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Unverblümt – kulturelle Wanderungen am Freitagabend

Kulturexpedition im ehemaligen Krematorium Wedding

Atelier für neues Lernen – Kopfhörerparcours
Desmond Garcia
Skarabäus_Passage – Multimedia-Lesung
Yunas Orchestra
Galerie Patrick Ebensberger – Führung
Pop Up Ping Pong

Am 4. März gab es im ehemaligen Krematorium Wedding die Kulturexpedition unverblümt. Mehr als zweihundert Leute waren dabei. Die Veranstaltung war großartig mit ihrem entspannten Kulturprogramm.


Die siebte Auflage der Kulturexpedition "unverblümt" fand im ehemaligen Krematorium, heute silent green Kulturquartier, statt. Diese Veranstaltung, die die erste in diesem Jahr war, war eine sehr gelungene. Über zweihundert Besucher*innen waren dabei. Ab 17.30 Uhr warteten die Gäste bereits vor der Tür und freuten sich auf den Einlass. Ein entspanntes Programm erwartete die Zuhörer*innen für den Abend. Alle waren begeistert und wollten mehr über das Projekt „unverblümt Kulturexpeditionen“ wissen. Durch den Abend führte Volker Kuntzsch von georg+georg. Die Agentur ist Projektträger und Veranstalter der Kultur- und Konzertreihe.
Der kulturelle Reigen wurde mit einem Kopfhörerparcours der Gruppe „Atelier für neues Lernen“ eröffnet. Die drei jungen Künstler*innen haben ein vom mystischen Ort des alten Krematoriums inspiriertes Ambient-Set live eingespielt. Abschied, Wandlung und Neubeginn vereinten sie in einer einzigen Sinfonie. Am Eingang des Krematoriums wurden Funk-Kopfhörer verteilt, auf denen jeder für sich die Musik hören konnte. Im Spannungsfeld zwischen kollektivem Erlebnis und individuellem Musikkonsum wurde dazu aufgefordert, auf dem Gelände des silent green umher zu flanieren. Trotz des kalten Wetters blieben die Besucher draußen, um die Symbiose von Musik und Ort auf sich wirken zu lassen. Zum Ende hin trafen sich alle im Innenhof. Das Publikum war sehr gemischt: Junge und Alte, Frauen und Männer. Manche kamen mit ihren Kindern.
Für Theodor, einen der Besucher, ist das Konzept sehr interessant. „Das ist mein erstes Mal, aber ich finde es super. Das ist ein schönes Programm.“, sagte er. Wie Theodor findet auch Annika die Veranstaltung spannend. „Das ist ein gutes Programm für einen Freitagabend. Das ist entspannend und man kann auch sehr viel über das ehemalige Krematorium lernen.“, erzählt sie.
Nach dem Kopfhörerparcours wartete im Innenhof die Einmannkapelle Desmond Garcia auf die Besucher*innen. Mit einem riesigen Hut auf dem Kopf und Kleidung im Western-Style spielte der Allround-Musiker viele verschiedene Instrumente. Er brachte Gitarre, Banjo, Mundharmonika, Schlagzeug und ein Instrument namens Charleston zum Klingen und nutzte nebenbei allerlei Objekte, um ihnen Töne zu entlocken. Damit hatte er die Besucher*innen auf seiner Seite. Beifall für Desmond Garcia!
Im Anschluss erzählte Anne Drees vom silent green Kulturquartier über die Geschichte des ehemaligen Krematoriums und die heutigen Aktivitäten vor Ort. Das ehemalige Krematorium Wedding gehört zu den denkmalgeschützten Gebäuden in Berlin. 1911 als erstes Krematorium der Stadt und insgesamt drittes in Preußen erbaut, zeugt es vom kulturhistorischen Wandel, der mit der Einführung der Feuerbestattung als alternativer Beisetzungsform in Deutschland einherging. In den 2010er Jahren fand sich eine Betreibergesellschaft, die das gesamte Bauensemble als silent green umgestaltet. Es entstanden und entstehen Büros, Ateliers, Ausstellungsflächen sowie ein Restaurant. Heute ist das Krematorium ein Kulturquartier.
Der nächste Programmpunkt führte die Besucher*innen in die Kuppelhalle, die ein riesiger Saal und Herzstück des Altbaus ist. Dort erwartete sie das Multimedia-Programm „skarabäus_passage“ von Valentin Moritz, Saskia Trebing und Sarah Wohler. Die drei Künstler*innen haben extra für diese Veranstaltung eine Multimedia-Lesung konzipiert. Begleitet von Projektionen lasen sie selbst geschriebene Texte. In der Halle herrschte eine tolle Stimmung bei gedämpftem Licht. Alle fanden die Atmosphäre sehr angenehm. „Ich habe hier so viel über das Krematorium gelernt und trotzdem so viel Spaß gehabt. Das war sehr schön.“, sagt Judith mit einem Lächeln, ihren Mantel über die Schulter geworfen.
Nach gut einer halben Stunde waren die Besucher*innen der Expedition eingeladen, in den Kubus zu gehen. Dort erwartete sie Yunas Orchestra, ein Kraut-Jazz-Synthesizer-Projekt. Für viele war das sicher der schönste Teil der Veranstaltung. Zum Musikgenre zitieren wir den Pressetext: "Das Yunas Orchestra spielt mit verschiedenen Einflüssen: der warmen Melancholie Miles Davis’ und den kühlen Synthesizer-Arpeggios von Drexciya, den einfachen Melodien des deutschen Krautrocks und den offenen Akkordstrukturen moderner House Music. Drexciya war das Gemeinschaftspseudonym der Musiker James Marcel Stinson und Gerald Donald aus Detroit, Michigan (USA) und gilt als eines der einflussreichsten Projekte der elektronischen Musik." Besser kann man es unmöglich erklären. Nur dabei sein hilft …
Noch während Yunas spielte fingen ein paar Leute in der Kuppelhalle an Pop-up Ping-Pong zu spielen. Pop-up Ping-Pong? Klassischer Rundlauf für viele Mitspieler. Nicht das Gewinnen zählt, sondern das Mitmachen. Der Spaß am Spiel hielt die Teilnehmer*innen bis zum Ende des Abends an der Platte.
Ein weiterer Programmpunkt war der Besuch der Galerie Patrick Ebensperger. Über einen kleinen Hof lief die Gruppe durch eines der großen Tore zur Plantagenstraße. In einer grauen, mit Moos bewachsenen Mauer befindet sich eine Stahltür, auf die ein rotes Kreuz gemalt ist – der Eingang zur Galerie. 2013 eröffnete Patrick Ebensperger seine neuen Räume im Westteil des ehemaligen Krematoriums, errichtet in den dreißiger Jahren. Kunst gab es nicht zu sehen, aber gerade die „nackten“ Räume, deren Ursprünglichkeit weitestgehend erhalten wurde, begeisterten die Besucher*innen. Vor allem die ehemalige Aussegnungshalle, ein beeindruckender Sakralbau im gotischen Stil mit parabellförmiger, neun Meter hoher Decke faszinierte alle Teilnehmer*innen der Kulturexpedition.
Die siebte unverblümt-Auflage war ein großer Erfolg. Die Veranstalter hatten ein reichhaltiges Programm zusammengestellt und die Besucher*innen konnten einen wirklich spannenden Ort neu erkunden.

Text: Mamadou Diallo

Fotos: georg+georg