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NAH DRAN XXXII - Stücke junger Tänzer & Choreografen
Unsicherheitsfaktor Natur
Das Bild der Panke wird sich in den nächsten Jahren dramatisch ändern. Auch wenn bis jetzt nur wenig an Veränderungen sichtbar ist, hat die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz mit den Vorarbeiten für die Renaturierung der Panke begonnen. Hintergrund ist die Europäische Wasserrahmenrichtlinie. Diese rechtlich bindende Vorschrift, die im Jahr 2000 in Kraft getreten ist, hat die Anforderungen an unsere Gewässer dramatisch verschärft. Die Richtlinie fordert einen guten ökologischen Zustand der Flüsse, also auch der Panke.
Im Rahmen von Beteiligungswerkstätten wird versucht, die Anwohner in den Planungsprozess einzubinden. Die zweite Veranstaltung dieser Art fand am 19.11.08 in einer Oberschule in der Ravenéstraße statt.
Am Hochwasserrückhaltebecken westlich der Wollankstraße ist eine Aue entstanden, die Panke windet sich kurvenreich. Kinder spielen an einem Metallsteg am plätschernden Fluss, an dessen Ufer mit einer Pumpe Wasser auf den benachbarten Spielplatz gepumpt wird. Kein Traum aus einer anderen Zeit – vielmehr stellen sich die in einer Arbeitsgemeinschaft namens "Panke 2015" zusammengeschlossenen Planer und Behördenmitarbeiter so die nahe Zukunft des Flusses vor.
Planung in trockenen Tüchern?
Bei den zwei Beteiligungswerkstätten in Mitte und Pankow wurde der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt, was die Planer für die nächsten Jahre vorhaben. "Wir sind zwar noch in der konzeptionellen Phase des Projekts", erklärt Matthias Rehfeld-Klein von der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz, die die Planung für die Renaturierung der Panke auf Berliner Gebiet verantwortet, "jetzt kann man aber sagen, dass das Konzept auf breiten Schultern ruht."
Aktive Beteiligung gefordert
Beide Veranstaltungsorte in Bildungseinrichtungen holen sowohl Planer als auch Anwohner im wahrsten Wortsinn auf die Schulbank zurück. Für die Senatsverwaltung ist diese Form der Anwohnerbeteiligung Neuland. Das Programm beschränkt sich aber nicht auf Präsentationen: In kleinen Arbeitsgruppen werden den Teilnehmern die einzelnen Planungen vorgestellt und anschließend zur Diskussion freigegeben. Dabei sollen die Anwohner auf die inzwischen ausgearbeiteten Vorstellungen der Planer reagieren. "Was passiert mit den schönen alten Bäumen auf der Mittelinsel auf der Höhe des Luisenbads?" fragt sich Birgit Bogner, die schon einmal eine Stadtsafari mit der Biologin Ulrike Willerding an dieser Stelle organisiert hat und einen Verlust dieses naturnahen Abschnitts in der heutigen Form fürchtet. Dort ist nämlich eine Auenlandschaft mit kleinen Mäandern geplant, genau wie an der Pankemündung in den Nordhafen und im Schlosspark Schönhausen. Ob mit der Renaturierung nicht auch in wertvolle Wiesenlandschaften eingegriffen wird, gibt ein anderer Teilnehmer zu bedenken.
Was an Maßnahmen möglich ist
Der Landschaftsökologe Uli Christmann erläutert, dass auch an anderen Stellen Veränderungen angedacht sind, an denen wenig Platz zur Verfügung steht : "Kleinräumig kann viel durch eine einseitige Profilaufweitung erreicht werden", erklärt der Planer. "Dadurch wird die Böschung um drei bis fünf Meter verflacht." Die Spundwände in der Panke sollen verschwinden, um einen Gewässerrandstreifen entstehen zu lassen. Bei den Abschnitten mit beidseitigen Uferwänden, wie z.B. an der Gropiusstraße in Gesundbrunnen, kann mit Vorschüttungen und Ablage von Totholz auch eine ökologische Aufwertung erreicht werden. Dass die Panke "durchgängig" gemacht wird – also keine Wehre und Abstürze mehr haben wird – soll ebenfalls dazu beitragen, dass sich Fische und Pflanzen im ganzen Gewässer ansiedeln können.
Unwägbarkeiten in der Zukunft
Die Realität setzt dem Freiraum der Planer indes Grenzen: Die Verlegung von Straßen und Wegen ist aus Kostengründen nicht möglich, und an zahlreichen Stellen ist am Fluss überhaupt kein Eingriff geplant. "Es ist der Wechsel von großen und kleinen Maßnahmen, der insgesamt zu einer höheren ökologischen Qualität führen soll", antwortet Uli Christmann in seiner Arbeitsgruppe auf die Frage, ob der von der EU-Wasserrahmenrichtlinie geforderte Endzustand auf diese Weise überhaupt erreicht werden kann. Weitere Unsicherheitsfaktoren können sich außerdem der Planung in den Weg stellen. Die Kostenschätzung steht noch aus, und welche Ausgaben im zukünftigen Landeshaushalt abgesichert werden, wird erst das nächste Jahr zeigen. "Es erscheint paradox", so führt Matthias Rehfeld-Klein zu diesem Thema aus, "aber das Projekt muss auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung überstehen".
Bis zum Planfeststellungsverfahren mit erneuter Bürgerbeteiligung ist es also noch ein weiter Weg. Hundertprozentige Sicherheit kann es auch dann nicht geben, wenn alle planerischen und finanziellen Hürden überwunden sind: das Funktionieren der Maßnahmen kann man nicht immer planen. Letztendlich ist die Natur dem Menschen keinen Gehorsam schuldig.
Auf dem Internetportal www.panke.info finden Sie unter der Rubrik "Hintergrund" weiterführende Informationen zum Thema Renaturierung der Panke - Stichwort "Panke 2015".









