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Vorweihnachtliche Bescherung in der "Chance Nord" dank engagierter Schüler der 9c
Schüler der 9c sorgen für Weihnachtsstimmung in Kriseneinrichtung
21.12.2005
Der "Straßenblues" streckte an.
Manchmal weiß die Gymnasiallehrerin Astrid Hansen nicht so recht, wie sie das Verhalten Jugendlicher einzuordnen hat. Ob rauher Umgangston oder "in der U-Bahn nicht für ältere Menschen aufstehen, das macht mir manchmal schon Sorgen". In den letzten Monaten konnten ihre Schüler mal wieder zeigen, was für ein gutes Herz sie haben. Mit großem Engagement waren sie in ganz Berlin unterwegs, haben Spenden für soziale Einrichtungen wie die Arche in Hellersdorf gesammelt, für Altenheime und Pflegestationen Kekse gebacken und als Weihnachtsmänner verkleidet Lieder gesungen.
Zur Chance Nord in der Nazarethkirchstraße kamen sie eher durch Zufall, über den Umweg eines Buches. Astrid Hansen unterrichtet evangelische Religion an der Gabriele-von-Bülow-Schule. Im Unterricht haben sie "Straßenblues", ein Buch von Christine Feher, gelesen. Es handelt von der vierzehnjährigen Maxi, die sich von ihrer Mutter nichts sagen lassen will, vom Stiefvater geschlagen wird und ihre Freiheit mit der Flucht auf die Straße sucht. "Das Buch hat die Schüler berührt", so die Lehrerin. Im Anhang waren Adressen von Einrichtungen und Anlaufstellen für Jugendliche verzeichnet, unter anderem auch von der Treberhilfe Berlin e.V. "Die Schüler haben sich überlegt, daß sie was tun wollen. Ich habe es nur ein wenig in geordnete Bahnen gelenkt", so die Lehrerin.
Zum verabredeten Termin in der Chance Nord, eine Kriseneinrichtung für Kinder und Jugendliche von 12 bis 17 Jahren, bringen die neun Schüler riesige Pakete und Tüten mit. Um sie mit Süßigkeiten, Pflegeprodukten und anderen Sachen füllen zu können, haben unter anderem Silke, Melanie, André und Hendrik Drogerien und große Läden abgeklappert und um Spenden gebeten
Katrin Welge, Sozialpädagogin in der Einrichtung, nimmt die Schülergruppe und die liebevoll verpackten Geschenke stellvertretend für die Klienten in Empfang. "Das Kids was für Kids machen, finde ich super. Das ist nicht selbstverständlich", so Welge.
In gemütlicher Runde steht sie Rede und Antwort für die vielen Fragen der engagierten Klasse. Dabei wird schnell klar, daß es gar nicht so einfach ist, ein "Treber" zu sein. "In der Einrichtung gibt es strenge Regeln, an die sich alle halten müssen", wie Welge erklärt. Dazu gehört unter anderem, daß alle spätestens um sieben Uhr geweckt werden. Es wird darauf geachtet, daß die Schule besucht wird, Termine, wie beispielsweise mit dem Jugendamt, eingehalten werden. Bis zu sechs Wochen können die Jugendlichen in der geräumigen Altbauwohnung bleiben, bis weitere Anschlußhilfen gewährleistet sind.
Für die Schüler der 9c ein spannender Tag, für die Klienten der Chance Nord wird es dann am 24.ten eine tolle Überraschung, wenn unter dem Weihnachtsbaum die Geschenke liegen.






