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Sprachstube Deutsch

Ihr Einsatz für die deutsche Sprache zahlt sich aus: Die Jugendlichen der "Sprachstube Deutsch" wurden inzwischen mit mehrern Auszeichnungen für ihr Engagement belohnt. [foto casablanca]

2004 hat casablanca GmbH als Träger die erste Sprachstube Deutsch im Soldiner Kiez ins Leben gerufen. Seit 2005 engagieren sich auch im Quartiersmanagement Pankstraße 20 bis 30 Jugendliche zwischen fünfzehn und zwanzig Jahren. Die zumeist zweisprachig aufgewachsenen Gymnasiastinnen investieren einen beachtlichen Teil ihrer Freizeit, um andere Kinder zu fördern. Auf meine Frage, wie die Jugendlichen für das Projekt gewonnen werden, antwortet die Koordinatorin Stefanie Corogil schmunzelnd: „Am besten funktioniert der Buschfunk. Wenn sie erst einmal positive Erfahrungen machen, kommen andere Interessierte von allein auf uns zu. Bei den Familien funktioniert es ähnlich. Wir streifen ganz klassisch durch die Kitas und legen Flyer aus, sprechen gezielt Mütter an oder machen Aushänge.“ Der Erfolg ist jedoch die beste Werbung, denn alle Eltern berichten gerne von den Fortschritten ihrer Kinder und leisten auf diese Art überzeugende Mundpropaganda.

Zuhause Deutsch lernen, das bedeutet: Jeder Jugendliche betreut über eine festgelegte Zeit eine Familie und besucht sie einmal in der Woche. Die Jugendlichen arbeiten mit Kindern im Alter von 2 bis 6 Jahren und lernen mit ihnen spielerisch Deutsch. „Man geht zu den Kindern nicht wie ein Lehrer, sondern wie ein Freund,“ berichtet die achtzehnjährige Katharina, die aus Kasachstan stammt und seit über einem Jahr dabei ist. Auch die Eltern bekommen Anregungen für sprachförderndes Verhalten, für Spiele und Geschichten für den Rest der Woche.

Verdientes Lob und eine Aufwertung für die ehrenamtliche Arbeit der Jugendlichen, die ihre Ideen in das Projekt mit einbringen und selbst Verantwortung übernehmen, sind die vielfachen Auszeichnungen: 2007 belegten sie den ersten Platz beim Heinz-Westphal-Preis, dem so genannten Jugend-Oskar. In diesem Jahr hat die „Sprachstube Deutsch“ den zweiten Platz beim Berliner „Hauptstadtpreis für Integration und Toleranz“ erhalten und ist außerdem für den „Bürgerpreis 2008“ in der Rubrik „Junior“ sowie für den „InterDialogPreis“ vom Antirassistisch-Interkulturellen Informationszentrum ARiC Berlin e.V. nominiert.

„Die Jugendlichen sind stolz auf die Preise“, berichtet Stefanie Corogil. Denn sie profitieren von der moralischen Unterstützung und der öffentlichen Anerkennung ihrer Tätigkeit, die einige Selbstdisziplin erfordert und Zeitaufwand bedeutet. Der Erfolg kommt ihrem Selbstbewusstsein zugute. „Die meisten meiner Freunde finden ziemlich cool, was ich mache“, erzählt Katharina, „und meine Eltern finden es super. Ich bin ja selber so aufgewachsen und musste erst Deutsch lernen. Deshalb kann ich mich einigermaßen in die Kinder hineinversetzen.“ Betreut hat sie inzwischen schon ein polnisches und zwei russische Kinder. „Wenn ein Kind gute Fortschritte erzielt hat, dann kann man sich um ein anderes kümmern. Es gibt viele dringende Fälle auf der Warteliste“, erklärt die junge Frau sachlich und fügt hinzu: „Am meisten Spaß macht es mir, mit den Kindern zu arbeiten, ihre Freude zu erleben, wenn ich komme und natürlich die Fortschritte durch den spielerischen Unterricht.“

Sprachstube Deutsch
Hussitenstr. 62
13355 Berlin
Ansprechpartner:
Frau Corogil und Frau Kemer
Tel: 322 942–871 oder –872

 

 

Manuela Lintl