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Freitag, 05.09.2014

Scherben bringen Glück

Richtfest der Schiller-Bibliothek am Rathausplatz

Glückliche Festredner: Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, Carsten Spallek, Polier Hohenstein und Sabine Weißler

Erst trinkt der große, kräftige Mann einige tiefe Schlucke – dann holt er aus und schmettert das nur noch halbvolle Glas mit Wucht gegen einen Betonpfeiler. Wenigstens hundert Menschen werden Augenzeugen dieser Szene im Herzen des Wedding, am Rathausplatz – und sie spenden auch noch Applaus! Aber was sich wie Rowdytum anhört ist in Wahrheit das Richtfest für den Rohbau der Schillerbibliothek. Und dass Zimmerleute eigene, bisweilen eigenartige Gebräuche haben, davon hat man ja vielleicht schon gehört.

Bis die Veranstaltung in der beschriebenen Szene ihren Höhepunkt fand, musste allerdings Einiges geschehen. Zunächst auf der Baustelle – die wurde auf allen 4 Etagen beräumt, gereinigt und vorbereitet, sodass ein dem Richtfest würdiges Ambiente entstand. Dann fehlten noch Gäste, die kamen reichlich. Viele Gesichter, die im öffentlichen Leben des Wedding eine Rolle spielen und die man immer wieder sieht und immer wieder gerne sieht. Das Wetter ist prächtig und hat sicher auch seinen Beitrag zur regen Beteiligung an der Veranstaltung geleistet. Dann ein Programm, mit Musik. Rockmusik, für die jungen Leute. (Die Gäste waren zumeist eher älter) Es musizieren Schülerinnen und Schüler der Ernst-Schering-Schule in der Lütticher Straße mit Schlagzeug, Bass, Gitarre und 3 Sängerinnen, volles Rohr. Erstmal zwei Songs zum Warmmachen für den Redemarathon. Klar, da kommt man nicht drumrum bei so einem Anlass.

Den Reigen eröffnet Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Die Schiller-Bibliothek ist nun eine Mittelpunktbibliothek und sie freut sich sehr, dass dieser Wissens- und Informationsmittelpunkt des Platzes durch seinen architektonischen Entwurf mit der Umwelt kommuniziert. Das Erdgeschoss sei sehr offen gestaltet – im jetzigen Zustand kann man dies ahnen – und gerade die Kaskadentreppe im Inneren sorge dafür, dass Tageslicht weit in den Bau hinein gelangen kann. So füge sich der Bau hervorragend in das Gesamtensemble Rathausplatz ein, wobei der Platz selbst sich ja ebenfalls gerade im Umbau befindet. Viel Lob findet Lüscher auch für die Kunst am Bau. Der in einer Ausschreibung siegreiche Entwurf der Künstlerin Angela Mewes inszeniert ein Gedicht mit 221 Eisenbuchstaben, das sich beim Emporschreiten im Haupttreppenhaus erschließt. Man kann gespannt sein! Und selbst die drei Monate (BBR aufgepasst!) Verzug, die der Bau im Vergleich zu Planung aufweist, bekommt von Regula Lüscher die Präposition „nur“ zugewiesen. Denn es gab einige Schwierigkeiten zu umschiffen, die Baudirektorin nennt beispielhaft eine unterirdische Starkstromleitung. Nach einem abschließenden und ausführlichen Dankesteil ging das Mikrofon nun an Kulturstadträtin Sabine Weißler weiter.

Frau Weißler verwies in ihrer kurzen Ansprache darauf, dass Bibliotheken die meistgenutzten kulturellen Einrichtungen seien, vor Theatern oder Museen. Diese Bibliothek nun werde eine mit hoher Nutzungsqualität. Im Erdgeschoss entsteht ein großzügiges Foyer und die Kinderabteilung, die erste Etage gehört den Erwachsenen, die zweite den Jugendlichen, es ist ihre „Jugendmedienetage“. In der dritten Etage befinden sich die Büros der Bibliothekarinnen und Bibliothekare. Weißler: „Neben einem Mehr an Medien wird die Bibliothek auch mehr Benutzerarbeitsplätze, einen separaten Veranstaltungsraum und einen Gruppenarbeitsraum anbieten.“

Die Kosten für den Bibliotheksneubau werden mit gut 6 Millionen angegeben. Das Programm „Bibliotheken im Stadtteil“ finanziert das Vorhaben mit europäischen, Bundes- und Landesmitteln. Eine Kofinanzierung erfolgt durch den Bezirk Mitte. Nach dem Spatenstich im Mai 2013 ist mit dem Richtfest nun die erste große Etappe geschafft. Als letzter Redner von Auftraggeberseite kam Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Bau Carsten Spallek zu Wort. In seiner kurzen und kurzweiligen Ansprache erinnerte er sich daran, wie er als Weddinger Junge diesen Durchgang nutzte und was nun stattdessen hier entsteht. Entsprechend seiner funktionsbedingt städtebaulichen Sicht sieht Spallek ein Achse entstehen, die die Mitte Weddings um den zentralen Leopoldplatz neu definiert. Diese beginne beim Herzzentrum, führt über das Atze Musiktheater über Beuth-Hochschule und Schiller-Bibliothek zu den großen Kirchen am Leopoldplatz und endet am Haus der Jugend am Nauener Platz. Diese „positive Achse“ habe das Potential, weit in den Bezirk hinein zu strahlen. Und als Erwartung an den zukünftigen Alltag sieht Spallek die Studenten auf dem Weg von der U-Bahn zur Beuth-Hochschule nicht mehr die ungemütliche Luxemburger Straße entlang gehen, sondern direkt den Weg an der Bibliothek entlang.

Wichtige Worte allesamt. Aber wer hat auf einem Richtfest eigentlich das Sagen? Richtig, der Polier. Und so erklimmt Herr Hohenstein mitsamt zwei seiner Kollegen das Gerüst, um die Richtkrone zum Fliegen zu bringen. Nach einigen geschüttelten Versen und diversen „Hoch-Hoch-Hoch“-Rufen kommt es zur anfangs beschriebenen Szene. Das Glas zersplittert am Betonausgleichsgewicht des Baukrans und die Richtkrone wird nach oben gezogen. Der Rohbau ist abgeschlossen, das Richtfest auch. Zweite Runde im musikalischen Programm, die Schüler hauen in die Saiten und auf die Drums.

Sogleich bewegen sich die Gäste ins Innere des Baus um a) das Buffet zu besuchen und b) den Bau zu besichtigen. Und nachdem dies getan wurde oder auch dazwischen kam es zu herzlichen Gesprächen zwischen den Gästen. Wie gesagt, man kennt sich. Der Rohbau macht einen guten Eindruck, es ist ein einfacher Entwurf mit viel Betonung auf Transparenz und Licht. Ach so, was Sie vielleicht auch interessiert: Einziehen und Öffnen wird die Bibliothek Anfang 2015. Schon mal ein Grund, sich auf den Winter zu freuen.

Einige Impressionen vom Richtfest
Text und Bild: Johannes Hayner