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Tee und Datteln für die Gäste

Tee und Datteln für die Gäste

20.10.2006 - Die Reinickendorfer Straße ist im Abschnitt zwischen Scherer- und Schulstraße nach Mekka ausgerichtet. In der Yunus Emre Moschee in der Reinickendorfer 38 verlaufen die Streifen nicht diagonal über den Teppich wie in den meisten anderen Berliner Moscheen. Hier knien alle zur Stirnseite des Raumes hin, die entsprechenden Markierungen fügen sich in das Muster des Tep­pichs ein. Vor rund einem Jahr zog die Moschee in das Oberge­schoss des Zweckgebäudes. Frü­her war hier ein Dekorationsla­den. Der ist jetzt ins Erdgeschoss gezogen, der „Plus“-Markt vom Erdgeschoss in einen Neubau in der Gerichtstraße. Die Yunus Emre Moschee, benannt nach dem türkischen Dichter des 13. und 14. Jahrhunderts, war in be­engten Verhältnissen in einem Altbau der Utrechter Straße un­tergebracht.

Wir trafen uns zum Tag der Offe­nen Moschee am 3. Oktober mit Burhan Kaya, dem Schriftführer des Moscheevereines. Im Neben­raum lernten gerade Kinder den Koran zu lesen. In arabischen Schriftzeichen und in arabischer Sprache – ohne sie zu verstehen. „Das kommt erst viel später“, erklärt Herr Kaya, „aber die Ori­ginalsprache des Korans ist für uns sehr wichtig.“ Jetzt im Rama­dan wird der Koran vollständig durchgelesen, gemeinsam in der Moschee, täglich etwa zwanzig Seiten auf Arabisch. Wobei „gele­sen“ der falsche Ausdruck für die melodische und rhythmische Re­zitation ist. Rund 1,5 Milliarden Muslime, von Südostasien bis Nordafrika, lesen so ihre heilige Schrift. Und selbst in den ara­bischsprachigen Ländern verste­hen die meisten den Text nicht: ihre lokalen Dialekte haben sich vom Hocharabisch des frühen Mittelalters weit entfernt.

Es ist Ramadan, fromme Musli­me fasten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang: nichts essen, nichts trinken, nicht rauchen. Uns aber serviert man sofort Tee und süße Datteln. Auch in den anderen Moscheen bietet man uns heute sofort etwas an. „Uns macht das nichts aus“, erklärt eine Muslima, „die Engel helfen uns, wenn wir anderen beim Essen zu­schauen.“ Nach der Begrüßung zeigt uns Herr Kaya die beiden Gebetsräume. Der größere ist für die Männer, der hintere kleinere durch einen Vorhang abgetrennt für die Frauen, beide haben je­weils einen eigenen Eingang. Die Moschee füllt sich langsam, denn um 13 Uhr, wenn in der Sommer­zeit die Sonne am höchsten steht, ist die Zeit des Mittagsgebetes. Es kommen vor allem ältere Männer. „Zum Abend- und zum Nachtgebet kommen auch viele Jüngere“ erzählt Burhan Kaya, „und natürlich zum Freitagsge­bet“. Abends predigt der Imam, in der Yunus Emre Moschee in türkischer Sprache. Aber zum Be­ten kommen auch Muslime aus anderen Ländern. Die Moschee gehört dem Dachverband DITIB an, der vom Religionsministeri­um des türkischen Staates an­geleitet wird. Auch die Vorbeter werden in der Türkei ausgebil­det und dann nach Deutschland geschickt. „Leider sprechen nur wenige unserer Imame Deutsch. Seit kurzem werden sie aber auch in Deutschland ausgebildet, an der Universität in Frankfurt am Main“, erklärt uns Herr Kaya, „es wird aber noch einige Jahre dau­ern bis Sie bei uns ein Imam auf Deutsch empfangen kann.“

Deutlich verbessert hat sich in den letzten Jahren die Koopera­tion mit den lokalen Behörden, etwa der Polizei. In der Yunus Emre Moschee haben, vermittelt über das Quartiersmanagement, Gespräche stattgefunden. Nach dem Ramadan werden Polizeibe­amte hier Vorträge halten, zum Beispiel über Häusliche Gewalt. Im Abschnitt 36 (Pankstraße) macht das seit neuestem eine tür­kischstämmige Polizeibeamtin.

In den anderen beiden Moscheen, die im Wedding zum Tag der Of­fenen Moschee geöffnet hatten, haben ähnliche Veranstaltun­gen bereits stattgefunden. In diesen Moscheen wird auch auf Deutsch gepredigt: Im „Inter­kulturellen Zentrum für Dialog und Bildung“ in der Tromsöer Straße 32a und in der Bilal-Mo­schee in der Drontheimer Straße 18. Wer sich für den Islam inte­ressiert, ist nicht nur dort jeder­zeit willkommen.

 

Das Quartiersmanagement ver­mittelt gerne Gruppenbesuche in Moscheen in unserem Quar­tier.

Wenden Sie sich ans Quar­tiersbüro, Frau Altunkaynak, Tel.: 030 - 74 74 63 47

 

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