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Unser Portait: Annedore Langner
Eine Tierarzthelferin hatte ihr den kleinen Exoten gebracht. In der freien Natur hätte er keine Überlebenschance gehabt und in der Tierklinik wäre er eingeschläfert worden. Annedore Langner hat ihn gesund gepflegt, und nun hüpft er munter neben Zebrafinken, Diamanthäubchen und Kanarienvögeln durch den Käfig.
Wir befinden uns in der Küche. Genau gesagt, in Frau Langners ehemaliger Küche. Denn an eine herkömmliche Küche erinnert nur der Kühlschrank, und auch der ist – anstelle von Käse, Wurst oder Marmelade – voller Futter, Salben und Tabletten, und an der Tür hängen Spritzen und ähnliches für die Vogelpflege. Neben Zeitungsstapeln für saubere Käfige trocknet ein Berg Weißbrot, und eine Plastikkiste mit „Omas Heizdecke“ dient als Brutkastenersatz.
Man hat so seine Vorstellungen – zugegebenermaßen auch Vorurteile, wenn man eine „Vogelfrau“ besucht. Doch die Tochter eines Goldschmieds ist das Gegenteil einer schrulligen Vogelnärrin. Sie trägt weiße Jeans und Turnschuhe, begegnet Menschen ebenso warmherzig wie ihren Schützlingen, und verfügt über ein enormes Wissen. „Ein bisschen kommt mir mein Beruf als Altenpflegerin zugute. Der Rest ist viel Lesen, Erfahrung und Improvisieren.“
Überhaupt werden Vorurteile gleich am Eingang Lügen gestraft. Jochen Heller, ihr Lebensgefährte und Mitstreiter, führt durch die großen, hellen Räume, wo man erst am Ende der Wohnung Vogeltöne vernimmt. „Willkommen im Federland!“, schmunzelt Herr Heller, und hinter der Tür grüßen aufgeregt zwei Graupapageien.
„Federland“, das sind drei Zimmer, die das Paar den Vögeln freigeräumt hat. Die beiden Graupapageien, Wellen- und Nymphensittiche sowie eine kleine Exotenschar wohnen hier dauerhaft; die Haustauben, zwei Wachteln, Amsel und Wacholderdrossel nur vorübergehend. Sobald sie gesund sind und das Wetter es erlaubt, werden sie beim Naturschutzbund (NABU) ausgewildert.
In der Saison beherbergt die ehrenamtlich tätige „Freifrau von Vogelgesang“ (so darf Frau Langner sich offiziell nennen) zeitgleich etwa 30 Wildvögel. Dreimal wöchentlich kommt der NABU im Sommer, um genesene Pfleglinge abzuholen und neue zu bringen. Auch sonst hat sich das Engagement der Frau mit den rot-goldenen Locken herumgesprochen. Bei Tierärzten, mit denen sie eng zusammenarbeitet, ebenso wie bei Nachbarn, die altes Brot oder Zeitungen beisteuern.
„2009 hatten wir insgesamt 260 Wildvögel. Einmal stand morgens um sechs die saudi-arabische Botschaft mit einem verunglückten Habicht vor der Tür, und im vergangenen Jahr brachte ein Ehepaar aus Brandenburg drei junge Falken, deren Nest abgestürzt war. Die habe ich mit etwas Futter über die Nacht gebracht, denn Greifvögel darf man nicht behalten.“
Jede Vogelart hat ihre besonderen Bedürfnisse. Darum gibt Annedore Langner auch keine Telefonberatungen. „Wenn man einen Spatzen mit Regenwürmern füttert, stirbt er daran, und manche Leute erzählen, sie haben eine Ente gefunden und kommen dann mit einer Ringeltaube.“
Wer einen kranken oder schwachen Vogel findet, kann ihn zu ihr bringen, ihn während der Pflege besuchen und auf Wunsch später selbst zum NABU bringen und auswildern lassen. Für die Vogel-Paten wird einmal im Jahr der „Findevogel-Federball“ mit Buffet und Tombola veranstaltet, und es gibt den gemeinnützigen Verein „Finde Vogel e.V.“, dessen Website in fünf Sprachen übersetzt ist.
Kontakt:
Annedore Langner-Rödder
Telefon: 0162/83 94 385
www.findevogel-ev.de
Spendenkonto:
NORISBANK
Konto-Nr.: 475496600
BLZ: 76026000
Verwendungszweck: Finde Vogel






