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Sprungbrett in die Zukunft

- Zukunftspläne: Ilhan besucht für ein Jahr die Produktionsschule auf dem ExRotaprint-Gelände, wo er in der Fahrradwerkstatt arbeitet und seinen Hauptschulabschluss macht. Der 16-Jährige möchte Mechatroniker oder KFZ-Mechaniker werden. Damit aus dem Wunsch ein Beruf wird, entwickelt er gemeinsam mit Andreas Zapp von Job-Router eine Bewerbungs- und Ausbildungsstrategie.
Thomas Bolle ist begeistert: „Bei meinen vorherigen Stellen waren die Jugendlichen immer schon arbeitslos, wenn sie zu mir kamen. Jetzt kann ich ihnen helfen, dass sie gar nicht erst arbeitslos werden. Da schlägt mein Herz höher, weil wir unsere Kompetenzen frühzeitig einbringen können“, so der Sozialpädagoge, der für Job-Router in der Herbert-Hoover-Schule arbeitet.
Ein zentraler Unterschied zu herkömmlichen Beratungsangeboten: Die Mitarbeiter von Job-Router sind direkt in den jeweiligen Schulen. Die Schüler der 9. und 10. Klassen haben eine Kontaktperson, die sie unkompliziert aufsuchen können und mit der sie in individuellen Beratungen die eigenen Fähigkeiten und Interessen rechtzeitig herausfinden. Die Berater unterstützen die Jugendlichen beim Erstellen von Bewerbungsunterlagen, vor allem aber vermitteln sie die Kontakte zu den Betrieben.
Außerdem können sich die Sozialpädagogen vor Ort auch mit den Lehrern und Schulsozialarbeitern abstimmen. Sie koordinieren den Informationsfluss zwischen Schule und Arbeitsmarkt, pflegen die Aushänge mit Stellenanzeigen und Veranstaltungen zur Berufsorientierung und halten sie stets auf dem aktuellen Stand.
„Das, was die Kollegen an Qualifikationen mitbringen, das gibt es so in den Schulen nicht“, sagt Christian Luchmann, der das Kooperationsprojekt der L.I.S.T. GmbH und der Zukunftsbau GmbH leitet und für die Vernetzung in den Kiez und die Kooperation mit dem Quartiersmanagement sorgt. „Das Wissen um Angebote zur Berufsorientierung und zur Ausbildung, die Kontakte zu den Betrieben – da geht viel Manpower rein.“
„Wir übernehmen Aufgaben, die die Schule aus zeitlichen und personellen Gründen gar nicht leisten kann“, ergänzt Andreas Zapp, der Ansprechpartner von Job-Router in der Oberschule am Brunnenplatz. „Die Lehrer sind durch die Rahmenpläne und die großen Klassenverbände viel zu sehr eingebunden. Wir können gezielt und individuell handeln und ihnen dadurch Arbeit abnehmen.“
Während die Schulen naturgemäß den Abschluss im Blickfeld haben, konzentriert sich Job-Router auf den Anschluss. Dadurch kann das Projekt, das im Rahmen des XENOS-Programms „Integration und Vielfalt“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert wird, bereits nach dem ersten Halbjahr eine positive Bilanz ziehen: Von insgesamt 276 Schulabgängern haben 147 das Job-Router-Angebot wahrgenommen und 134 von ihnen konnten in betriebliche und schulische Ausbildungen oder in berufsvorbereitende Maßnahmen vermittelt werden.
Walther Solinger (Theodor-Plievier-Schule) betont: „Wichtig ist auch die Kontinuität. Nicht zuletzt, weil es Schüler gibt, die sich zunächst gegen das Angebot sperren oder aber eine Ausbildung abbrechen. Manche brauchen erst diesen Reifungsprozess außerhalb der ‚Käseglocke’ Schule. Da ist es wichtig, dass auch nach dem Schulabschluss ein Ansprechpartner für die Jugendlichen da ist.“ Solinger, der den Schülern bereits durch die dreijährige Arbeit der Jobleitstelle an der Theodor-Plievier-Schule bekannt ist, konnte zehn solcher Problemfälle vermitteln.
Zur Stärkung der sozialen Kompetenz und des Selbstwertgefühls gibt es neben der individuellen Beratung ein interkulturelles Gruppentraining in den Schulen. „Der Kollege Andreas Funke stellt den Jugendlichen dabei die Eingangsfrage:, ’Wer bin ich?’“, erzählt Thomas Bolle. „Die beschreiben dann zuerst einmal den Trainer und erfahren so auch einige persönliche Dinge über ihn. Es ist für den Aufbau einer Beziehung wichtig, dass die Jugendlichen auch etwas über uns wissen. Denn Jugendarbeit ist Beziehungsarbeit!“
Job-Router im Jugendberatungshaus compass.mitte
Projektleitung: Christian Luchmann
Hussitenstraße 62 | 13355 Berlin
Tel.: 322 942 860 | E-Mail: cluchmann@list-gmbh.de





