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Schulnetz

- Ute Benzerani, Avni Avnioglu, Janina Schreibner und Dorthe Kreckel.
2005 wandten sich die Direktoren der Theodor-Plievier-Schule und der Oberschule am Brunnenplatz an das Quartiersmanagement Pankstraße und forderten eine Unterstützung ihrer Lehrerkräfte. Ein Hilfegesuch, nicht so medienwirksam wie das der Rütli-Schule, aber dennoch effektiv: Im April 2006 startete der Jugendhilfeträger "casablanca" das "Schulnetz", dem auch die Herbert-Hoover-Oberschule angeschlossen ist.
Nach dem Eklat um die Neuköllner Schule, wurde für jede Hauptschule ein Sozialarbeiter bewilligt. "Das reicht aber nicht aus", sagt Karl Reismüller, Direktor der Oberschule am Brunnenplatz. "Darum haben wir uns zusammengeschlossen, um die schulbasierte Sozialarbeit zu stärken, auch den Lehrern gegenüber." Das von "casablanca" entwickelte Konzept setzt denn auch auf ein eng vernetztes, multikulturelles Team.
Fünf Diplom-Sozialarbeiter arbeiten mittlerweile im "Schulnetz". Sie bilden Konfliktlotsen aus, werden als Mediatoren von den Lehrern in den Unterricht geholt, wenn Schüler massiv stören oder schwerwiegende, individuelle Probleme haben. "Schulnetz" ist aber auch eine Anlaufstelle für die Schüler. Die Mitarbeiter wahren die Schweigepflicht und schlichten bei Konflikten mit den Lehrern oder Streitigkeiten mit Mitschülern.
"Wir verfügen über konkrete methodische Kompetenzen und Gesprächs-Qualifikationen, die einen anderen Blick auf die Jugendlichen ermöglichen", sagt Ute Benzerari. Die Erziehungswissenschaftlerin ist gemeinsam mit einer Kollegin für die Theodor-Plievier-Schule zuständig, beherrscht die arabische Sprache und ist mit den kulturellen Gepflogenheiten von Muslimen vertraut. Wenn auch das nicht mehr ausreicht, weil ein Junge sich dem Gespräch partout verweigert, kann der kurdisch-türkische Kollege von der Oberschule am Brunnenplatz einspringen.
Nicht nur derartige Ergänzungen sind von Vorteil. Im Team organisiert "Schulnetz" übergreifende Veranstaltungen, die bei den Jugendlichen sehr gut ankommen. "Dr. Sommer Team" hieß ein Sexualkundeprojekt, bei dem die Schüler ihre Anliegen und Fragen anonym auf Zettel schreiben und anschließend gemeinsam diskutieren konnten. "Ein Junge, der die siebte Klasse wiederholt, hat schon gefragt, ob er noch einmal daran teilnehmen darf", schmunzelt Janina Scheibner, die das "Schulnetz" an der Herbert-Hoover-Oberschule leitet.
Ein großer Erfolg war auch die externe Fortbildung für circa 60 Konfliktlotsen. "Die Sozialpädagogen konnten kommunizieren, dass es auch andere Streitschlichter gibt und die Neugierde der Jugendlichen aufeinander wecken. Das war eine sehr innovative Atmosphäre", so Regina Kahl, die Leiterin der Sozialen Dienste bei "casablanca".
Die Angebote im Verbund tragen maßgeblich zur Vertrauensbildung bei. Insbesondere an der Theodor-Plievier-Schule sieht Ute Benzerari den Kontakt zu den Jugendlichen noch im Aufbau begriffen: "Viele sind sehr misstrauisch. Wenn einer von sich aus kommt, ist das jedes Mal ein großer Erfolg. Wir knüpfen viele Beziehungen über gemeinsame Exkursionen oder Veranstaltungen wie das Mädchen-Fußballturnier."
In der Herbert-Hoover-Oberschule wenden sich die Jugendlichen mittlerweile freiwillig an Janina Scheibner: "Das beginnt bei Liebeskummer und reicht bis zu Familienproblemen. Dass jemand zu mir kommt, weil er aus dem Unterricht geflogen ist, wird immer seltener." So kann sie sich auf die immer wichtiger werdende Elternarbeit konzentrieren.
Mit Unterstützung des Quartiersmanagements Pankstraße wurde an der Herbert-Hoover-Oberschule eine Cafeteria eingerichtet, die nicht nur die Atmosphäre für die Schülern schöner macht, sondern auch für Elternabende und einmal im Monat für das Elterncafé genutzt wird. "Wir möchten die Schule auch für die Eltern attraktiver gestalten", so Janina Scheibner. "Außerdem betreuen Schülerinnen der 9. und 10. Klassen ehrenamtlich die jüngeren Geschwister, damit mehr Mütter teilnehmen können."
Solche Angebote wollen auch die zwei anderen Schulen einführen. "Wir müssen die Schwelle für die Eltern niedriger machen, damit sie nicht nur in die Schule kommen, wenn ihr Kind Probleme hat", sagt Direktor Reismüller. "Man kann nur versuchen, sie zu überzeugen."
Schulnetz-Ansprechpartner:
Ute Benzerani und Pakize Öden
Tel: 46061742
Theodor-Plivier-Schule
Janina Scheibner
Tel: 46906349
Herbert-Hoover-Oberschule
Avni Avnioglu und Dorthe Kreckel
Tel 469050544
Oberschule am Brunnenplatz






