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Sinan Disci

- Sinan Disci wurde 1989 in Konya, Türkei, geboren und lebt seit 2002 lebt mit seinen Eltern und den zwei jüngeren Brüdern im Wedding. Nach Erlangen des erweiterterten Hauptschulabschlusses hat er am 1.9. mit der Ausbildung zum Fleischer und Fleischereifachverkäufer begonnen. Seine Hobbys sind Gedichte schreiben, Saz (türkische Laute) spielen, joggen und lesen.
Sinan Disci ist groß und schlaksig. Ein ernsthaft wirkender, nachdenklicher junger Mann, der zum Zeitpunkt unseres Gesprächs zwei Wochen vor seinem 18. Geburtstag steht. Wir treffen uns in der Theodor-Plievier-Schule im Büro von Walter Solinger, dem Leiter der Jobleitstelle. Der junge Kurde kommt gern hierher, auch noch nach seinem Schulabschluss. Nicht zuletzt durch Solingers Arbeit hat Sinan Mut und Selbstvertrauen geschöpft, Selbstdisziplin entwickelt und einen Ausbildungsplatz gefunden. Eine große Ausnahme an dieser Schule.
Dabei waren die Startbedingungen denkbar schwierig. Als Sinan Disci vor fünf Jahren nach Berlin kam, konnte er kein Wort Deutsch. Die Sprache hat er zwei Jahre lang in einer Förderklasse an der Winkelried-Oberschule gelernt. Ab dem zweiten Halbjahr der siebten Klasse ging es in den Regelunterricht. "Anfangs habe ich Fortschritte gemacht und meine Zensuren waren gut; zum Teil sogar besser als bei den Kindern, die in Deutschland geboren sind. Da dachte ich, dass ich die Sprache beherrsche und mich nicht mehr anstrengen muss. Ich habe nachgelassen, und die Noten wurden schlechter. Bis ich gemerkt habe, ich kann nicht so leben wie andere, die nur draußen abhängen wollen, keine Lust haben, etwas zu werden, nicht lernen und später keine Familie haben wollen."
In der neunten Klasse wechselte Sinan zur Theodor-Plievier-Schule, wo er am Programm der Jobleitstelle teilnahm. Er hat das Angebot genutzt und heute ein sehr klares Ziel vor Augen. Er weiß, dass man sich bemühen muss, wenn man etwas aus sich machen will. Das vermittelt er auch seinen Geschwistern, und Stolz erzählt er, dass der jüngste Bruder gerade aufs Gymnasium gekommen sei. Da will er helfen, Vorbild sein, und auch den Eltern steht er zur Seite. Bei Problemen mit der Bürokratie oder beim Elternabend des kleinen Bruders, springt Sinan dann schon einmal ein.
Seinen Wunschberuf hat er in verschiedenen Praktika kennen gelernt. Bei diesem Thema taut er auf und erzählt begeistert: "Ich esse und koche sehr gerne, und ich weiß, welches Fleisch gut schmeckt." An den Wochenenden ist er freiwillig zum Praktikum gegangen. "Ich wollte wirklich etwas lernen. Auch damit ich bei der Vorstellung für den Ausbildungsplatz zeigen kann, was ich schon weiß. Das hat mir bei meinem zukünftigen Arbeitgeber sehr geholfen."
Über seinen Ausbilder weiß er zu berichten, dass der nicht nur Neulandfleischer ist, was für ausgesuchte und hochwertige Ware bürgt, sondern außerdem noch Obermeister der Fleischer-Innung. Und allein an der Bewerbungsmappe wurde fast vier Monate lang gefeilt. "Am Ende war Sinan noch gründlicher als ich. Der hat um jedes Komma gefeilscht, wenn es nicht richtig saß", erzählt Walter Solinger, und Sinan ergänzt lachend: "Manchmal hat Herr Solinger sogar nach Schulschluss mit mir zusammengesessen. Es gibt zwar Lehrstellen, aber die meisten Schüler wissen gar nicht, wie man sich richtig bewirbt. Die Schulen brauchen viel mehr Sozialarbeiter wie ihn."






