarethkirchstraße angekommen
Kreuzung Utrechter Straße/Turiner Straße - der gesamte Kreuzungsbereich ist „aufgepflastert“ und dadurch schon von weitem sehr gut sichtbar
Am Haltepunkt Hochstädter Straße/Liebenwalder Straße gibt es viel Diskussionsbedarf
Gefährlicher und unübersichtlicher Fußgängerübergang über die Reinickendorfer Straße zum Haus der Jugend am Nauener Platz

Es ist sonnig und warm. Beste Voraussetzungen für einen Stadtspaziergang der besonderen Art. Denn heute, am 10.4., geht es nicht darum, sich Sehenswürdigkeiten anzuschauen, sondern sich mit Verkehrssicherheit und Verkehrskonzepten zu beschäftigen. 


Zusammen mit dem Straßen- und Grünflächenamt und dem Planungsteam vom Planungsbüro plan&rat (Braunschweig) hat das Quartiersmanagement (QM) Pankstraße die Bürger zu diesem Spaziergang eingeladen und ca. 20 Leute treffen sich um 16.30 Uhr auf dem Vorplatz vorm QM. Anlass des Stadtspaziergangs ist, dass im Rahmen eines QM-Projektes gerade ein Verkehrskonzept für den Pankstraßenkiez erstellt wird. Und dazu wollten sich Planungsteam und Anwohner*innen gemeinsam ansehen, wie der Verkehr im Kiez ganz praktisch funktioniert. Auftraggeber für die Erstellung des Verkehrskonzeptes ist das Straßen- und Grünflächenamt Mitte, bei dem es u. a. darum geht, bestehende Konflikte, notwendige Verkehrsberuhigungsmaßnahmen und das Mobilitätsverhalten der Wohnbevölkerung zu protokollieren.


Zu Beginn gibt es eine kurze Einführung von Frau Krause und Herrn Schäfer vom Planungsbüro. Herr Schmidt vom Polizeiabschnitt 35 wird ebenfalls vorgestellt. Dann geht es auch schon zügigen Schrittes los. Es sind 11 Haltepunkte in drei Stunden geplant. Mit dabei sind u. a. auch zwei Rollstuhlfahrerinnen, die ein Augenmerk auf die barrierefreie Fortbewegung haben. Jedes Mal sollen an den ausgesuchten Haltepunkten Ideen und Vorschläge aus der Gruppe aufgenommen werden.


Herr Schäfer eilt voraus, und wir sind am ersten Haltepunkt: die Kreuzung Ruheplatzstraße/Antonstraße. Er erläutert wie an jedem folgenden Haltepunkt zunächst die Straßen- und Verkehrssituation. Danach gib es in der Gruppe erste Wortmeldungen. Hier wird die sehr enge, unübersichtliche Kreuzung bemängelt, sowie die Sichtbehinderung für die Schüler der Wedding-Schule durch parkende Autos und LKWs. Herr Schäfer schreibt mit.


Wir laufen weiter Richtung Nazarethkirchstraße/Turiner Straße, dem zweiten Haltepunkt. Die Themen sind hier in Bezug auf Verkehrssicherheit die zu schnell fahrenden und parkenden Autos und die Frage, wie sicher man sich hier aufgrund der mangelnden Beleuchtung abends fühlt. Den nächsten Unfallschwerpunkt kenne ich selbst sehr gut. Es ist der Fußgängerübergang auf der Höhe der Schillerbibliothek über die Müllerstraße. Hier muss man auf vieles achten. Auf die Autos, die auf der Müllerstraße entlangfahren und auf die abbiegenden Autos, die von der Müllerstraße und von der Nazarethkirchstraße kommen. Besonders schwierig wird das für Kinder, die z. B. aus der Bibliothek kommen. Hier muss sich auf jeden Fall etwas ändern. Ich erfahre, dass bereits langfristig geplant ist, den Verkehr auf der Müllerstraße zu reduzieren.


Der nächste Haltepunkt ist ruhiger und die Kreuzung Utrechter Straße/Turiner Straße vorbildlich. Der gesamte Kreuzungsbereich ist „aufgepflastert“, das heißt farblich mit anderen Pflastersteinen vom übrigen Straßenverlauf deutlich abgesetzt.  Poller schützen den Fußgängerbereich vor parkenden Autos und so bleibt der Sichtbereich für alle Verkehrsteilnehmer optimal. Das „Berliner Kissen“, eine breite Erhöhung auf der Straße, lässt die Autos vor der Kreuzung abbremsen. Ich bin begeistert – aber das ändert sich gleich wieder am nächsten Haltepunkt Hochstädter Straße/Liebenwalder Straße. 


Hier gibt es so viele falsch und in zweiter Reihe parkende Autos, dass gerade an dieser Stelle das Thema Verkehrssicherheit eine angeregte Gruppendiskussion verursacht. Ein Anwohner erzählt, dass man als Fahrradfahrer gerade an dieser Ecke in Konflikt mit Autos und Fußgängern kommt. Denn er fährt hier lieber auf dem Bürgersteig als auf der Straße. Ein junger Mann, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fach Verkehrswesen, fragt, ob denn wirklich immer alle Straßen befahren werden müssen. Er beschäftigt sich im Studium mit dem Themenkreis die Straßen von Autos befreien, umdenken, andere Wege suchen. Eine junge Frau, ebenfalls Anwohnerin, wirft den interessanten Gedanken ein, warum Parkraum ganz selbstverständlich als „Stadtraum“ zur Verfügung gestellt wird. Sie ist gern Fahrradfahrerin und Fußgängerin und hat bewusst kein Auto in der Stadt. Sie fordert, dass Parken in der Stadt neu zu denken. Herr Schäfer vom Planungsbüro schreibt mit.


Wir kommen nun aus der Liebenwalder Straße auf die Reinickendorfer Straße. Es ist der sechste Haltepunkt, mittlerweile sind schon fast zwei Stunden vergangen. Hier geht es um den Fußgängerübergang über die Reinickendorfer Straße zum Haus der Jugend am Nauener Platz. Er ist unübersichtlich gestaltet und gefährlich. Ein Mitarbeiter vom Haus der Jugend gesellt sich zu uns und erzählt, dass seit dem Umzug in die vorübergehenden Räume in der Liebenwalder Straße nun Kinder zu ihnen kommen, die sich vorher nicht über die Reinickendorfer Straße getraut haben. Plötzlich hat das Haus der Jugend andere Kinder erreicht – allein durch eine veränderte Zugangssituation.


Ich gehe noch ein bisschen Richtung Reinickendorfer Straße/Wiesenstraße mit. Dann verlasse ich die Gruppe. Mir fällt das Fahrrad einer jungen Frau aus der Gruppe auf. Sie ist Anwohnerin im Soldiner Kiez und wollte als Fahrradfahrerin aus Interesse an diesem Stadtspaziergang teilnehmen. Auf dem schwarzen Fahrradschutzblech steht selbstgemalt in weißer Pinselschrift: Ein Auto weniger. Das gefällt mir.


Ich fahre nun nach Hause – mit dem Fahrrad. 

Text und Fotos: Maja Schudi