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Seelische Gesundheit und Migration

TransVer vermittelt Menschen mit Migrationshintergrund in psychosoziale Angebote

Hanna Faißt hat TransVEr mit aufgebaut
Zur Eröffnungsfeier kamen viele Menschen
Das TransVer-Team
Hier in der Brunnenstraße geht's zu TransVer

Ismail lebt seit 15 Jahren in Deutschland. Seit drei Jahren treten vermehrt gesundheitliche Probleme auf, die aber nicht mit einem Besuch beim Hausarzt behandelt werden können. Er hat psychische Probleme, schläft schon lange schlecht und kommt nicht zur Ruhe. Dennoch hat er sich bisher gescheut, einen Psychologen aufzusuchen. Es ist ihm fremd und er weiß nicht, wo er die passende Hilfe und Beratung für sich finden kann. Hinzu kommt die sprachliche Barriere.

Wir treffen Hanna Faißt, eine junge Mitarbeiterin eines Projekts der Charité namens TransVer. Im Rahmen der internationalen Studie „Seelische Gesundheit und Migration“ zeigte sich, dass viele Menschen mit Migrationshintergrund die Regelversorgung im psychosozialen Bereich nicht nutzen. Sie hat als Studentin der Sozial- und Kulturanthropologie bei der Erhebung mitgeholfen. Die Studienergebnisse warfen viele Fragen auf: Welche Hürden sind zu überwinden, um psychische Hilfen in Anspruch zu nehmen? Wie können diese speziell von Menschen mit Migrationshintergrund überwunden werden? Wo gibt es sprachliche Ressourcen – also z. B. eine Psychologin, die Farsi, Portugiesisch oder Kasaschisch spricht? Wo wird mit Dolmetschern gearbeitet? Wie viele Menschen, deren Muttersprache nicht die deutsche ist, suchen solche Angebote auf? Und wie viele würden eigentlich solche Angebote benötigen?

So entstand die Projektidee von TransVer: das, was es schon gibt, zugänglicher zu gestalten. Seit Frühjahr 2017 gibt es das Projekt. Es informiert, vermittelt und begleitet kostenfrei, in allen Sprachen. Ziel ist es, das passende Hilfsangebot, wie zum Beispiel psychotherapeutische oder psychiatrische Hilfe und Unterstützung im Alltag zu finden. Und laut einer weiteren Studie gibt es da einen Bedarf, der noch nicht gedeckt ist. Dabei richtet sich das Angebot wie oben beschrieben in erster Linie an Menschen mit Migrationshintergrund. Für Menschen mit Fluchtgeschichte (Flüchtlinge) gibt es in Berlin viele andere Beratungsstellen. Flüchtlinge sind für TransVer nicht die direkte Zielgruppe, werden bei Bedarf aber auch beraten.

Neben einer ausführlichen Beratung hat sich TransVer zur Aufgabe gemacht, eine Datenbank zu Ressourcen und Angeboten von psychosozialen Einrichtungen für Menschen mit Migrationshintergrund zu erstellen. Zunächst konzentriert man sich auf den Bezirk Mitte. Später sollen alle Informationen aus ganz Berlin gesammelt werden. Geplant ist, dass die Datenbank im Sommer diesen Jahres fertig wird und dann für psychosozial Tätige frei zugänglich ist.

Aber auch für die im psychosozialen Bereich Tätigen, die sich mit der Versorgung von Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte beschäftigen, bietet TransVer kostenfrei Fortbildungen, Fallsupervisionen und Fallberatungen an. Das Projekt TransVer will hier Plattform sein und zur weiteren Vernetzung der Angebote beitragen. Dabei geht es beispielsweise um die Hemmung der professionellen Helfer: Wenn ich jemanden nicht so gut verstehe, wie kann ich ihm dann gut helfen? Diese Hemmung will das Projekt abbauen. Bei therapeutischen Angeboten ist das Gespräch natürlich sehr wichtig, aber es gibt auch andere Formen, sich zu verständigen. So kommt man mit Mimik, Gestik oder einem kleineren Wortschatz oft ziemlich weit – etwa beim betreuten Einzelwohnen. Die Hemmung, sich nicht perfekt verständigen zu können, bremst manchmal das Ergebnis der Regelversorgung aus.

Hanna Faißt ist als Koordinatorin von Anfang an bei TransVer dabei und hat den organisatorischen Aufbau begleitet. Sie erzählt uns zum Schluss, wie TransVer zu diesem Ort in der Brunnenstraße gekommen ist. Als Charité-Projekt wollten sie sich bewusst nicht auf einem Charité-Campus ansiedeln. Man wollte nicht „irgendwo mit Krankenhauscharakter“ residieren, sondern zentral sein und, ganz wichtig, zusätzliche Berührungsängste abbauen. Der Anbau im Hof der Senatsverwaltung für Kultur und Europa in der Brunnenstraße stand lange leer und nach einer Renovierung  konnten diese Räume glücklicherweise angemietet werden.
Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass sie bereits gut zu tun haben, aber der Bekanntheitsgrad noch steigen muss. Website und Flyer, beides in mehreren Sprachen, informieren umfassend. Mit den Quartiersmanagementgebieten Berlins will TransVer eng zusammen arbeiten, weil die QMs oft direkt mit den verschiedenen Communities vernetzt sind und viele hier nach niedrigschwelligen Angeboten zu den verschiedensten Themen suchen. So gibt es auch bereits Kontakte zwischen TransVer und dem Quartiersmanagement Pankstraße.

Und übrigens, Berlin ist hier Vorreiter: Ein vergleichbares Angebot in anderen deutschen oder europäischen Städten ist bisher nicht bekannt.


Kontakt zu TransVer:


- Information, Vermittlung und Begleitung für Menschen, die psychische Hilfe suchen, kostenfrei zu der passenden Unterstützung und Behandlung

- Beratung in allen Sprachen nach telefonischer Terminvereinbarung
Tel: 030 / 209 69 04 0

- Offene Beratung ohne Termin:
  · Deutsch, Polnisch, Englisch, Türkisch: Di & Do 9 – 18 Uhr
  · Farsi/Dari: Di 14 – 18 Uhr


Adresse:

Brunnenstr. 188-190 am U-Bhf. Rosenthaler Platz (Eingang über das Senatsgebäude, 3. Hof rechts)

Kostenfreie Fortbildungen, Supervision und Fallberatung zur psychosozialen Versorgung von Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte.
· Aktuelle Veranstaltungen auf www.transver-berlin.de.

Datenbank zu Ressourcen und Angeboten von psychosozialen Einrichtungen für Gruppen von Menschen mit Migrationsgeschichte.
· Falls Sie im psychosozialen Bereich tätig sind und in die Ressourcen-Datenbank aufgenommen werden möchten, wenden Sie sich an: transver@charite.de.


Website

Text: Maja Schudi/Johannes Hayner Fotos: TransVer/Johannes Hayner