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Freitag, 18.10.2013

Wir im Quartier

Du bist das Fest, porträtier Dein Quartier!

"Du bist das Fest" - Aktion während des Kulturfestivals Wedding Moabit 2013
So sieht das mobile Fotostudio "Porträtier Dein Quartier" aus - hier am Nettelbeckplatz
Diese Schwestern ließen sich gemeinsam fotografieren
Ein Hut- und Mützenverkäufer vom Nettelbeckmarkt mit einem seiner Objekte
Anna-Dorothea Falkenstein und Hugo Estrela in ihrem Studio

Kunst- und Kulturvermittlung als Chance für Bildung und Image im Quartier nutzen, das ist die Idee hinter dem Projekt „Wir im Quartier“. Das vom Quartiersmanagement geförderte Projekt führen Anna-Dorothea Falkenstein und Katinka Wondrak seit Mitte des Jahres hier vor Ort durch. Neben verschiedensten Aktionen, Veranstaltungen und Angeboten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene soll dieses Projekt vor allem die Zusammenarbeit der Kunst- und Kulturschaffenden mit den schulischen und außerschulischen Einrichtungen im Quartier erzielen. Im Rahmen des Projektes soll eine mobile Infrastruktur entstehen, um einen alltäglichen Kunst- und Kulturbegriff unter die Leute zu bringen.

Zentrales Element dabei ist das QMobil, ein mobiles Atelier mit Außeneinrichtung auf drei Rädern. Es enthält Arbeitsmaterial etwa aus den Bereichen Objektbau, Drucktechnik, Puppentheater, Performance oder Fotografie. Im Projekt „Wir im Quartier“, das bis Ende 2015 läuft, werden alltägliche Künstler und Kunstphänomene ermittelt und gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern des Quartiers Aktionen und Workshops erfunden und gestaltet. Ganz nach dem Motto: „Wir alle sind Künstler!“

Die erste öffentliche Aktion war „Du bist das Fest“ während des Kulturfestivals Wedding Moabit. Aus Kartons entstanden auf dem Nettelbeckplatz Möbel, Einrichtungen, ja, ein ganzes Haus mit Dusche. Viele Kinder und einige Erwachsene planten und bauten mit den Kulturermittlern Stühle, Hocker, Bänke und vieles mehr. Die ca. 100 Teilnehmer waren auf dem Weg, möglichst viele im Kiez zu erreichen, schon ein toller Erfolg. Und weiter ging es in der 2. Herbstferienwoche mit der Fotoaktion „Porträtier Dein Quartier“ auf vier Plätzen im Kiez. Wir waren dabei.

Freitag, 11. Oktober um 14 Uhr auf dem Nettelbeckplatz. Neben den üblichen Marktständen mit Kartoffeln, Obst, Fisch, Fleisch und Textilien steht heute ein weiterer Wagen: ein ehemaliger Krankentransport. Das Gefährt ist umgestaltet zu einem mobilen Fotostudio. Die Kulturermittler lassen Porträts entstehen von allen Menschen, die das Leben hier ausmachen: Anwohner, hier Arbeitende, Flaneure … Wie und ob sich die Besucher beim Fotoshooting inszenieren, bleibt jedem überlassen. Und auch, ob sie das Foto selbst machen oder sich einfach nur vor die Kamera setzen. Nach dem "Schuss" darf jeder ein sofort ausgedrucktes Portrait mitnehmen. Alle entstandenen Portraits werden demnächst in einer Ausstellung im Quartier zu sehen sein.

Gerade scheint die Gelegenheit zum Nachfragen günstig: Zwei "Besucher" verlassen den Wagen und Hugo Estrela, Fotograf und Portugiese steht für einen Moment alleine da. Hugo hat Erfahrungen mit solchen Projekten. Im Rahmen von 48h Neukölln porträtierte er Menschen in Spätkauf-Läden. Nun ist er mit den Kulturermittlern in unserem Kiez unterwegs. Wie sind seine Erfahrungen? "Im Unterschied zu Neukölln ist es hier viel, viel einfacher, mit den Leuten in Kontakt zu kommen. Dort musste ich die Menschen fast überreden, an der Fotoaktion teilzunehmen, die Leute hier gehen oft nochmal los, um Freunde oder Familie zu holen.", erzählt Hugo. Sein lustigstes Erlebnis? "Das war am Nauener Platz am Mittwoch. Uns fiel schon geraume Zeit eine Frau auf, die uns aus größerer Entfernung beobachtete. Schließlich kam sie zu uns und erzählte ganz genau, wie sie fotografiert werden wollte. Allerdings war sie immer noch nicht dazu bereit. Kurz nachdem sie sich von uns verabschiedete, kam sie zurück - mit einer Silikonmaske, die sie gefunden hatte. Mit dieser Maske endlich konnten wir sie porträtieren."

Anna-Dorothea Falkenstein kommt dazu. Beide sind in dieser zweiten Ferienwoche vom 8. bis 11. Oktober mit dem Fotostudio auf Tour. Anna berichtet, dass ihre Erwartungen weit übertroffen wurden. "Ich hatte mit viel mehr Berührungsängsten gerechnet. Aber was hier passiert, das ist wirklich großartig."

Die fotografische Annäherung führt oft zu langen und detailreichen Erzählungen. "Wenn wir beim nächsten Mal unterwegs sind, und wir wiederholen die Aktion auf jeden Fall, dokumentieren wir vielleicht auch diese Geschichten. Wert sind sie es allemal." Am Utrechter Platz, wo viele Studenten wohnen,  gingen die Gespräche auch zu gesellschaftlichen und politischen Themen wie Gentrifizierung über.

Das Fotostudio wurde zum Raum für Interaktion. Täglich gab es Leute, die auch mit ganz  eigenen Projektideen auf die Kulturermittler zu kamen. Andere waren einfach nur zum Gucken da. Jugendliche fotografierten sich nach dem Porträtieren noch lange gegenseitig mit ihren Smartphones. Oft sind Kinder und Jugendliche die Türöffner für Familienporträts. Als Appetithäppchen hängen schon ein paar Fotos an der Tür des Autos. Bei dem was dort zu sehen ist, kann sich der Kiez demnächst auf eine lebendige Ausstellung seiner Bewohner freuen.

 

Merken kann man sich auch schon den 23. Oktober, denn das ist der zweite  aus einer Reihe von Mittwochsterminen, an denen „Wir im Quartier“ von 15 bis 18 Uhr Aktionen für alle im Kiez veranstaltet. Näheres dazu jeweils aktuell auf der QM-Website.

 

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Johannes Hayner