Aktuelle Veranstaltungen
Öffentlicher Workshop "Nachbarschaftstreff im Quartier Pankstraße"
Petunien #9 - Performance-Serie für Improvisationn (gegründet von: Sandra Wieser & Meltem Nil)
Fest im SprengelHaus
Rassismus, NSU und die Stille im Land
Erzählcafé Wedding- Zu Gast der Kiezläufer Mahmut Hatun und der Filmstudent Johannes Kaczmarczyk
30 Jahre NachbarschaftsEtage Fabrik Osloer Straße
Die Zukunft der europäischen Stadt - das Beispiel Berlin
Händlerfrühstück Müllerstraße
Lange Tafel Leopoldplatz
NAH DRAN XXXII - Stücke junger Tänzer & Choreografen
Tee und Datteln für die Gäste

20.10.2006 - Die Reinickendorfer Straße ist im Abschnitt zwischen Scherer- und Schulstraße nach Mekka ausgerichtet. In der Yunus Emre Moschee in der Reinickendorfer 38 verlaufen die Streifen nicht diagonal über den Teppich wie in den meisten anderen Berliner Moscheen. Hier knien alle zur Stirnseite des Raumes hin, die entsprechenden Markierungen fügen sich in das Muster des Teppichs ein. Vor rund einem Jahr zog die Moschee in das Obergeschoss des Zweckgebäudes. Früher war hier ein Dekorationsladen. Der ist jetzt ins Erdgeschoss gezogen, der „Plus“-Markt vom Erdgeschoss in einen Neubau in der Gerichtstraße. Die Yunus Emre Moschee, benannt nach dem türkischen Dichter des 13. und 14. Jahrhunderts, war in beengten Verhältnissen in einem Altbau der Utrechter Straße untergebracht.
Wir trafen uns zum Tag der Offenen Moschee am 3. Oktober mit Burhan Kaya, dem Schriftführer des Moscheevereines. Im Nebenraum lernten gerade Kinder den Koran zu lesen. In arabischen Schriftzeichen und in arabischer Sprache – ohne sie zu verstehen. „Das kommt erst viel später“, erklärt Herr Kaya, „aber die Originalsprache des Korans ist für uns sehr wichtig.“ Jetzt im Ramadan wird der Koran vollständig durchgelesen, gemeinsam in der Moschee, täglich etwa zwanzig Seiten auf Arabisch. Wobei „gelesen“ der falsche Ausdruck für die melodische und rhythmische Rezitation ist. Rund 1,5 Milliarden Muslime, von Südostasien bis Nordafrika, lesen so ihre heilige Schrift. Und selbst in den arabischsprachigen Ländern verstehen die meisten den Text nicht: ihre lokalen Dialekte haben sich vom Hocharabisch des frühen Mittelalters weit entfernt.
Es ist Ramadan, fromme Muslime fasten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang: nichts essen, nichts trinken, nicht rauchen. Uns aber serviert man sofort Tee und süße Datteln. Auch in den anderen Moscheen bietet man uns heute sofort etwas an. „Uns macht das nichts aus“, erklärt eine Muslima, „die Engel helfen uns, wenn wir anderen beim Essen zuschauen.“ Nach der Begrüßung zeigt uns Herr Kaya die beiden Gebetsräume. Der größere ist für die Männer, der hintere kleinere durch einen Vorhang abgetrennt für die Frauen, beide haben jeweils einen eigenen Eingang. Die Moschee füllt sich langsam, denn um 13 Uhr, wenn in der Sommerzeit die Sonne am höchsten steht, ist die Zeit des Mittagsgebetes. Es kommen vor allem ältere Männer. „Zum Abend- und zum Nachtgebet kommen auch viele Jüngere“ erzählt Burhan Kaya, „und natürlich zum Freitagsgebet“. Abends predigt der Imam, in der Yunus Emre Moschee in türkischer Sprache. Aber zum Beten kommen auch Muslime aus anderen Ländern. Die Moschee gehört dem Dachverband DITIB an, der vom Religionsministerium des türkischen Staates angeleitet wird. Auch die Vorbeter werden in der Türkei ausgebildet und dann nach Deutschland geschickt. „Leider sprechen nur wenige unserer Imame Deutsch. Seit kurzem werden sie aber auch in Deutschland ausgebildet, an der Universität in Frankfurt am Main“, erklärt uns Herr Kaya, „es wird aber noch einige Jahre dauern bis Sie bei uns ein Imam auf Deutsch empfangen kann.“
Deutlich verbessert hat sich in den letzten Jahren die Kooperation mit den lokalen Behörden, etwa der Polizei. In der Yunus Emre Moschee haben, vermittelt über das Quartiersmanagement, Gespräche stattgefunden. Nach dem Ramadan werden Polizeibeamte hier Vorträge halten, zum Beispiel über Häusliche Gewalt. Im Abschnitt 36 (Pankstraße) macht das seit neuestem eine türkischstämmige Polizeibeamtin.
In den anderen beiden Moscheen, die im Wedding zum Tag der Offenen Moschee geöffnet hatten, haben ähnliche Veranstaltungen bereits stattgefunden. In diesen Moscheen wird auch auf Deutsch gepredigt: Im „Interkulturellen Zentrum für Dialog und Bildung“ in der Tromsöer Straße 32a und in der Bilal-Moschee in der Drontheimer Straße 18. Wer sich für den Islam interessiert, ist nicht nur dort jederzeit willkommen.
Das Quartiersmanagement vermittelt gerne Gruppenbesuche in Moscheen in unserem Quartier.
Wenden Sie sich ans Quartiersbüro, Frau Altunkaynak, Tel.: 030 - 74 74 63 47






