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Wo, Bitte, Geht‘s zum Quartiersfonds?

Für einen bunten, lebenswerten Kiez setzen sich die die Mitarbeiter des QM-Pankstrasse ein. Die Abbildung zeit das peppige, wandfüllende Graffiti von Street-Art-Künstler Lake auf der Brandmauer hinter dem Fußballplatz in der Adolfstraße. Foto: Lake

"Unsere vornehmste Aufgabe ist es, uns selbst überflüssig zu machen", sagt Sükran Altunkaynak lachend. Die Diplom-Ingenieurin ist seit 2002 Quartiersmanagerin und neben anderem für Integrationsbelange sowie für den Quartiersfonds 2 zuständig. Was aber verbirgt sich hinter dem Quartiersfonds 2?

Aus dem Bund-Länder-Programm Soziale Stadt stehen in diesem Fördertopf jährlich insgesamt 35 000 Euro zur Verfügung. Gefördert werden Projekte ab 1000 bis 10 000 Euro. Das Quartiersmanagement startet hierfür einen Ideenaufruf und nach Eingang der Projektvorschläge wird gemeinsam mit dem Quartiersrat geprüft und abgestimmt, welche Vorhaben zur Sicherheit, zur sozialen und interkulturellen Integration oder zur Sprachförderung beitragen können. Das 22-köpfige Gremium aus Bewohnern und Vertretern der Institutionen und Initiativen im Kiez ist das Herzstück der Bürgerbeteiligung und hat eine wichtige Stimme bei der Mittelvergabe.

Apropos Ideenaufruf. In diesem Jahr sind 52 Anträge allein für den Quartiersfonds 2 eingegangen. Das sprengt natürlich die finanziellen Kapazitäten. Dennoch besteht eine wesentliche Aufgabe des Quartiersmanagements darin, den Menschen Mut zu machen. „Wir möchten den Bewohnern vermitteln, dass ihre Ideen willkommen sind und wir ihre Anliegen ernst nehmen“, sagt Hendrik Brauns. Der Quartiersmanager ist seit einem Jahr an Bord und kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit und die Homepage. „Der Kiez muss ‚Gesicht zeigen’, damit er im Gesamtgefüge der Stadt nicht untergeht“, so der studierte Geograf und Stadtentwickler, der außerdem den Quartiersfonds 1 (für kleine Aktivitäten der Nachbarschaft bis maximal 1000 Euro) betreut. Über die unkomplizierte Verteilung dieser Gelder entscheiden die zwölf Mitglieder des Vergabebeirats, der sich überwiegend aus Kiezbewohnern zusammensetzt.

„Manche kommen sehr ‚vorsichtig’ mit einer Idee“, sagt Sükran Altunkaynak, „und wir helfen ihnen dann, diese weiterzuentwickeln und ermutigen die Anwohner, einen Antrag zu stellen.“ Doch für die Antragstellung braucht man nicht nur Mut, sondern auch ein gewisses Know-how um das Prozedere. Von der Idee bis zur Realisierung steht das QM-Team mit Rat und Tat zur Seite, ebenso wie bei der leidigen Abrechnung. Denn das Argument ‚Es stand doch alles im Antrag!’ reicht öffentlichen Geldgebern nicht.

Erst recht nicht bei den Quartiersfonds 3 und 4. Immerhin werden über ersteren mit insgesamt mehr als 350 000 Euro größere Projekte - mit einem Mittelbedarf ab 10 000 Euro und einer Laufzeit bis zu drei Jahren - gefördert, und für umfassende Baumaßnahmen stehen im Quartiersfonds 4 sechsstellige Euro-Summen zur Verfügung. Da sind die Verfahren naturgemäß komplizierter. Das QM-Team diskutiert die Gewichtung der Handlungsfelder und die Zielsetzungen mit dem Quartiersrat, verfasst und veröffentlicht dementsprechend die Ausschreibungen, prüft Anträge und spricht mit den Bewerbern. Die Empfehlungen des Quartiersrats und die Projekte werden in der Steuerungsrunde mit der Bezirkskoordinatorin Kerstin Rietz sowie mit den zuständigen Fachämtern abgestimmt.

Federführend ist hierbei Teamleiterin Susanne Walz. Sie pflegt den ‚heißen Draht’ zu den Ämtern und zum Träger, der Stadtteilentwicklungsgesellschaft L.I.S.T.. Vor allem aber trägt die Landschaftsplanerin die Diskussionen und Resultate ins Team, in den Quartiersrat und in die Gremien und Initiativen im Kiez zurück. Denn Kommunikation und Vernetzung sind essentielle Bestandteile der QM-Arbeit. „Gerade jetzt, wo sich zum Beispiel die Schulen durch die Schulreform mit externen Partnern neu aufstellen müssen. Nur wenn wir die Schnittstellen und neuen Bedarfe im Hinblick auf die Ganztagsschule gemeinsam entwickeln, können wir im Rahmen des Programms Soziale Stadt neue Ideen und Modelle entwerfen“, sagt Susanne Walz. „Wie beispielsweise auf der Gebietskonferenz“, ergänzt Hendrik Brauns, und Sükran Altunkaynak bringt die Bedeutung des Quartiersmanagements als Bindeglied zwischen Bürgern und Ämtern auf den Punkt: „Früher war das Verhältnis eher von Konkurrenz geprägt. Jetzt unterstützen sich die Bewohner und die Vertreter der Bezirksämter gegenseitig.“

Keine Vernetzung ohne Veranstaltungen. Von Informationsabenden bis zum Kiezfest organisiert das Quartiersmanagement vielfältige Gelegenheiten zur Zusammenkunft, und das Team zeigt Präsenz bei Versammlungen oder Feierlichkeiten von Initiativen und Institutionen im Kiez. „Wir wollen auf die Menschen zugehen“, sagt Hendrik Brauns. „Gemeinsam mit ihnen Möglichkeiten finden, wie sie die Wohn- und Lebensqualität im Kiez mitgestalten und verbessern können.“

Trotz allem, was in den vergangenen acht Jahren schon erreicht und bewegt wurde – so bald wird sich das Quartiersmanagement wohl nicht überflüssig machen können. Das zeigt nicht zuletzt ein Blick ins Vorort-Büro: Eingedenk der Kiezläufer und studentischer Hilfskräfte arbeiten zurzeit 11 Menschen in der Prinz-Eugen-Straße 1. Da geht es oft lebhaft und manchmal recht turbulent zu. Konzentriertes Arbeiten ist da nur selten möglich, weshalb die Teamleiterin Aufgaben wie das Schreiben eines 68-seitigen Handlungskonzeptes auch schon mal zu Hause erledigt.

Das Quartiersmanagement arbeitet für die Bürger – aber es funktioniert auch nur mit Ihrem Engagement. Machen Sie mit! Mischen Sie sich ein!

Kontakt:
Quartiersmanagement Pankstrasse
Prinz-Eugen-Str.1
13347 Berlin

E-Mail: qm-pank[at]list-gmbh[.]de
Tel.: 030/ 74 74 63 47

 

 

Michaela Nolte