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Freitag, 13.03.2015

Über unseren Kiez reden

Die Quartierswerkstatt 2015 im Silent Green Kulturquartier

Das Silent Green
Volles Publikum im Kuppelsaal
Und auch kleine Besucher waren dabei
Aufmerksame Zuhörer
Mit freundlicher Begrüßung empfangen
Die Moderation von Karen Nitschke
Der Bildungsworkshop
Kerstin Rietz vom Bezirksamt und Bezirksstadtrat Carsten Spallek
Das Wegleitsystem
Polierte Gläser
Im Wirtschaftsworkshop
Der Workshop für unsere Nachbarschaft
Der öffentliche Raum im Workshop
Ergebnisse des Workshops zum öffentlichen Raum
Das Silent Green bei Nacht

Im inneren Ohr ertönt ein Harmonium, in tiefer Trauer schneuzen sich schwarz gekleidete Menschen, ein Pfarrer hält die Gedenkrede … Das Bild verschwimmt.

Tatsächlich gibt es ein lebendiges Stimmengewirr, eine bunte Gemeinde von Zuhörern und die Moderatorin am Pult hat nun gar nichts Pastorales an sich. So war es wohl doch nur der Ort, der unserer Phantasie ein Schnippchen geschlagen hat. Denn wo am Nachmittag des 27. Februar die Quartierswerkstatt des Quartiersmanagementgebietes Pankstraße stattfindet, wurden bis 2002 jahrzehntelang Urnenbeisetzungen zelebriert – im ehemaligen Krematorium Wedding, heute Silent Green Kulturquartier. Wie gesagt – es war nur der Ort, der an eine Beerdigung denken ließ. Die gut 85 eingetragenen Gäste – zuzüglich etlicher spontaner Besucher – erlebten eine quicklebendige Veranstaltung mit vielen guten Erlebnissen und Ergebnissen!

Unter dem Titel „Quartierswerkstatt“ fand die Veranstaltung das erste Mal statt, gleichwohl gibt es zwei Vorgänger. Die Gebietskonferenz 2009 und die Kiezwerkstatt 2013 im La Luz hatten den gleichen Rahmen und eine ähnliche Zielsetzung. Also – worum ging es? Was ist das Ziel einer Veranstaltung, auf der fast 100 Menschen aus unserem Kiez zusammenkommen, um unter anderem über Potentiale, Defizite, Entwicklungsansätze und Erfolge im Quartier zu diskutieren? Ganz allgemein ginge es darum, berichtet Gesine Schulze vom QM-Team, Bedarfe bei Bürgerinnen und Bürgern, bei Projekten und Initiativen, bei Einrichtungen und Behörden abzufragen, mit denen anderer Teilnehmer in Beziehung zu setzen, die Beobachtung zu diskutieren und daraus Ziele abzuleiten sowie Projektansätze zu definieren. Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht. Ein fiktives Beispiel: Jugendliche wünschen sich einen Ort zum Treffen, Chillen und Spielen in einem Park (Bedarf). Andere Parknutzer werden nach ihren Wünschen hinsichtlich der Parknutzung gefragt (Bedarf 2). Nun werden die Wünsche und Erwartungen der unterschiedlichen Gruppen verglichen und geschaut, ob und wie man dem Bedarf der Jugendlichen entsprechen kann. Dazu treten die verschiedenen Interessenten in eine Diskussion. Am Ende kann als Ziel die Gestaltung einer Fläche als Treffpunkt der Jugendlichen in einem Projekt vereinbart werden. Dieses Projekt könnte dann mit QM-Unterstützung umgesetzt werden. Soweit zur Theorie.

Ganz praktisch begann die gut 5stündige Veranstaltung in der Kuppelhalle des ehemaligen Krematoriums, dem größten der Räume mit einer kurzen Begrüßung durch Karen Nitschke. Die selbständige Moderatorin, die bereits die Gebietskonferenz 2009 moderierte, führt locker und mit viel Gespür für richtige Fragen und Momente durch den Tag. Sodann ergriff der Bezirksstadtrat Carsten Spallek das (Gruß-)Wort, um von Seiten des Bezirksamtes alles Gute für die Veranstaltung zu wünschen und die weiter wohlwollende Begleitung der Entwicklung des Quartieres zuzusagen. Viele waren neugierig auf den Raum, den sie nach der umfassenden Restauration das erste Mal besuchen konnten. So war es nur konsequent, dass nun mit Jörg Heitmann der Besitzer und Geschäftsführer des Silent Green Kulturquartier seine Einrichtung vorstellen konnte. Mit dem Silent Green wird es in unserem Kiez einen neuen Kulturstandort geben, an dem einige Institutionen zum Beispiel aus den Bereichen Musik, Design und Film ihr Zuhause finden, wo man sich aber auch für Veranstaltungen einmieten kann. Dabei, so Heitmann, ist es natürlich wichtig, die Würde und Geschichte des Raumes zu achten.

Nach einer kurzen Kaffeepause ging es dann in die praktische Arbeit. In den vier Workshops "Arbeit und Wirtschaft", "Nachbarschaft", "Bildung, Ausbildung, Jugend" und "Öffentlicher Raum" fanden sich die Teilnehmer zu mehr oder weniger großen Runden (leider ging hier das QM-Konzept der Zuteilung nicht ganz auf) zusammen. Die Arbeit in den Gruppen dauerte knapp zwei Stunden. Es wurde lebhaft diskutiert, interessiert zugehört, engagiert vorgetragen und - das gehört natürlich dazu - herzhaft gelacht. Die Ergebnisse wurden dokumentiert und sie sind Grundlage für das Handlungskonzept, mit dessen Hilfe neue Projekte im QM-Gebiet entwickelt werden.

Welche Themen liegen den Bewohnerinnen und Bewohnern nach Sichtung der Ergebnisse nun besonders am Herzen? Es sind ganz praktische Themen, die das Alltagserleben des Kiezes betreffen. Schwerpunkte sind Belebung und Sauberkeit im öffentlichen Raum, die Kommunikation von Angeboten im Kiez zwischen Einrichtungen, Projekten, Anwohnern, Eltern, die Gestaltung der Nachbarschaft allgemein sowie Bildung. Bei letztgenanntem Punkt verschiebt sich der Fokus weg von der klassischen Schulbildung hin zu Ausbildung und Beruf. Dies hat mehrere Gründe. Zum einen gibt es im Bereich Kindergarten und Schule viele Projekte, die bereits seit längerem erfolgreich arbeiten, namentlich den Kulturellen Bildungsverbund Pankstraße. Daneben ist zu beobachten, dass innerfamiliär bedingt durch die sozialen Probleme des Kiezes öfter Vorbilder fehlen, die eine erfolgreiche Berufslaufbahn als erstrebenswert vorleben. Hier müssen deshalb verstärkt andere Player in die Bresche springen. Wünschenswert wären so zum Beispiel direkte Kooperationen zwischen Oberschulen und Gewerbebetrieben oder der IHK, wobei Vertreter aus der "Arbeitswelt" verstärkt Kontakt zu den abschlussnahen Schulklassen suchen.

Nach dem Ende der Workshoparbeit trafen sich alle Teilnehmer der Quartierswerkstatt nochmals im Kuppelsaal. Um auch die anderen Menschen an den Ergebnissen der Workshops teilhaben zu lassen, stellte diese jeweils ein Vertreter der großen Runde vor. Nach einigen abschließenden Worten fand der Abend mit einem leckeren Buffet seinen verdienten Abschluss.

Gefragt, welches Feedback von den Teilnehmern ans QM zurück gegeben wurde, antwortet Katja Krüger: "Die Resonanz ist beinahe durchgehend positiv, vor allem der Raum und die Arbeitsatmosphäre wurden sehr gelobt. Ich selber hatte auch den Eindruck, dass es sich um keine der typischen Meckerveranstaltungen handelte, sondern dass überaus konstruktiv an einer Verbesserung des Kiezlebens gearbeitet wurde. Und für uns als QM ist natürlich eine so offene Veranstaltung wichtig, denn wo sonst bekommen wir eine qualitativ so hochwertige Rückkopplung, ob wir als QM an den richtigen Stellschrauben im Kiez drehen und ob unsere Arbeit als relevant eingeschätzt wird."

Text und Bild: Johannes Hayner