Aktuelle Veranstaltungen
Öffentlicher Workshop "Nachbarschaftstreff im Quartier Pankstraße"
Petunien #9 - Performance-Serie für Improvisationn (gegründet von: Sandra Wieser & Meltem Nil)
Fest im SprengelHaus
Rassismus, NSU und die Stille im Land
Erzählcafé Wedding- Zu Gast der Kiezläufer Mahmut Hatun und der Filmstudent Johannes Kaczmarczyk
30 Jahre NachbarschaftsEtage Fabrik Osloer Straße
Die Zukunft der europäischen Stadt - das Beispiel Berlin
Händlerfrühstück Müllerstraße
Lange Tafel Leopoldplatz
NAH DRAN XXXII - Stücke junger Tänzer & Choreografen
Schulnetz gegen Gewalt

An den drei Oberschulen im Quartier beginnen jetzt drei SozialarbeiterInnen mit der Arbeit. Und noch in diesem Jahr kommen voraussichtlich zwei weitere hinzu. Im Team führen sie an der Oberschule am Brunnenplatz, der Herbert-Hoover-Oberschule und der Theodor-Plievier-Oberschule schulbezogene Jugendsozialarbeit durch.
Wie dringend notwendig die ist, braucht nicht mehr begründet zu werden: Nach dem Alarmruf der LehrerInnen der Neuköllner Rütli-Hauptschule ist das allgemein bekannt. Und im Wedding sind die Verhältnisse nicht viel anders: Auch das Kollegium der Theodor-Plievier-Oberschule hat einen ähnlichen Brief verfasst. Denn auch hier hat man die Erfahrung machen müssen: Gewalttätige Aktionen Einzelner können den Schulfrieden nachhaltig stören und SchülerInnen wie LehrerInnen extrem verunsichern.
Das "Schulnetz", das die drei Oberschulen jetzt aufbauen, ist aber keine Reaktion auf die Debatte um die Rütli-Schule. Schon im vergangenen Jahr hatte der Quartiersrat den Vorschlag der Schulleiterin der Theodor-Plievier-Schule, Angelika Prase-Mansmann, befürwortet. Sie hatte die Idee zusammen mit Rainer Pede vom Jugendamt entwickelt. Das Projekt wurde ausgeschrieben und ein erfahrener Träger ausgewählt: die Casablanca gGmbH. Die ist im Kiez bereits verwurzelt: von ihr z.B. wurde das Sprachförderkonzept des Quartiersmanagements entwickelt. Und sie führte in der Theodor-Plievier-Schule bereits Projekte durch: die "Schulinsel" zum Beispiel, in der vom Unterricht ausgeschlossene SchülerInnen betreut werden oder die "Streitschlichter", die in jeder Klasse aktiv sind, um Konflikte möglichst frühzeitig zur Klärung zu bringen.
Das neue "Schulnetz" verbindet eine Hauptschule, eine Realschule und eine integrierte Haupt- und Realschule. Deren Schulleitungen waren an der Konzeption des Projekts, der Auswahl des Trägers und der SozialarbeiterInnen beteiligt. Auch die Lehrerkollegien werden einbezogen. Das ist ungewöhnlich, denn natürlich herrscht zwischen den Schulen auch Konkurrenz. Es hat aber einen großen Vorteil. Die SozialarbeiterInnen können im Team arbeiten. Sie können sich mit KollegInnen austauschen, die auch mal einspringen, wenn man krank oder verhindert ist. Zudem können die einzelnen ihre Stärken besser einbringen: zum Beispiel die Vertrautheit mit einer der Herkunftskulturen der Jugendlichen.
Möglicherweise bereits in diesem Jahr werden zudem über das "Arbeitsprogramm Hauptschule" des Senats aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) zwei zusätzliche Sozialarbeiterstellen finanziert. Das war schon vor dem Alarmruf der Rütli-Schule grundsätzlich beschlossen, danach wurde die Umsetzung beschleunigt. So wird das Team weiter wachsen, die deutschen, kurdischen und türkischen MitarbeiterInnen erhalten Verstärkung.
Regina Kahl von der Casablanca gGmbH weiß, dass deren Arbeit nicht einfach sein wird: "Traditionell findet die Jugendsozialarbeit ja außerhalb der Schule statt", erklärt sie. "Und dabei stehen nicht die schulischen Leistungen im Vordergrund, sondern die allgemeine Entwicklung der Persönlichkeit. Deshalb kommt es manchmal zu Missverständnissen, weil manche Lehrkräfte erwarten, dass die SchülerInnen in erster Linie für die Schule motiviert werden." Dennoch glaubt sie, dass das Projekt ein Erfolg wird. Und möglicherweise noch weiter ausgebaut werden kann. Denn wachgerüttelt ist die Öffentlichkeit bereits, die Probleme brennen inzwischen ja auch den PolitikerInnen unter den Nägeln.






