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Donnerstag, 21.10.2010

Wenn Schüler Lehrer sind – Ferienschule in der Herbert-Hoover-Realschule

Direktor Thomas Schumann in seiner Schule
Der gut gelaunte Englischkurs
Ferienlehrer Birol (Englisch) und Busra (Mathe)
Lehrer und Schüler. Safak Sakrak (ganz rechts), Anthony (Mitte)
Konzentrierte Lernatmosphäre beim Englisch
Bruchrechnung exzessiv

„May I interrupt you?“ Die höfliche Frage erntet überraschte Blicke. In lupenreinem Englisch stellt der Schulleiter den Besucher vor. Wir treffen auf konzentrierte Arbeitsatmosphäre in einem Klassenzimmer. Zwei Fünfzehnjährige stehen vor einer Gruppe von acht Sechstklässlern: Englischunterricht in der Herbert-Hoover-Realschule, mitten in den Herbstferien. Es ist Ferienschule für Schüler der Humboldthain- und Rudolf Wissell-Grundschule. Und die Lehrer sind keine Lehrer, sondern Zehntklässler in Sweatshirts der Herbert-Hoover-Realschule.

Schulleiter Thomas Schumann hat das Projekt gemeinsam mit den Kollegen der beiden Grundschulen ins Leben gerufen und findet viele lobende Worte für seine Aushilfs-Lehrer. Ganz spontan und ohne Lockangebote oder Überzeugungsarbeit hätten sich 10 Realschüler dazu bereit erklärt, eine Ferienwoche zu opfern, um Grundschülern in Deutsch, Englisch und Mathe auf die Sprünge zu helfen. Und vom Engagement seiner Schüler ist der sympathische Endfünfziger regelrecht begeistert: Die kämen extra eine Stunde früher, um ihren Ferienschülern auch ein Mittagessen anbieten zu können.

Begleitend sorgen Lehramtsstudenten, die bereits über das Nachhilfeprogramm „Sprint“ in Verbindung zur Schule stehen, für die fachlich-didaktische Qualität des Kurses. Jeweils vor und nach den Unterrichtstagen treffen sie sich mit den Realschülern, um auszuwerten, vorzubereiten und Hilfe anzubieten. Die Grundschüler können zwischen den drei Kursen wechseln, die unterrichtenden Realschüler entscheiden sich nach ihren persönlichen Vorlieben für einen der drei Kurse.

Gerundium statt Griechenland, Akkusativ statt Ausschlafen, Bruchrechnung statt Bolzplatz – wie nehmen die Kids die Ferienschule an? Spaß jedenfalls scheint der „Unterricht auf Augenhöhe“ (Schulleiter Schumann) allen zu machen. „Von mir aus könnte es noch eine Woche länger gehen.“ sagt Safak Sakrak (15), der Englisch unterrichtet. Und der 12jährige Anthony findet, dass es viel lustiger sei etwas von älteren Schülern als von Lehrern zu lernen.

Das Projekt knüpft an gute bilaterale Beziehungen der Herbert-Hoover-Realschule zu den lokalen Grundschulen an. So besuchen seit zwei Jahren Grundschüler im November die Realschule, um sich ein Bild vom Lernen dort machen zu können. Und viele Schulen und Kitas im Kiez mit den Ausrichtungen Deutsch, Musik und Theater sind seit 2010 Mitglied im kulturellen Bildungsverbund Pankstraße.  

Nicht direkte Intention, aber durchaus erwünschter Nebeneffekt wäre es in den Augen von Thomas Schumann, wenn die Ferienschule dazu beitrüge, mehr Schüler mit Migrationshintergrund (ca. 90% in der Herbert-Hoover-Schule) für das Lehramt zu begeistern. Ob das klappt? Auf Nachfrage überlegt Safak: „Nachdem ich sehe, wie gut das hier mit den Kindern klappt, würde ich das auf keinen Fall ausschließen.“


Johannes Hayner