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Rassismus, NSU und die Stille im Land
Erzählcafé Wedding- Zu Gast der Kiezläufer Mahmut Hatun und der Filmstudent Johannes Kaczmarczyk
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NAH DRAN XXXII - Stücke junger Tänzer & Choreografen
Schaufensterausstellung zur Weddinger Geschichte - bis Ostern verlängert!
"Denkmale sind das beste Beispiel. Man geht ständig an ihnen vorbei, sieht sie nicht mehr an und irgendwann vergessen wir, wer da überhaupt steht und wie der aussieht.", erläutert Eberhard Elfert, Organisator der Weddinger Schaufenster-Ausstellung. Mit dieser Aktion sagt er jener speziellen Art von Betriebsblindheit den Kampf an. Am Freitag, 10. Februar, lud Elfert in die Räume des Quartiersmanagement Pankstraße (QM) ein, um die Ausstellung vorzustellen. Ursprünglich war dazu eine Tour mit dem Fahrrad geplant, die aber bei -12°C witterungsbedingt ausfallen musste.
Angefangen hat alles während der Wege auf dem Fahrrad, die Elfert permanent durch den Wedding führen. Immer wieder sah der Kulturmanager mit Standbeinen in Tourismus und Erwachsenenbildung Gebäude, Plätze oder auch Straßennamen, über die er mehr wissen wollte. "Meine Neugier wollte ich mit den Fragen an die Teilnehmer der Schnipseljagd weitergeben.", so der Kurator der Ausstellung. Mit der Schnipseljagd können die Bewohner ihren Kiez entdecken – oder besser: erobern. Denn um die Antwort auf eine gestellte Frage zu bekommen, muss man jeweils die nächste Station aufsuchen, wo natürlich auch die nächste Frage wartet.
22 Stationen führen so durch das QM-Gebiet Pankstraße und weitere 23 durch das QM-Gebiet Soldiner Kiez. Entwickelt hat den Wissens-Parcours Eberhard Elfert allein; bei der Umsetzung standen ihm eine Lektorin und ein Grafiker zur Seite sowie der Quartiersfond 1, der Elfert Material- und Produktionskosten ersetzte. Nun hängt die interessante Ausstellung für vier Wochen in lokalen Schaufenstern. Mit dem Fahrrad ist jede Tour in ca. 90 min zu bewältigen.
Dabei hat Elfert ganz bewusst darauf gesetzt, die Schautafeln bei kleinen, lokalen Unternehmen zu präsentieren. Etwa in den Schaufenstern von Antiquariaten, Cafés, Restaurants, sozialen und kulturellen Einrichtungen oder auch bei den QM-Büros. Die Beteiligung ist gut, am Ende hatte Elfert mehr Schaufenster als Informationstafeln und musste sogar Interessenten absagen. Die Idee war, Kultur in Nicht-Kultur-Zusammenhänge einfließen zu lassen. Wobei die Stationen selbst selten direkt etwas mit den Fragen zu tun haben. Es ist zumeist der Standort, auf den sich die Fragen beziehen. Querverweise auf den Tafeln bieten Informationsmöglichkeiten zur Vertiefung an, zum Beispiel Mauermuseum, Museum für islamische Kunst oder Weddingmuseum.
Schon seit langem ärgert Eberhard Elfert, dass der Wedding in der öffentlichen Diskussion praktisch als "kulturfrei" wahrgenommen wird. Der Wedding sei ausgedeutet mit sozialen Problemlagen, über die ständig berichtet werde, meint Elfert. Selbst die sozialen Projekte transportierten zumindest implizit das negative Image des Kiezes. Und die Leute, die Kultur im Wedding machen, zögen sich zurück, etwa weil sie Probleme mit Vandalismus befürchten oder Angst vor Diebstahl haben. Dies alles verstärke das Image eines kulturfernen Kiezes. Dass hier zum Beispiel zwei Kirchen des bedeutendsten Berliner Architekten Karl Friedrich Schinkel stehen, gerate dabei in Vergessenheit. Elfert unternimmt mit dieser Ausstellung den Versuch, Kultur und Geschichte des Kiezes in die öffentliche Wahrnehmung zurück zu holen, Kultur sicht- und wahrnehmbar zu machen. Die Ausstellung soll dazu animieren, genauer hinzuschauen und die Dinge, die wir sehen, zu hinterfragen.
Ist nun diese Ausstellung sich selbst genug - oder nur erste Etappe zu etwas Größerem? Elfert gibt sich realistisch: "Hier muss man erstmal beweisen was man kann - und bekommt nicht gleich den Zuschlag für ein großes Projekt. Aber ich kann mir schon vorstellen, mit einem wetterbeständigen System und eventuell auch mehrsprachig eine Dauerausstellung einzurichten, die über die beiden QM-Gebiete hinausgeht. Themen gibt es ja genug - etwa die Benennung der Straßen oder die Tradition der Wohlfahrt im Wedding. Aber das ist Zukunftsmusik."
Diese Ausstellung ist ein gutes Beispiel bürgerschaftlichen Engagements für diesen Kiez. Ein Denkmal bekommt Eberhard Elfert dafür zwar nicht, aber das wäre für ihn ja ohnehin nur der erste Schritt zum vergessen werden.
Weitere Informationen: http://weddingschau.wordpress.com/
Verlängerung:
Auf Grund der großen Resonanz werden die beiden Weddinger-Schaufenster-Ausstellungen in den Quartiersmanagementgebieten Soldiner Straße und Pankstraße bis Ostern verlängert.
Führungen:
Folgende kostenlosen Fahrradtouren werden zu den Wedding-Schaufenster-Ausstellung angeboten:
Samstag den24.03.2012 um, 13:00 Uhr
Start: Büro des Quartiersmanagement Gebiets Soldiner Straße,
Koloniestraße 129, 13359 Berlin;
24.03.2012 um 16:00 Uhr
Büro des Quartiersmanagement Gebiets Pankstraße,
13347 Berlin, Prinz-Eugen-Straße 1
Auswertungsgespräch:
Alle die sich gerne mit der Idee und dem Konzept sowie der Kultur und der Geschichte des Weddings auseinandersetzten möchten, sind recht herzlich am 29.03.2012 zu einem Auswertungsgespräch der Weddinger-Schaufenster Ausstellungen eingeladen.
Zur Einstimmung gibt es einen Vortag von Eberhard Elfert: Wer oder was ist der Wedding?
Ort: Sitzungsraum des Quartiersmanagement Gebiets Pankstraße,
Adolfstraße 12, 13347 Berlin
Die Schaufenster - Stationen zum Herunterladen
weddingschau-pankstr.pdf (223,1 KB)













